Sexuell belästigter Mann erhält 87'000 Franken
Aktualisiert

Sexuell belästigter Mann erhält 87'000 Franken

Ein Westschweizer Unternehmen muss einem entlassenen Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung durch eine Direktorin die Genugtuung von 10'000 Franken bezahlen. Zudem erhält der Mann wegen ungerechtfertigter Entlassung 77'000 Franken, wie das Bundesgericht in Lausanne entschieden hat.

Der Mann wechselte nach 20-jähriger Führungstätigkeit in einem Kurierunternehmen die Stelle und nahm in einem anderen Unternehmen einen Job als «Station Manager» an. Dort wurde er von seiner direkten Vorgesetzten, einer Direktorin, mehrmals sexuell belästigt. Die Frau versuchte ihn verschiedentlich zu umarmen. Aus Expertisen und Befragungen geht zudem hervor, dass die Direktorin ihrem Angestellten einmal ans Gesäss griff, ihn ein andermal gegen die Wand drückte und Kopulationsbewegungen vollführte. Der bedrängte Mann vertraute sich anderen Personen an. Er habe Angst vor einer Entlassung, wenn er sich gegen die sexuellen Belästigungen wehre.

Fünf Monate nach Stellenantritt wurde der Mann entlassen. Das Unternehmen warf ihm unter anderem vor, wenig kommunikativ zu sein und kaum Interesse am Unternehmen und an seiner Arbeit zu haben. Zudem habe er der Direktion mehrmals widersprochen und sei für ein schlechtes Arbeitsklima verantwortlich gewesen. Darauf klagte der Entlassene wegen ungerechtfertigter Entlassung und berief sich auf die sexuellen Belästigungen.

Das Genfer Appellationsgericht sprach dem Mann in zweiter Instanz wegen der sexuellen Belästigungen eine Genugtuung von 10'000 Franken und wegen ungerechtfertigter Entlassung eine Entschädigung von 77'000 Franken zu. Das Unternehmen rief das Bundesgericht an. Sexuelle Übergriffe der Direktorin seien nicht erwiesen. Kein einziger der als Zeugen befragten Angestellten habe entsprechende Feststellungen gemacht, argumentierte die Firma.

Das Bundesgericht hat die Willkürbeschwerde des Unternehmens nun abgewiesen. Eine Expertise hatte ergebe, dass die sexuellen Belästigungen für die erheblichen Depressionen des entlassenen Mitarbeiters verantwortlich waren. Die Genfer Justiz habe zu Recht auf die Aussagen jener Zeugen abgestellt, an die sich der Mann gewandt habe und die indirekt mit den sexuellen Belästigungen konfrontiert gewesen seien.

(Urteil 4P.214/2007) (dapd)

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