SF zog Hochzeitsfeier den Stecker raus
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SF zog Hochzeitsfeier den Stecker raus

Dani Schurter war der glücklichste Mann der Welt. Am Freitag hat er geheiratet – und gefeiert. Bis das Schweizer Fernsehen in seinen Hochzeitsapéro platzte. Was war passiert?

Die Hochzeitsgesellschaft, rund 120 Gäste, trifft am Freitagnachmittag im historischen «Weierbachhus» im zürcherischen Eglisau zur Trauung von Schurter und seiner Angetrauten ein. Das Haus mit dem «Trottenraum» und dem «Gewölbekeller» wurde für diesen Tag gemietet. Die Reservation, die Schurter von der Gemeinde zugestellt wird, gilt bis abends um 18 Uhr. «Ich habe mir die Bestätigung von der Gemeinde Eglisau schriftlich geben lassen», sagt Schurter gegenüber 20minuten.ch. Und das mit gutem Grund: Das Schweizer Fernsehen dreht momentan in Eglisau die Sendung «SF bi de Lüt – ein Ort nimmt ab». Für eben diesen Freitag plante das SF im Zusammenhang mit der Sendung die Eröffnung einer Ausstellung in eben diesem «Weierbachhus». Die Gemeinde gab Schurter trotzdem grünes Licht, man komme «aneinander vorbei», hiess es. Das Schweizer Fernsehen könne danach die Räumlichkeiten übernehmen.

Die erste Überraschung

Als die Hochzeitsgesellschaft eintrifft, ist die Überraschung umso grösser: Das Schweizer Fernsehen hat sich teilweise bereits im «Weierbachhus» ausgebreitet, so Schurter. «Sie haben erste Plakate in den Räumlichkeiten aufgehängt.» Schurter war erstaunt und erklärte dem Fernsehteam, «dass wir bis 18 Uhr nicht gestört werden wollen». Laut Schurter zeigte das Fernsehteam zunächst Verständnis für das Anliegen, dem Brautpaar wurde gratuliert und viel Glück gewünscht.

«Ohne Vorwarnung Tische zusammengeräumt»

Die Fortsetzung verlief weniger harmonisch. Um 17.15 Uhr sei das drei bis vierköpfige Team plötzlich in der Runde der Hochzeitsgesellschaft gestanden. «Sie klappten ohne irgendeine Erklärung Tische und Bänke zusammen», sagt Schurter. Die Situation wurde buchstäblich ungemütlich. Doch damit nicht genug: «Sie forderten unsere Gäste auf, die Räumlichkeiten zu verlassen – eine Frechheit.»

Weil es draussen regnete, standen einige der geladenen Hochzeitsgäste «plötzlich im Regen». Schurter fühlte sich «völlig überfahren». Da das Fernsehteam gemäss Schurter immer unfreundlicher ans Werk ging, kam es zwischen den Parteien zu «ruppigen verbalen Auseinandersetzungen», erinnert sich Schurter.

Schurter kann sich zwar vorstellen, dass das Produktionsteam von SF unter Zeitdruck gestanden ist. Doch seine Bilanz fällt deutlich aus: «Das Team hat uns den Hochzeitsapéro versaut.» Er glaubt, dass das Fernsehteam einfach schlecht vorbereitet war: «Am Schluss fragten sie sogar noch unsere Musiker, ob sie für die Vernissage bleiben würden.»

«Haben uns an Verträge gehalten»

Beim Schweizer Fernsehen kennt man die Geschichte. Doch Pressesprecher David Affentranger sagt: «Unser Team hat sich an die vertraglichen Vereinbarungen gehalten. Darin stand, dass wir ab 17 Uhr mit dem Einrichten in einem der Räume beginnen dürfen.» Stefan Bosshard von der Gemeindeverwaltung Eglisau bestätigt: «Das Weierbachhus war für die Hochzeitsgesellschaft bis 18 Uhr reserviert. Doch wir vermerkten im Vertrag auch, dass das Schweizer Fernsehen ab 17 Uhr mit Einrichten beginnen darf.» Dass die Hochzeitsgesellschaft aber einen unwürdigen Abschluss hatte, bedauert er: «Man hätte sich eigentlich miteinander absprechen sollen», sagt Bosshard.

Marius Egger, 20minuten.ch

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