06.05.2016 21:15

Texas

Sheriff-Frau schüchtert Gegner und Wähler ein

In West-Texas macht eine Milizen-freundliche Frau im Amt des Sheriffs Demokraten und Latinos das Leben schwer.

von
sut

Die tiefe politische Spaltung der USA macht sich überall bemerkbar, selbst in Texas. Im Edwards County, einer republikanischen Hochburg im weiten Westen des zweitgrössten US-Gliedstaats, hat das Zerwürfnis mit der Person von Pamela Elliott Einzug gehalten. Die 2012 ins Amt des Sheriffs gewählte Afghanistan-Veteranin unterlässt keine Gelegenheit, um politische und ethnische Minderheiten einzuschüchtern.

Wie das Magazin «The Texas Observer» schreibt, tauchte Elliott im August 2014 mit uniformierter Entourage bei einem Parteitreffen der Demokraten auf und begehrte Einlass. Anstatt die vor dem Versammlungsgebäude aufmarschierten Demonstranten zu kontrollieren, habe sie sie gewähren lassen. «Sie schien den Mob zu ermutigen», konstatierte eine Frau in einer Beschwerde an den Staatsanwaltschaft. «Ich wollte jemanden anrufen, doch ich hatte keine Ahnung wen, denn der Kopf der lokalen Gesetzeshüter war Teil des Problems.»

Einschüchterung von Wählern

Im folgenden November mischte sich der weibliche Sheriff ins Wahlgeschehen ein. Rachel Gallegos, eine frühere Bürgermeisterin des Hauptorts Rocksprings, bemerkte einen Polizisten in Uniform in ihrem Wahllokal. Auch an anderen Urnenorten hätten sich Cops aufgestellt, obwohl es in den Jahren zuvor nie zu Unregelmässigkeiten gekommen sei, erzählt Gallegos.

Die Demokratin Gallegos glaubt, Elliott habe die in dem Distrikt immer zahlreicheren Latino-Wähler einschüchtern wollen. Ältere Hispanics, die deswegen nicht wählen gegangen seien, hätten ihr gesagt: «Man wird mich verfolgen, meine Kinder, meine Enkel. Ich mache mir damit nur Probleme.»

Gesinnungsfreundin von Sheriff Arpaio

Es sei Elliott darum gegangen, die Wahl eines demokratischen Kandidaten zum Richter zu verhindern, vermutet Gallegos. Hintergrund des Verdachts ist die Mitgliedschaft des Sheriffs in der Rechtsaussen-Organisation «Constitutional Sheriffs and Peace Officers Association» (CSPOA). Die «Vereinigung verfassungstreuer Sheriffs und Friedenspolizisten» ermutigt ihre Mitglieder dazu, Gesetze zu ignorieren, die sie als verfassungswidrig erachten.

Elliott habe sich zum Beispiel 2014 mit den Farmern der Bundy-Ranch solidarisiert, die sich wegen eines Streits um bundesstaatliches Weideland in Nevada verschanzt hielten. Richard Mack, Mitgründer der CSPOA, stellte sich voll hinter die umstrittene Protestaktion gegen Washington. Zum Dunstkreis der CSPOA-Vereinigung zählt auch Joe Arpaio, der international bekannte «Law-and-Order»-Sheriff des Maricopa County in Arizona.

Schule im Visier

Zu den Kritikern von Elliott zählt David Velky, der Vorsteher des Schulbezirks von Rocksprings. Velky ängstigt die Nähe der Sheriff-Frau zu rechtsgerichteten Milizen. Einmal sei der Boss einer solchen Miliz bei einer Versammlung des Schulvorstands im Publikum gesessen. «Ich fühlte mich bedroht», erinnert er sich. «Ich glaube, der Plan war, mich loszuwerden und die Schule unter Kontrolle zu bringen.»

Was Pamela Elliott über die Vorwürfe ihrer Widersacher denkt, bleibt unklar. Die Ehefrau und dreifache Mutter verweigerte dem Journalisten des «Texas Observer» eine Auskunft. In einer Ansprache vor Gleichgesinnten präsentierte sie sich Ende Mai 2014 als aufrechte Gesetzeshüterin, die die in der US-Verfassung verankerten Rechte – unter anderem zum offenen Waffentragen – vor politische Überlegungen stellt. Manche Bürger in Edwards County könnten das anders sehen.

Sheriff Pamela Elliott über ihre Mission:

(Quelle: YouTube/Open Carry Texas)

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