18.06.2020 02:56

Aromen und ZusatzstoffeShisha-Tabak mit Geschmack soll verboten werden

Aromatisierter Tabak soll in der Schweiz verboten werden, um weniger junge Raucher anzulocken. Das fordert der CVP-Politiker Benjamin Roduit. Betreiber von Shisha-Bars befürchten den finanziellen Ruin.

von
Michelle Muff, Bettina Zanni
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Sämtliche Tabakaromen und -zusatzstoffe könnten bald verboten werden.

Sämtliche Tabakaromen und -zusatzstoffe könnten bald verboten werden.

Getty Images/iStockphoto
Das fordert CVP-Nationalrat Benjamin Reduit: «Raucherwaren, die mit speziellen Aromen und Zusatzstoffen angereichert sind, machen junge Menschen schneller zu Rauchern und süchtig.»

Das fordert CVP-Nationalrat Benjamin Reduit: «Raucherwaren, die mit speziellen Aromen und Zusatzstoffen angereichert sind, machen junge Menschen schneller zu Rauchern und süchtig.»

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«Der erfrischende Effekt etwa von Menthol führt dazu, dass der Rauch stärker inhaliert wird», so Roduit. Die Produkte stehen laut ihm im Widerspruch zum Kampf gegen den Tabakkonsum.

«Der erfrischende Effekt etwa von Menthol führt dazu, dass der Rauch stärker inhaliert wird», so Roduit. Die Produkte stehen laut ihm im Widerspruch zum Kampf gegen den Tabakkonsum.

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Darum gehts

  • CVP-Nationalrat Benjamin Roduit fordert in einer Motion ein Verbot von Tabakaromen und -zusatzstoffen.
  • Das würde neben Zigaretten mit Aroma – wie etwa Menthol-Zigaretten – auch Shisha-Tabak betreffen.
  • Während Präventionsstellen den Schritt befürworten, wehren sich Shisha-Bar-Betreiber.

Ein Tabak verspricht, nach «knackigen roten und gelben Äpfeln» zu schmecken, ein anderer gar nach einer «leckeren Himbeertorte mit frisch gebackenem Teigboden». Mittlerweile lockt die Tabakindustrie mit einer fast grenzenlosen Palette an süssen Aromen und Zusatzstoffen. CVP-Nationalrat Benjamin Roduit will dem Markt nun einen Riegel schieben. In einer Motion fordert er ein Verbot von Tabakaromen und -zusatzstoffen. Betroffen wären neben aromatisiertem Shisha-Tabak etwa Menthol-Zigaretten oder Click-Zigaretten, die beim Rauchen verschiedene Geschmäcker wie etwa Menthol oder Erdbeere ausströmen.

Die Europäische Union, Grossbritannien und Nordirland verbieten seit dem 20. Mai 2020 alle Zigaretten mit charakteristischen Aromen. Bereits seit 2016 sind in der EU Zusatzstoffe für Tabakerzeugnisse zum Rauchen oder E-Zigaretten, die das Inhalieren beziehungsweise die Nikotinaufnahme erleichtern, auf dem Markt nicht mehr zugelassen.

Aromen machten schneller süchtig

Laut Roduit muss die Schweiz dringend nachziehen. «Raucherwaren, die mit speziellen Aromen und Zusatzstoffen angereichert sind, machen junge Menschen schneller zu Rauchern und süchtig», sagt Roduit. Durch die Aromen reagiere die Kehle weniger empfindlich auf den Rauch. «Der erfrischende Effekt etwa von Menthol führt dazu, dass der Rauch stärker inhaliert wird.» Die Produkte stehen laut Roduit im Widerspruch zum Kampf gegen den Tabakkonsum. «Die Schweiz investiert enorm viel in die Tabakprävention, erlaubt gleichzeitig aber Stoffe, die das Rauchen umso mehr fördern.»

Vom Verbot wäre auch aromatisierter Shisha-Tabak betroffen, wie Wolfgang Kweitel von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz auf Anfrage bestätigt. «Da Shisha-Tabak im Grunde normaler Tabak ist, würde er gemäss der Motion ebenfalls verboten werden.» Das heisst konkret: Wer Shisha rauchen möchte, darf dafür in Zukunft vielleicht nur noch geschmacksneutralen Tabak verwenden.

Laut Kweitel geht «oft vergessen», dass auch beim Shisha-Rauchen «normaler Tabak verbrennt und inhaliert» wird: «Weil man Shisha durch eine spezielle Wasserpfeife und meistens in einer Gruppe raucht, wird es als etwas Besonderes zelebriert. Aber: Shisha-Tabak ist nicht weniger gefährlich als normaler Zigarettentabak.»

«Würde mir einen grossen Vorrat zulegen»

Betroffene wehren sich jedoch gegen ein Verbot. So etwa R. K. (21), der regelmässig solche Click-Zigaretten raucht. «Gewöhnliche Zigaretten schmecken mir schon gar nicht mehr. Ich rauche die Aroma-Zigaretten, weil sie einfach feiner sind und man danach weniger stinkt.» Ein Verbot würde er «echt doof» finden: «Ich würde mir wohl vor dem Verbot noch einen grossen Vorrat mit Menthol-Zigaretten zulegen.»

