Ringier steigt aus: SF zwei verliert sein Gesicht
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Ringier steigt ausSF zwei verliert sein Gesicht

«CashTV», «Motorshow» und «Sonntagsblick-Standpunkte» abgeschafft: SF zwei steht auf einen Schlag fast ohne Eigenproduktionen da. Reichen ein paar Filme und Serien, um zu überleben?

von
Roger Baur

Von aussen glänzt das nigelnagelneue Hochhaus der SRG im Berner Ostring in kühlem Blau. Doch innen ist Feuer unter dem Dach. Der Grund: Der grösste SRG-Vertragspartner, der Ringier-Verlag, stellt alle seine Sendungen Ende Jahr ein. Konkret verschwinden damit das Wirtschaftsmagazin «CashTV», die Autosendung «Motorshow», die Talkshow «Sonntagsblick-Standpunkte» und die Medizinsendung «Gesundheit Sprechstunde». Die meisten dieser sogenannten «PresseTV»-Sendungen laufen auf SF zwei und erzielten im Vergleich zu anderen Eigenleistungen gute Einschaltquoten.

Für den zweiten Deutschschweizer Kanal ist das darum doppelt schlimm. Einerseits bleiben damit neben dem Sport nur noch wenige und sehr quotenschwache Eigenproduktionen. Andererseits erhielt die SRG dereinst die Bewilligung für eine weitere Senderkette nur mit der Auflage, dass sie diese friedlich mit privaten Anbietern teile. «Notfalls darf der Bundesrat sogar Anbieter gegen unseren Willen aufschalten», schwärmte der damalige SRG-Direktor Antonio Riva 1994 in einem Interview über den Deal.

Seither bezahlte die SRG dem Verleger-Konsortium «PresseTV» zuerst zwölf, seit 2008 noch fünf Millionen jährlich. Mit diesem Geld und Sponsoringeinnahmen mussten die Privaten wie Ringier ihre Sendungen finanzieren.

Doch nun scheint das Modell gescheitert. Fast zwanzig Jahre später verbleiben nur noch zwei private Sendungen - «NZZ Format» auf SF1 und «Standpunkte» auf SF zwei. Bleibt es so, verliert vor allem SF zwei eine seiner Daseinsberechtigungen.

Sender-Sorgenkind

Im Herbst wird SF zwei 15 Jahre alt. Doch ein Ende der pubertären Krise ist nicht abzusehen. Schon die Geburt war schwierig: 1993 sollte es unter dem Namen «S Plus» redaktionell unabhängig vom Schweizer Fernsehen sein, um bereits 1996 als «Schweiz 4» wieder näher an den Leutschenbach zu rücken. Und seit 1997 befinden sich alle Deutschschweizer SRG-Fernsehsender unter einem Dach.

«Massiv marginalisiert»

Doch mit eigenen Sendungen profilieren konnte sich der Sender nie. Stattdessen sind es Sport und Einkäufe wie «Desperate Housewives», die den Sender prägen. Ausgerechnet «CashTV» ist daneben die einzige Sendung, die seit dem ersten Sendemonat geblieben ist. Laut SRG-Sprecherin Simone Wölfli müsse nun die Situation neu beurteilt werden. Doch noch hat man Hoffnung: «Die SRG steht neuen Zusammenarbeitsformen mit Ringier und anderen Partnern grundsätzlich positiv gegenüber.»

FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, der als damaliger SF-Chefredaktor PresseTV mitinitierte und als Verwaltungsratspräsident der Basler Zeitung Mitaktionär von PresseTV ist, macht sich aber keine Illusionen. Er verstehe den Schritt von Ringier, denn «die privaten Anbieter wurden von der SRG massiv marginalisiert. Das zeigte sich daran, dass die Sendungen immer schlechtere Sendeplätze erhielten.»

Comeback für Sportkette?

Nach dem Aus dieser sogenannten PresseTV-Sendungen befindet sich SF zwei wieder auf Feld eins: Bis 1993 stand an der Stelle der zweiten Programme eine nationale «Sportkette», ein kostengünstiges Ausweichprogramm, das nur bei Sport-Liveübertragungen auf Sendung ging. «Serien und Spielfilme sollten den Privaten überlassen und dafür die Gebühren gesenkt werden», findet SVP-Medienpolitikerin Natalie Rickli. Sie findet, «dass das jetzt ein idealer Moment ist, um den Service Public als Ganzes zu überprüfen.» SP-Medienspezialistin Evi Allemann stellt derweil klar, dass «Information zum Service Public gehört. Es würde mich wundern, wenn die SRG nicht einen Ersatz für diese Sendungen findet.»

(Mitarbeit: Jessica Pfister)

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