Aktualisiert 13.07.2015 18:32

Secondos in der Armee«Shaq schiesst auch keine Tore gegen die Schweiz»

Bundesrat Ueli Maurer stellt die Frage nach der Loyalität von Secondos in der Armee. Für letztere ist das ein Affront.

von
daw
Eckt an: SVP-Verteidigungsminister Ueli Maurer.

Eckt an: SVP-Verteidigungsminister Ueli Maurer.

Eine Aussage, die Ueli Maurer vor einer Woche an der SVP-Delegiertenversammlung machte, sorgt für Wirbel: Der Verteidigungsminister sprach über die Bedrohungslage und lobte die Secondos in der Armee, warf aber die Frage auf, ob sich diese im Ernstfall gegen ihr Herkunftsland wenden würden.

«Wir haben […] auch in der Armee etwa einen Drittel Secondos. Möglicherweise stellt es auch für diese Leute ein Konfliktpotenzial dar, wenn sie in den Einsatz gehen müssten. Auch wenn sie sich jetzt integrieren und gut ausgebildet sind», zitiert ihn die «Schweiz am Sonntag».

Secondos empört

Beim Verein Secondos Plus ist man empört: «Die Soldaten sind Schweizer Staatsbürger. Für Armeeangehöriger steht ausser Frage, dass sie hinter dem Land stehen würden», sagt Co-Präsident Halua Pinto. Überhaupt müsse sich Ueli Maurer damit abfinden, dass immer mehr Armeeangehörige Migrationshintergrund hätten. «Das widerspiegelt die gesellschaftliche Entwicklung.»

Auch Rupan Sivaganesan, SP-Politiker und Vorstandsmitglied des Vereins, findet die Aussagen deplatziert: «Shaqiri schiesst auch keine Tore gegen die Schweiz.» Mit seinen Aussagen treibe Maurer einen Keil zwischen die Bevölkerungsgruppen, indem «er zwischen Eidgenossen und Eingebürgerten unterscheidet». Auch sei die Diskussion völlig unnötig, da die Schweiz nie Krieg mit dem Kosovo, der Türkei oder Sri Lanka führen werde.

Wurzeln könnten aktiviert werden

Bürgerliche Sicherheitspolitiker stärken dagegen Maurer den Rücken. So findet CVP-Nationalrat Jakob Büchler die Frage legitim, auch wenn er davon ausgehe, dass sich alle Schweizer Armeeangehörigen loyal verhielten. Aber: «Im Kriegsfall ist es nicht ausgeschlossen, dass Wurzeln wieder aktiviert werden.» Darum müsse schon in der Ausbildung thematisiert werden, welche Pflichten der Dienst in der Schweizer Armee mit sich bringe.

Auch SVP-Sicherheitspolitiker Erich von Siebenthal findet, dass sich ein Verteidigungsminister Gedanken über alle erdenklichen Szenarien machen müsse. Es sei darum richtig, die Thematik nicht einfach auszublenden. «Es ist ganz menschlich, dass ein solcher Fall für Secondos nicht einfach wäre.»

Doppelbürger im Ausstand?

SVP-Nationalrätin Yvette Estermann, die slowakische Wurzeln hat, könnte sich darum vorstellen, dass «Doppelbürger in der Armee in dem unrealistischen Szenario eines Konflikts mit dem Heimatland in den Ausstand treten». Allerdings sei das Pflichtbewusstsein eines Soldaten nicht abhängig von seiner Herkunft, sondern vom Charakter eines Menschen. «Ob man zum Verräter wird, hat nichts mit der Nationalität zu tun, sondern mit dem Charakter.»

Bei der Armee stösst die Idee Estermanns auf Ablehnung: Laut Armeesprecher Walter Frik spielt die Herkunft der Soldaten keine Rolle. Entsprechend stelle sich die Frage nicht, ob Doppelbürger im Ernstfall in den Ausstand treten müssten. «Dies ist für uns undenkbar.»

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