Sgrena-Zwischenfall: Italien verlangt Bestrafung
Aktualisiert

Sgrena-Zwischenfall: Italien verlangt Bestrafung

Nach den tödlichen Schüssen auf einen italienischen Geheimdienstmitarbeiter in Bagdad streiten sich Italien und die USA weiter über den Hergang des Zwischenfalls. Die Meinungen gehen dabei auseinander.

«Die Rekonstruktion des Ereignisses deckt sich nicht vollständig mit dem, was die amerikanischen Behörden uns mitgeteilt haben», sagte Italiens Aussenminister Gianfranco Fini vor der italienischen Abgeordnetenkammer.

Fini verlangte eine Bestrafung der Schuldigen. «Die Pflicht verlangt es, die Verantwortung zu klären (...) und die Bestrafung der Schuldigen zu fordern», sagte der Aussenminister. Gleichzeitig forderte Fini, dass die guten italienisch-amerikanischen Beziehungen durch den Vorfall nicht getrübt werden dürften.

Zuvor hatte die Tageszeitung «Corriere della Sera» berichtet, die italienische Regierung sei mit der Erklärung des US- Verteidigungsministeriums nicht zufrieden.

Widersprüchliche Ansichten

Laut einem internen Papier des Pentagons hatten die italienischen Sicherheitskräfte keine Vereinbarung mit der US-Armee über eine sichere Durchfahrt des Wagens mit der italienischen Journalistin Giuliana Sgrena in Bagdad getroffen. Dem widersprach Rom.

Nach Finis Angaben hatte Calipari den italienischen Geheimdienst-Staatssekretär sowie seinen Behördenchef Nicolo Pollari während der Fahrt telefonisch von Sgrenas Befreiung informiert. Dann habe er die US-Behörden angerufen, um die baldige Ankunft am Bagdader Flughafen anzukündigen.

Fini unterstrich, die italienische Regierung gehe gleichwohl von einem «Unfall» aus. Mutmassungen über einen absichtlichen Angriff seien «absolut unbegründet».

Dagegen behauptete Sgrena, dass die US-Soldaten ohne Vorwarnung das Feuer auf ihren Wagen eröffnet hätten. Ausserdem wollte sie nicht ausschliessen, dass ganz bewusst auf sie geschossen worden sei.

Das Fahrzeug mit der Journalistin war am Freitag auf dem Weg zum Bagdader Flughafen von US-Soldaten beschossen worden. Sgrena wurde verletzt, der Geheimdienstoffizier Nicola Calipari wurde getötet.

Abzug verlangt

Die Opposition in Italien drängt inzwischen auf einen sofortigen Abzug der italienischen Truppen aus dem Irak. «Es ist sinnlos, dass 3000 Soldaten im Irak bleiben, wo sie als Besatzungskräfte angesehen werden, sagte der Chef der altkommunistischen Rifondazione, Fausto Bertinotti. (sda)

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