I. S.* (20), die selber gelegentlich Shisha raucht, sagt: «Dass aromatisierter Shisha-Tabak verboten werden soll, finde ich überhaupt nicht gut. Schliesslich sind es gerade die verschiedenen Geschmäcker, die das Shisha-Rauchen besonders machen.» Würde es verboten werden, würden laut S. wohl «viele gezwungenermassen mit dem Shisha-Rauchen aufzuhören».

S. befürchtet dadurch negative Konsequenzen: «Für viele Jugendliche sind Shisha-Bars wichtige Spots, um sich zu treffen und Zeit miteinander zu verbringen. Es ist Teil ihrer Kultur.» Dass man mit Gesetzen in diese Kultur eingreifen möchte, findet sie bedenklich.

«Verbot würde Gastronomie kaputtmachen»

Auch Betreiber von Shisha-Clubs wehren sich gegen ein Verbot. «Ein Verbot von Shisha-Tabak-Aromen würde die Gastronomie buchstäblich kaputtmachen. Wir könnten gleich schliessen», sagt Adem Corca, Geschäftsleiter der Binzgarten-Shisha-Lounge in Zürich. Die Folgen wären viele Arbeitslose und leer stehende Lokalitäten, die für viel Geld eingerichtet worden seien. Auch das Angebot von neutralem Shisha-Tabak könnte das Geschäft nicht retten. «Wir könnten die Gäste nicht zum Rauchen einer Sorte zwingen.»

Laut Corca würde ein Verbot von Shisha-Tabak nicht zu einer Tabakprävention beitragen. Nur selten brauchten Leute täglich eine Shisha. «Shisha-Rauchen ist keine Sucht, sondern etwas Kulturelles, was Leute zusammenbringt.» Seiner Meinung nach ist 99 Prozent der jungen Leute zudem bewusst, dass der Konsum von Shisha-Tabak schädlicher sei als der Zigarettentabak. «Den Politikern scheint es einfach zu langweilig zu sein. Sie sollten etwas Besseres anstellen, als sich in die Tabakaromen einzumischen.»

Kohlenmonoxid-Vergiftung

Wie gefährlich ist Shisha-Rauchen?

2018 klappte eine 17-Jährige nach einem Besuch in einer Shisha-Bar zusammen und wurde in kritischem Zustand ins Spital eingeliefert. Die junge Frau habe sich vermutlich eine Kohlenmonoxidvergiftung zugezogen, schrieb die Kantonspolizei St. Gallen damals in einer Medienmitteilung. In der Schweiz kenne man die Problematik von Kohlenmonoxidvergiftungen, wie Aris Exadaktylos, Chefarzt und Klinikdirektor des Universitären Notfallzentrums (UNZ), zu 20 Minuten sagte: «Betroffen sind besonders Nichtraucher und Jugendliche ohne Erfahrung im Wasserpfeife-Rauchen.» Aber es treffe auch erfahrene Nikotinkonsumenten.

Trotz des Risikos möchte Exadaktylos das Shisha-Rauchen aber nicht verdammen. Er empfiehlt jedoch, dabei den gesunden Menschenverstand nicht auszuschalten. So sollten die Wasserpfeifen-Fans es ruhig angehen lassen und in Massen konsumieren, sich nicht zusätzlich mit Alkohol oder Drogen berauschen und auf Frischluftzufuhr und Rauchpausen achten.

Vor den Folgen des Konsums warnt auch Tox Info Suisse: «Dass Shisha-Konsum weniger gesundheitsschädlich ist als Zigarettenrauchen, ist ein Irrtum. 45 bis 60 Minuten Wasserpfeife-Rauchen entspricht dem Rauchen von ca. 100 Zigaretten.»

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417 Kommentare
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bardocko

19.06.2020, 10:21

Schweiz 2020 redet von legalisirung von Weed und dann gleichzeitig vom verbot von aromatisierten Tabak wo bitte ist der sinn dahinter die jungen zu animieren zu kiffen?

Gregi

18.06.2020, 06:56

Man kann die Shishas auch direkt verbieten, wenn der Geschmack verboten wird. Dürfte übrigens recht schwierig werden, unparfümierten Tabak zu finden, da dies ja geradezu Sinn und Zweck der Shisha ist... Es braucht nur ein Verbot: ein Verbot von regulierungswütigen Parlamentariern.

Thank you for Smoking

18.06.2020, 06:48

Nun, das die Tabakindustrie - also nach Auffassung der breiten Meinung "die gute oder richtige Tabakindustrie" - mit Aromastoffen und chemischen Zusammensetzungen arbeiten, die das Verlangen (auch: Sucht) massiv steigern spielt keine Rolle. Ich rieeeche die Tabaklobby von hier. Im übrigen bin ich selber bekennender Tabakraucher, so no hard feelings please.