Aktualisiert 05.07.2012 11:21

Erstes Bayern-Training«Shaqiri ist unser neuer Liebling»

In Abwesenheit der Stars absolviert Xherdan Shaqiri sein erstes Training bei Bayern München. Der Basler wird unterstützt von zahlreichen Groupies.

von
F.Burch/M.Gilliand
München

Jetzt ist Xherdan Shaqiri definitiv einer von Bayern. Am Dienstag schnuppert er ein erstes Mal Münchner Luft und beim deutschen Rekordmeister ist bekanntlich alles ein bisschen anders: Grösser, teurer, professioneller geht es bei den Bayern zu und her, hier weht ein ganz anderer Wind als in Basel.

Gegen 600 Fans pilgern an die Säbener Strasse zum ersten Training und dies, obwohl sämtliche grossen Stars fehlen. Eine ältere Frau mit Hund in Bayern-Kluft sowie ein Jugendlicher, der sich das Emblem seines Lieblingsklubs auf die Wade hat tätowieren lassen, sichern sich die vordersten Plätze schon eine Stunde vor Trainingsbeginn. Ein Dutzend Presseleute sind ebenfalls bereits hier. Es wird geschubst, ein Fotograf bringt gar seinen eigenen Sockel mit, um freie Sicht zu haben. Dann kommen sie endlich, einige Fans applaudieren. Die Neuen, inklusive Shaqiri, posieren geschätzte zehn Sekunden für die Fotografen, dann geht es los mit lockeren Übungen.

Shaqiri im Fokus der Fans

«Da ist der Schweizer, das ist schon ein Kraftprotz», ruft ein Mann aus der zweiten Reihe. Shaqiri legt seinen ersten Kurzsprint auf den Rasen. Handys werden gezückt, Fotoapparate klicken, die Fans begutachten die Neuen ganz genau. «Will er sich hier durchsetzen, muss er schon etwas tun», sagt Karsten Spindler, der sich selber als Bayern-Fan bezeichnet, seit er denken kann. Etwas weniger kritisch ist einige Meter weiter vorne Blerta Ahmetaj. Die 17-Jährige kommt wie Shaqiri aus dem heutigen Kosovo und ist mit zwei Freundinnen hier. «Unser neuer Liebling ist Shaqiri, wir sind wegen ihm gekommen», so Ahmetaj. Sie rät dem Schweizer einfach zu kämpfen und hofft, dass er so rasch wie möglich einen Stammplatz bekommt. Florian Nimanajs liebster Bayer heisst ab sofort ebenfalls Shaqiri. «Er ist ein Landsmann, er soll uns und die Schweizer stolz machen.»

Der kleine Schweizer und seine neuen Kollegen machen Trinkpause. Shaqiri-Rufe einer Gruppe Jugendlicher sind zu hören, drei jüngere Fans schwenken eine Albanien-Flagge. Florent ist einer von ihnen. «Nur wegen ihm habe ich die Fahne mitgenommen, wehe er kommt am Schluss nicht vorbei für ein Autogramm.» Auf eine Unterschrift hofft auch die 11-jährige Jessica Körner aus Reinach (BL). Sie und ihr Vater sind Basel- und Bayern-Fan und sie haben Basel-Trikots an den Zaun gehängt. «Er macht es gut bis jetzt», meint Jessica. Vater Chris hofft, dass ihn die bayrische Boulevardpresse nicht kaputtmacht.

Ein Klaps für die Teamkollegen

Auf dem Feld spricht Trainer Jupp Heynckes zu seinen Schützlingen. «Am Ball aggressiver», bläut er ihnen ein. Shaqiri wirkt konzentriert und motiviert. Seine lockere Art hat er aber nicht verloren. Er verteilt seinen neuen Kollegen freundschaftliche Klapse, scherzt, jongliert kurz, dann gibt er wieder Gas.

Die Journalisten verfolgen jede Bewegung, viele wollen ihn noch nicht beurteilen. «Das ist zu früh, ich weiss noch zu wenig über ihn», so ein bayrischer Reporter. Ein anderer sagt: «Für junge Spieler ist es in München immer schwierig – mal schauen.» Robert Allmeier vom Münchner Stadtmagazin hat einen Tipp für den Schweizer im Umgang mit den Medien. «Er sollte möglichst nur über Fussball und nicht über Privates reden.»

Nach knapp zwei Stunden laufen die Spieler aus. Zahlreiche Fans, darunter viele Junge, rufen den Namen von Shaqiri. Er verlässt zusammen mit der gesamten Mannschaft von Bayern das Training, ohne Autogramme zu verteilen. 50 Minuten später sorgt Shaq mit seinem weissen Audi Cabrio beim Wegfahren für einen Lacher. Er lässt seinen Wagen absaufen, braust danach aber davon.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.