Blatters Fifa-Skandal: «Shame on you!»

Aktualisiert

Blatters Fifa-Skandal«Shame on you!»

Selten sind sich Zeitungs-Kommentatoren und ihre Leserschaft derart einig wie beim neuerlichen Korruptionsskandal: Die Fifa spielt mittlerweile in einer Liga mit der Mafia.

von
phi

Erst wollte der Fifa-Boss die Veröffentlichung des Bestechungsskandals verhindern, dann feiert der Verband die Presseerklärung eines Zuger Gerichts als eigenen Erfolg (20 Minuten Online berichtete): Für den Feuilleton (siehe obige Presseschau) wie für das Volk steht Sepp Blatter als Schuldiger fest. Doch gleichzeitig macht sich Resignation breit, denn der Verdacht, dass das Fair-Play beim Weltfussball-Verband nicht an erster Stelle steht, ist nicht gerade neu.

15 Millionen Schmiergelder = 5,5 Millionen Strafe

«Fifa-Funktionäre kassieren Schmiergeld? Was Ihr nicht sagt», versucht es 20-Minuten-Online-User Sebi mit Ironie. «Wieso verwundert mich das nicht?», fragt RB lakonisch und Ruedi stösst ins selbe Horn: «Schmiergelder, Korruption, Bestechungen, Erpressungen? Das hätte ich jetzt nie von der Fifa erwartet. Die haben doch so tolle Plakate, Fairness, Respect und so weiter.»

Blatter tanzt vor Freude

Viel Zustimmung für seinen Kommentar erntete User BluB: «Nur damit ich es richtig verstehe. Die Jungs haben 15 Millionen Bestechungsgelder kassiert, mussten aber als ‹Strafe› nur 5,5 Millionen abgeben? Mal wieder ein Deal, damit die Staatsanwaltschaft weniger Arbeit hat? Ist das die Aufgabe einer Staatsanwaltschaft? Sich die Arbeit zu erleichtern? Gilt dies in Zug künftig auch bei anderen Straftaten? Ein Drittel der Deliktsumme wird abgezogen und den Rest darf man straffrei behalten?» Bruno Köppel ergänzt: «Wenn man annimmt, dass die Staatsanwaltschaft ebenfalls kassiert hat, wäre die milde ‹Strafe› erklärt.»

«Darum ist in Katar eine WM»

Es ist naheliegend, dass sich unsere Leserschaft fragt, wo noch Schmiergelder geflossen sind. «Da erscheinen einem einige Schiedsrichterentscheide und Auslosungen gleich in einem ganz anderen Licht», meint etwa Susi Sorglos. «Alles geschmiert! Darum ist in Katar eine WM. Macht 50 Millionen für Blatter», glaubt Harry Hirsch. «Ich will ja nicht wissen wie viel Korruptionsgelder für die WM 2014 in Brasilien geflossen sind und noch immer fliessen», schreibt M.K..

Ein Aufreger ist die Tatsache, dass der Verband in der Schweiz als Verein firmiert. «Die sollten zuerst Steuern zahlen. Leider handeln die Ämter nicht immer, wie sie sollten», erregt sich Paul. Rüdiger stimmt zu: «Man sollte eine Volksinitiative starten: Steuern für die Fifa.» Aber wenigstens bleibt das Geld in der «Familie», weiss August Augur. «Wenn der Generalsekretär (Blatter) nicht gewusst haben soll, was sein Chef (Havalange) so getrieben hat. Zudem war [Teixeira, Anm. d. Red.] noch der Schwiegersohn von ihm (Havalange)!»

«Weder Moral noch Anstand»

Klar ist, dass der Skandal der eigentlichen Sache einen Bärendienst erweist. «Wissen diese Herren eigentlich, wie sehr sie dem Fussball und dem Sport schaden?», fragt Fritz Stoll. Die Fifa-Politik fördert starken Fan-Frust, so Clochard: «Sepp kann weiterhin machen, was er will. Dem passiert dabei nichts. Ein Haufen alter Säcke, die weder Moral noch Anstand kennen. Shame on you!»

Nur wie der Fan damit umgehen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Luipensel setzt auf Aufklärung: «Bei dieser Organisation geht es seit der Absetzung von Sir Stanley Rous und der Ernennung von Havelange nicht mehr um Fussball, sondern nur noch um das liebe Geld! Empfehle allen das Buch ‹Foul› von Andrew Jennings.» Leser Pele schlägt dagegen radikalen Liebesentzug vor. «Es gibt eine ganz einfache Lösung: kein Geld mehr für Fusball-Eintrittstickets ausgeben und keinen Fussball mehr schauen.»

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