Diskriminierung: SGB fordert anonymisierte Bewerbungen
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DiskriminierungSGB fordert anonymisierte Bewerbungen

Diskriminierung im Arbeitsleben schade der Integration. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) will deshalb zum Schutz ausländischer Arbeitnehmer unter anderem die Diplomanerkennung anpassen, anonymisierte Bewerbungen einführen und ein Gleichbehandlungsgesetz schaffen.

Der Gewerkschaftsdachverband sieht Ausländerinnen und Ausländer auf dem Schweizer Arbeitsmarkt diskriminiert. Dies beispielsweise dann, wenn ein Ausländer aus unerklärlichen Gründen einen tieferen Lohn als seine Schweizer Kollegen erhält oder eine junge Frau mit albanischen Wurzeln trotz bester Schulnoten immer wieder Stellenabsagen hinnehmen muss. Bei den Löhnen wirkt sich aus Sicht des SGB zudem das strenge Diplomanerkennungssystem aus, das vor allem Menschen aus Drittstaaten treffe.

Schweiz betreibe «Diskriminierungspolitik»

Dieses habe zur Folge, dass ein irakischer Hochbauzeichner als Hilfskraft in einem Restaurant arbeite oder eine peruanische Betriebswirtschafterin Büros putze, sagte SGB-Zentralsekretärin Doris Bianchi am Donnerstag vor den Medien in Bern. Statt das Potenzial und die Innovationskraft von zugewanderten Arbeitnehmern optimal zu fördern, leiste sich die Schweiz eine Diskriminierungspolitik. Diese will der SGB nun bekämpfen, gerade auch vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise, die einen «fruchtbaren Boden» für Fremdenfeindlichkeit bietet, wie SGB-Vizepräsidentin Vania Alleva sagte.

Der SGB schlägt ein Massnahmenpaket vor, das eine Gleichbehandlung der ausländischen mit den inländischen Arbeitskräften gewährleisten soll. Dazu gehört nebst einer Sensibilisierung der Öffentlichkeit die Beseitigung der Lohndiskriminierung, etwa über Korrekturen beim System zur Diplomanerkennung und Anti-Diskriminierungsklauseln in Gesamtarbeitsverträgen (GAV).

Anonymisierte Bewerbungen

Um der Stellendiskriminierung entgegenzuwirken, verlangt der SGB unter anderem, Systeme für anonymisierte Bewerbungen in der öffentlichen Verwaltung und in grossen Unternehmen einzuführen. Und schliesslich fordert er auch ein allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, das das Diskriminierungsverbot in der Bundesverfassung präzisiert. Eine entsprechende parlamentarische Initiative von SGB-Präsident und Nationalrat Paul Rechsteiner (SP/SG) ist in der Rechtskommission hängig.

150 000 Mitglieder sind aus dem Ausland

Die SGB-Verbände zählen rund 150 000 Mitglieder, die aus dem Ausland stammen. Ihnen wolle der SGB Perspektiven für einen beruflichen Erfolg geben, sagte Bianchi. Denn Diskriminierungen am Arbeitsplatz bremsten den wirtschaftlichen Aufstieg und verhinderten letztlich auch die Integration. Mitte 2007 waren laut den Unterlagen des SGB in der Schweiz rund eine Million Ausländer erwerbstätig, was rund einem Viertel aller Erwerbstätigen entspricht.

Migranten stärker von Arbeitslosigkeit betroffen

Die Arbeitslosigkeit bei Migranten liegt aktuell bei 6,6 Prozent und damit deutlich über der gesamtschweizerischen Quote von 3,6 Prozent. Nebst dem Umstand, dass Ausländer in konjunkturabhängigen Branchen stark vertreten sind, hat das nach Ansicht des SGB auch damit zu tun, dass Ausländer teilweise immer noch als Konjunkturpuffer betrachtet werden und als erste ihre Stelle verlieren. (dapd)

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