Corona-Demos - «Shipi» fordert Ausländer auf, sich den Corona-Demos anzuschliessen
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Corona-Demos«Shipi» fordert Ausländer auf, sich den Corona-Demos anzuschliessen

Massnahmen-Gegner demonstrieren oft mit Schweizerflaggen und Trychlern. Ein Aktivist, genannt «Shipi», will nun auch Ausländer für die Demos begeistern.

von
Dafina Eshrefi
Céline Krapf

Darum gehts

  • Ein Video eines Corona-Massnahmen-Gegners, der sich «Shipi» nennt, kursiert derzeit auf Facebook und Telegram.

  • «Shipi» fordert darin Ausländer auf sich den Schweizern an den Demos anzuschliessen.

  • Sein Appell polarisiert, wie sich bei einer kurzen Umfrage zeigt.

Auf Telegram und auf Facebook kursiert derzeit ein Video von einem Corona-Massnahmen-Skeptiker, der sich selbst «Shipi» nennt. In einem vierminütigen Video richtet sich «Shipi» an «Albaner, Türken, Araber und Dunkelhäutige» und fordert, dass diese sich den Demos gegen die Corona-Massnahmen des Bundes anschliessen. «Wir stürzen in eine Diktatur und keiner merkt das», sagt «Shipi» in seinem Video.

Dabei seien die Eltern der in der Schweiz lebenden Ausländer «vor genau dieser Scheisse» geflüchtet: «Vor Diktaturen und dem Kommunismus, um uns ein besseres Leben zu schenken.» Shipi erklärt im Video weiter, dass er an «absolut jeder Demo in der Schweiz» teilnehme - aber er sehe an den Kundgebungen immer nur die Schweizer: «Das kann doch nicht wahr sein», sagt der Aktivist. «Unser Feind ist nicht die Regierung, aber die Diktatur, die dahinter steht», sagt «Shipi» in seinem Video weiter. Zum Schluss ruft er auch auf albanisch zum «Widerstand» auf.

«Keine alltäglichen Berührungspunkte»

«In diesen Demonstrationen stecken sehr viel Emotionen», sagt Soziologin Katja Rost. Hinter der Massnahmen-Kritik steht oft ein konservatives Milieu: Freiheitsrechte seien in diesen Kreisen extrem wichtig, eine starke Einmischung des Staates werde abgelehnt. «Typisch bürgerliche Werte», sagt die Soziologin. Die Präsenz von traditionellen Symbolen und Bräuchen sei deshalb nicht verwunderlich. «Die Corona-Massnahmen werden in diesen Kreisen entsprechend oft als progressive Bedrohung des Schweizer Status Quo wahrgenommen», sagt Rost. Weiter sei zu beachten sei, dass Ausländer gerade in diesen Gruppierungen unterrepräsentiert sind: «Es handelt sich meist um eine andere soziale Gesellschaftsgruppe, die derzeit auf die Strasse geht», sagt Rost. «Viele Secondos und Ausländer schliessen sich diesen Bewegungen nicht an, unter anderem weil es meist keine alltäglichen Berührungspunkte zwischen ihnen und den Demonstrierenden gibt»

20 Minuten hat sich auf der Strasse umgehört, wie dieser Aufruf ankommt: Ruta (15) findet «Shipis» Aktion mutig. Auch sie stört sich an den Corona-Massnahmen, die ihrer Meinung nach nun schon zu lange dauern. Besonders die Maskenpflicht mache ihr zu schaffen. «Ich habe letztens im Tram keine Maske getragen, weil fast keine Leute drin waren.» Ruta könne sich vorstellen, an einer Corona-Massnahmen-Demo teilzunehmen.

Auch Umut G. stimmt «Shipi» zu. Der Coiffeur beklagt sich besonders über die Maskenpflicht, die er am liebsten per sofort aufheben würde: «Beim Haare schneiden stört sie sehr.» Welche Massnahmen die richtigen wären, wisse aber auch er nicht. Till G. hat zwar Verständnis für die Leute, die aufgebracht und genervt sind, aber er verstehe nicht wogegen man sich genau wehren solle. Masken seien mühsam, aber die Polizei dafür zu beschuldigen, bringe auch nichts. «Wir stecken alle in dieser schwierigen Situation und müssen gemeinsam da durch.» Am meisten fehlt G. und seinen Freunden das Nachtleben und mit fremden Menschen sorglos feiern zu können.

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