Besuch von Radikalem: Shaqiri tappte in die Propaganda-Falle
Aktualisiert

Besuch von RadikalemShaqiri tappte in die Propaganda-Falle

Xherdan Shaqiri schüttelt die Hand des Imams Shefqet Krasniqi. «Problematisch» sei das, sagt der Berner Imam Memeti – der umstrittene Imam von Pristina habe genau das gewollt.

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gbr/qll
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Ein Besuch, der für Irritationen sorgt: Xherdan Shaqiri mit Shefqet Krasniqi im Kosovo. Krasniqi, der als Islamist gilt und den Medien als «Hassprediger» bezeichnen, sorgt mir extremen Aussagen immer wieder für Aufsehen.

Ein Besuch, der für Irritationen sorgt: Xherdan Shaqiri mit Shefqet Krasniqi im Kosovo. Krasniqi, der als Islamist gilt und den Medien als «Hassprediger» bezeichnen, sorgt mir extremen Aussagen immer wieder für Aufsehen.

Screenshot Facebook
Ebenfalls dabei beim Foto-Besuch bei Shaq: Der Rapper Gold AG (r., bürgerlich Arian Agushi, ursprünglich aus Preshevë, lebt in Prishtina). Agushi, ein langjähriger Freund von Shefqet Krasniqi, irritiert mit ultrareligiösen und nationalistischen Texten.

Ebenfalls dabei beim Foto-Besuch bei Shaq: Der Rapper Gold AG (r., bürgerlich Arian Agushi, ursprünglich aus Preshevë, lebt in Prishtina). Agushi, ein langjähriger Freund von Shefqet Krasniqi, irritiert mit ultrareligiösen und nationalistischen Texten.

Screenshot Facebook

Auf Facebook und in kosovarischen Medien sorgen sie für mächtigen Wirbel: Die Fotos mit Nati-Star Xherdan Shaqiri und Shefqet Krasniqi, dem Imam der grössten Moschee von Pristina. Entstanden sind sie Ende letzter Woche im Kosovo auf dem Vorplatz des Hauses des Schweizer Nati-Stars. Dort geniesst Shaq seine Ferien. Laut Medienberichten habe Krasniqi dem Fussballer zu seinem Erfolg gratuliert und ihm gesagt, dass die Wahrung der religiösen Werte unabhängig seines weltweiten Erfolgs «unerlässlich» sei.

Wirbel gibt es, weil Shefqet Krasniqi laut verschiedenen Medienberichten ein «Hassprediger» ist: Er gilt als Führer der radikalen Islamisten im Land. Der Imam sorgte immer wieder für Skandale, etwa mit der Aussage, Mutter Theresa gehöre in die Hölle. Die katholische und serbisch-orthodoxe Minderheit im Kosovo verachte Krasniqi laut der Zeitung «Bota Sot» als minderwertig. «Es ist besser, wenn die eigene Tochter stirbt, als dass sie einen Katholiken heiratet», soll der Imam seinen Anhängern predigen.

«Shaqiri sollte sich nun klar distanzieren»

Xherdan Shaqiris Berater sagte zu 20 Minuten: «Er kam vorbei und wollte ein Foto machen und dankte ihm dafür, dass er ein Vorbild für die Jugendlichen ist. Wir kontrollieren nicht jeden, der ein Foto will.» Mehr wollte er zur Kontroverse nicht sagen. «Das ist problematisch. Auch für Shaqiri», sagt der Berner Imam Mustafa Memeti, Präsident des Albanisch Muslimischen Vereins. «Shaqiri ist prominent, er hat einen Ruf zu verlieren, gerade bei den Ereignissen der letzten Tage», so Memeti.

Der Fussball-Star sei in die Propaganda-Falle getappt: «Krasniqi versucht immer, Prominente für Propagandazwecke zu instrumentalisieren», erklärt Memeti. Der Imam weiter: «Xherdan Shaqiri meinte das sicher nicht böse, aber er müsste vorsichtiger sein. Er ist ein Vorbild für viele Jugendliche – auch darum ist das ist problematisch.» Memetis Forderung ist klar: «Er sollte sich nun klar distanzieren. Und sich das nächste Mal lieber mit einem modernen Imam zeigen. Oder vielleicht gar nicht: Eigentlich ist Religion doch Privatsache.»

Posieren mit Promis, Rapper mit Religion

Tatsächlich setzt sich Shefqet Krasniqi, der auch in der Schweiz jeweils auf Einladung des IZRS schon mehrmals auftrat, gerne mit prominenten Persönlichkeiten in Szene. Egal ob mit Schriftstellern, Politikern, Sportlern oder bekannten Musikern: Regelmässig ziert er die Online-Portale neben bekannten Gesichtern. Mit einem von ihnen ganz besonders oft – dem beliebten Rapper Gold AG (Arian Agushi), der seine 120'000 Facebook-Follower fast täglich mit ultrareligiösen Botschaften versorgt. Auch er war beim Besuch bei Xherdan dabei (siehe Bildstrecke).

Gold AG ist ebenfalls eine umstrittene Figur: Nachdem Staatspräsidentin Atifete Jahjaga in einem Interview Kosovo als laizistischen Staat bezeichnete (Trennung von Kirche und Staat), veröffentlichte Gold AG den Song «Shqiptar» (Albaner). Im Song heisst es unter anderem: «Frau Atifete, verlass die Politik, du hast so viel Ahnung von ihr wie ein Pferd von der Musik. Glaub mir, ich schäme mich, dich auf dem Bildschirm zu sehen, wir sind kein laizistischer Staat, wir sind Muslime.» Agushi hält sich oft in der Schweiz – vor allem in der Region Winterthur – auf. Dass er sich innerhalb von Europa frei bewegen kann, hat er seinem serbischen Pass zu verdanken.

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