Aktualisiert 27.03.2013 20:39

Kriminalstatistik

Sexuelle Nötigung: Drei Mal mehr Anzeigen

Sexualdelikte bei Jugendlichen haben in der Stadt Zürich deutlich zugenommen. So sind 2012 drei Mal mehr Anzeigen wegen sexueller Nötigung eingegangen als 2011. Jürg Zingg, Chef Region West der Stadtpolizei Zürich, nimmt Stellung.

von
wed
Jürg Zingg, Chef Region West der Stadtpolizei Zürich.

Jürg Zingg, Chef Region West der Stadtpolizei Zürich.

Herr Zingg, die Jugendkriminalität hat 2012 insgesamt abgenommen. Hingegen verzeichnen Anzeigen wegen sexueller Nötigung bei Jugendlichen in der Stadt Zürich eine Zunahme um 200 Prozent von 7 auf 21 Fälle zu, wie erklären Sie sich das?

Jürg Zingg: Diese Steigerung ist in der Tat aussergewöhnlich hoch. Ich gehe davon aus, dass die Prävention sowie die Thematisierung in der Öffentlichkeit viele dazu bewegen konnten, Anzeige zu erstatten. Es besteht allerdings auch eine hohe Dunkelziffer.

Was genau versteht man unter der sexuellen Nötigung?

Wenn Personen gezwungen werden, sexuelle Handlungen vorzunehmen oder an sich erdulden zu lassen, die jedoch nicht zum Geschlechtsverkehr führen. In diesem Fall würde man von einer Vergewaltigung sprechen.

In Ihrer Statistik zur sexuellen Nötigung sind die Täter alle männlich. Warum gibt es keine Frauen, die in diesem Zusammenhang straffällig werden?

Ich denke, dass die Frauen in diesem Alter eher schüchterner sind als die Männer. Ich kann jedoch nicht ausschliessen, dass es auch umgekehrt zu solchen Übergriffen kommen kann.

38 Prozent der Täter sind Ausländer. Kann man die ausländischen Täter einer bestimmten Region zuordnen?

Nein, dort ist kein Trend hinsichtlich einer bestimmten Region oder Nationalität erkennbar.

Auch die Gesamtzahl der Sexualdelikte bei Jugendlichen in der Stadt Zürich ist gegenüber dem Vorjahr um 63 Prozent angestiegen. Was wissen Sie über die Gründe dafür?

2010 und 2011 war ein deutlicher Abwärtstrend von bis zu 50 Prozent erkennbar, gegenüber den Jahren zuvor. Das war auf eine gut funktionierende Prävention zurückzuführen. Nun sind wir wieder auf einem ähnlichen Level wie 2009. Wir dürfen uns also nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen und werden uns in diesem Jahr noch mehr um Prävention bemühen.

Muss man auch in diesem Jahr mit einer Zunahme dieser Sexualdelikte rechnen?

Zum jetzigen Zeitpunkt, kann ich noch keinen Trend für das Jahr 2013 vermelden. Es hängt auch viel davon ab, wie sich die hohe Dunkelziffer und die Thematisierung in der Öffentlichkeit entwickeln.

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