Sexuelle Übergriffe auf Schwerstbehinderte
Aktualisiert

Sexuelle Übergriffe auf Schwerstbehinderte

Ein 44-jähriger Psychiatriepfleger ist in Bern zu sechseinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt worden.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er zwei schwerstbehinderte Mädchen mehrfach geschändet und sexuell missbraucht hat.

Die Vorfälle begannen 1998 und erstreckten sich über einen Zeitraum von rund zwei Jahren in einem Behindertenheim in Gümligen BE. Der für den Nachtdienst zuständige Betreuer missbrauchte die beiden heute 18 und 14 Jahre alten Mädchen während insgesamt 20 Nächten und machte dabei rund 1000 Fotos.

Der Sachverhalt war während des Prozesses unbestritten, der Angeklagte geständig. Die Verteidigung beantragte jedoch ein Strafmass von nur 40 Monaten, unter anderem mit Blick auf Urteile in ähnlich gelagerten Fällen.

Krasser Missbrauch

Es liege ein krasser Missbrauch vor, Sexualdelikte seien grundsätzlich nur schwierig miteinander zu vergleichen, begründete das Gericht das Strafmass von sechseinhalb Jahren.

Der Mann habe sich an zwei behinderten Jugendlichen vergangen, den wehrlosesten Gliedern der Gesellschaft. Er habe eine hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt, gleichsam menschenverachtend gehandelt, und dabei das Vertrauen von Eltern und Heimleitung missbraucht.

Strafmildernd wirke sich einzig aus, dass der ausgebildete Erzieher und Psychiatriepfleger von Beginn an geständig war. Das bei ihm keine glaubwürdige Reue ausgemacht werden könne, führte das Gericht auf eine psychiatrisch diagnostizierte «akzentuiert dissoziale Persönlichkeit» zurück; strafmildernd wirkte sich diese Diagnose jedoch nicht aus.

Die Angehörigen der Mädchen traten als Privatkläger auf; sie einigten sich mit dem Täter auf eine Genugtuung. Der Verurteilte befindet sich seit einem Jahr im vorzeitigen Strafantritt in Witzwil BE. Das Gericht ordnete eine ambulante psychotherapeutische Behandlung an, die nach dem Strafvollzug weitergeführt werden muss.

(sda)

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