Aktualisiert 08.12.2008 16:09

Alternativer NobelpreisSexuelle Gewalt, Rolle der Frau, Medien, Landrechte

Die mit den diesjährigen Alternativen Nobelpreis ausgezeichnete Ärztin Monika Hauser hat sexuelle Gewalt in Kriegsgebieten als Form der Folter kritisiert.

Vor der Vergabe der Auszeichnung am Montag in Stockholm erklärte Hauser auf einer Pressekonferenz, das zerstörerische Potenzial sexueller Gewalt werde in Kriegen noch vervielfacht. Die 49-Jährige sollte am Abend vor dem schwedischen Parlament zusammen mit der Amerikanerin Amy Goodman, dem indischen Ehepaar Krishnammal und Sankaralingam Jagannathan sowie der Somalierin Asha Hagi geehrt werden.

Hauser, die Gründerin der Organisation Medica Mondiale, wurde für ihren Einsatz für Frauen, die in Krisenregionen schrecklichste sexualisierte Gewalt erfahren haben, geehrt. Die Gynäkologin kämpfe dafür, «ihnen gesellschaftliche Anerkennung und Entschädigung zu verschaffen», hatte die Stiftung ihre Entscheidung im Oktober begründet.

Goodman betonte die Bedeutung unabhängiger Medien. Angesichts der derzeitigen Themen «globale Erwärmung, globale Kriege und globale Wirtschaftskrise» müsse es Medien geben, die die Mächtigen zur Verantwortung zögen, forderte Goodman. Journalisten müssten den vergessenen und im Stich Gelassenen eine Stimme geben, und die Medien könnten eine treibende Kraft für Frieden sein. «Die Medien sollten eine Zufluchtsstätte für abweichende Meinungen sein», sagte die Amerikanerin, die die tägliche Nachrichtensendung «Democracy Now!» moderiert.

«Es gibt Mut inmitten der Angst»

Krishnammal Jagannathan erklärte, Persönlichkeiten wie Mahathma Gandhi hätten ihr Denken geprägt und sie inspiriert, sich für die Armen und vor allem für Frauen einzusetzen. Das Ehepaar kämpft mit der Organisation LAFTI (Land for the Tillers' Freedom - Land für die Freiheit der Ackerbauern) um Landrechte für die ärmste Kaste der sogenannten Unberührbaren in Indien.

Hagi sagte, der «Right Livelihood Award» werde «in einer gefährlichen Zeit» für ihr Land vergeben. In den vergangenen beiden Jahren habe sich die Lage in Somalia stetig verschlechtert. Der Alternative Nobelpreis zeige jedoch, dass es trotz der Widrigkeiten, denen die Somalier ausgesetzt seien, noch Menschlichkeit gebe. «Es gibt Mut inmitten der Angst», sagte Hagi. Sie engagiert sich für die Einbeziehung von Frauen in dem schwierigen Friedensprozess in ihrem Land.

Die Preisträger teilen sich zwei Millionen Schwedische Kronen (339 000 Franken). Begründet wurde der «Right Livelihood Award» 1980 vom schwedisch-deutschen Philanthropen Jakob von Uexküll. Er soll Personen und Initiativen ehren, die bei der Vergabe der Nobelpreise nicht beachtet werden. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.