Aktualisiert 17.03.2009 15:02

Mehr Marktanteile

SF will den vernetzten Konsumenten

Das Schweizer Fernsehen (SF) will sich fit für den Multimedia nutzenden Konsumenten machen. TV-Angebote würden zusehends zeitversetzt via Internet bezogen, wo dem SF Werbung verboten sei, sagte Fernsehdirektorin Deltenre. Dieser Trend sowie der Spardruck beschleunigen das Konvergenzprojekt.

Der «vernetzte Konsument», ist ein Multimedia-Nutzer, der Fernsehprogramme überall und jederzeit via Internet auswählt, auf Handy oder Computer herunterlädt und ansieht. Diesen Nutzer von Fernsehen auf Abruf (TV on Demand) will SF vermehrt gewinnen, wie Fernsehdirektorin Deltenre an der Jahresmedienkonferenz 2009 darlegte. Sie schätzte, dass im Jahr 2015 ein TV-Konsument bereits 38 Minuten pro Tag zeitversetzt Fernsehen auf Abruf sehe, während die Zeit für klassisches Fernsehen via TV-Gerät von heute 141 auf 114 Minuten pro Tag abnehme. Als Beispiel nannte Deltenre das Satireformat «Giaccobo/Müller»: Schon jeder Fünfte sehe sich diese Sendung nicht mehr direkt im Fernsehen an, sondern später via Podcast oder Video auf dem SF-Internetportal sf.tv.

Im laufenden Jahr werde SF eine 2008 erarbeitete Multimedia-Strategie schrittweise umsetzen. Dazu gehört auch ein Video-Portal, das im Internet, aber durch Zusammenarbeit mit Kabelnetzbetreibern auch am TV-Gerät genutzt werden kann. Ein Projekt sieht vor, dass Cablecom alle SF-Sendungen aufnimmt und via Set-Top-Box am TV-Gerät auf Abruf zur Verfügung stelle, sagte Deltenre.

Deltenre ist stolz über das Erreichte

Die Verlagerung gehe Richtung Internet, doch hier habe SF das Problem, dass es keine Werbung auf seinem Portal schalten dürfe. Zugleich sei die klassische TV-Werbung rückläufig und generiere weniger Einnahmen. Der Umsatz der SRG-Werbetochter publisuisse nahm, wie berichtet, im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent ab. «Dies ist einer der Gründe, warum wir über die Konvergenz von Fernsehen und Radio nachdenken», sagte Deltenre. Durch die Zusammenführung von SF und Radio DRS würden Synergien genutzt und Kosten gespart. Zudem trage die Konvergenz der veränderten Mediennutzung - dem vernetzten Konsumenten - Rechnung. «Die wirtschaftliche Lage beschleunigt den Druck, eine solche Konvergenz voranzutreiben», sagte Deltenre.

Im Rückblick sagte Deltenre, sie sei stolz über die Stabilität der Marktanteile von SF über die Jahre hinweg. Im vergangenen Jahr steigerte SF, wie im Januar berichtet, dank Sport-Grossereignissen seinen Marktanteil im Ganztagesschnitt um 0,7 Prozentpunkte auf 34,2 Prozent. Ohne die schlecht laufende Eigenserie «Tag und Nacht» hätte der Sender das beste Jahr aller Zeiten erzielt, wie Deltenre sagte. Auch das Image von SF sei hervorragend. In einer repräsentativen Image-Umfrage des Marktforschungsinstituts Demoscope habe das Publikum das SF so hoch bewertet wie noch nie. «SF ist beim Publikum in allen Sparten der Sender erster Wahl», sagte Deltenre.

Trotz guten Marktanteilen, auch das SF muss sparen. Sagen Sie uns, welche Sendung das SF bedenkenlos streichen könnte – im unserem Rating (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.