E-Bikes: Shimano drängt auf den Markt für Elektrovelos
Aktualisiert

E-BikesShimano drängt auf den Markt für Elektrovelos

Der weltgrösste Hersteller von Fahrradkomponenten will künftig im Wachstumsmarkt der E-Bikes mitmischen. Der Schweizer Marktführer Flyer fühlt sich nicht bedroht. Kleinere Hersteller dürften es aber in Zukunft schwer haben.

von
Alex Hämmerli

Die Elektrovelo-Branche boomt. Im vergangenen Jahr wurden alleine in der Schweiz 27 000 E-Bikes verkauft; eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Das zeigen die Zahlen vom Kompetenzzentrum von Energie Schweiz, Newride. Dieses Jahr dürften es nochmals zwischen 50 und 100 Prozent mehr sein, schätzen Experten. «Die aktuelle Entwicklung ist enorm», sagt Urs Rosenbaum vom Branchenmagazin «Ride Business». Die Nachfrage habe sich in den vergangenen Jahren rasend entwickelt. Und ein Ende des Trends sei bei weitem nicht in Sicht.

Von dem Traumwachstum will nun auch der Japanische Konzern Shimano profitieren. Er präsentiert an der diesjährigen Fachmesse «Eurobike» in Friedrichshafen am Bodensee (1.-4. September) seine eigene Elektro-Komposition. Es handelt sich dabei um ein System, dass leicht in alle herkömmlichen Velos integriert werden kann. Es umfasst die komplette Palette – vom Licht bis zur elektrischen 8-Gang-Schaltung. Das Produkt läuft unter dem sinnigen Namen «Steps» und steht für «Shimano Total Electric Power System».

Enttäuschung für Bastler

Der Elektro-Antrieb kommt noch diesen Dezember auf den Markt. Tüftler und Bastler werden allerdings enttäuscht sein: Shimano liefert das Set nur an Fahrradhersteller. Eine Nachrüstversion für den Einzelhandel ist nicht vorgesehen. Der Preis für komplette Velos mit dem Antriebssystem von Shimano dürften laut Rosenbaum bei 4000 Franken beginnen.

«Die Erwartungen an Shimano sind hoch», so Velo-Fachmann Rosenbaum. Denn ein nicht ausgereiftes Produkt könne sich der Weltmarktführer im Bereich der Fahrradkomponenten nicht leisten. Rosenbaum konnte das System bereits im Vorfeld begutachten und ist überzeugt, dass Shimano bei der Integration der einzelnen Elemente (Nabenmotor, Schaltung, Batterie, Innenlager etc.) allen anderen Herstellern voraus ist. «Auch die Pflege- und Benutzerfreundlichkeit ist ausgesprochen hoch.»

Flyer hat keine Angst

Muss sich also der Schweizer Hersteller und hiesige Marktführer «Flyer» sorgen um seinen Absatz machen? Geschäftsführer Kurt Schär winkt ab: «Steps ist abgestimmt auf die japanischen Bedürfnisse.» Das System von Shimano habe nur eine geringe Akku-Kapazität und sei daher lediglich für kurze Strecken geeignet. Auch sei der Motor nicht stark genug für das hügelige Terrain in der Schweiz. «Für Flyer sind Velos mit einem Elektro-Antrieb von Shimano keine Bedrohung.» Sie seien für Einsteiger mit kleinerem Budget gedacht, Flyer habe sich dagegen im Premium-Bereich positioniert.

Flyer hat nach Angaben des Geschäftsführers in der Schweiz einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Das Unternehmen verkaufte im vergangenen Jahr 28'000 Elektrovelos, die Hälfte davon ins Ausland.

Erst der Anfang

Dass die Marktführerschaft von Flyer durch «Steps» unmittelbar in Gefahr sein soll, das glaubt auch Branchenkenner Rosenbaum nicht. Allerdings habe Shimano durchblicken lassen, dass «Steps» erst der Anfang einer langen Entwicklungsreihe der Japaner sei. Es werde beispielsweise nur eine Frage der Zeit sei, bis sich Shimano auch den Mountainbike-Markt ins Visier nehme.

Kleinere Unternehmen, die sich noch nicht in der breiten Öffentlichkeit etablieren konnten, dürfte das System von Shimano schon viel früher zu schaffen machen. «Wo andere sich beweisen müssen, kann Shimano von seinem guten Namen profitieren», so Rosenbaum. Er erwartet, dass Shimano künftig einen bedeutenden Marktanteil erobern wird und einige Unternehmen in arge Bedrängnis bringen dürfte. Allerdings dürften auch künftig Nischenanbieter mit Innovationen Erfolg haben. Bestes Beispiel ist der Schweizer Veloshops Thömus. Dessen 2009 lanciertes E-Bike Stromer ist inzwischen zum urbanen Design-Kultobjekt aufgestiegen.

Deine Meinung