Süsser Rauch: Shishas boomen bei Schweizer Jugendlichen

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Süsser RauchShishas boomen bei Schweizer Jugendlichen

Der Griff zur Wasserpfeife liegt bei den Teenagern im Trend. Das belegen auch Zahlen zum Tabak-Import. Doch Kritiker warnen vor den gefährlichen Folgen, die unterschätzt würden.

von
vro
Das Shisha-Rauchen wird unter Teenagern immer beliebter. Die Lungenliga warnt allerdings vor dem Alcopop-Effekt.

Das Shisha-Rauchen wird unter Teenagern immer beliebter. Die Lungenliga warnt allerdings vor dem Alcopop-Effekt.

Keystone/Alessandro Della Bella

300 Tonnen Shisha-Tabak wurden laut der Eidgenössischen Zollverwaltung in den ersten fünf Monaten des Jahres in die Schweiz eingeführt – dreimal so viel wie noch 2013. Ein Teil davon geht zwar aus Steuergründen ins Ausland, trotzdem sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Gemäss einem Bericht des Bundesamts für Gesundheit raucht mittlerweile jeder Dritte der 15- bis 19-Jährigen regelmässig oder gelegentlich Wasserpfeife. Damit sei die Shisha bereits fast auf demselben Niveau wie Zigaretten angelangt, schreibt die «Schweiz am Sonntag».

Der Trend zeigt sich auch im Erfolg von Shisha-Bars. Das Angebot ist mittlerweile vielfältig, die Nachfrage gross. «Das Geschäft läuft sehr gut», sagt etwa Petrit Koxha, Wirt einer Zürcher Shisha-Bar, zur Zeitung. Manchmal serviere er bis zu 90 Wasserpfeifen pro Tag. Er glaubt, dass der Boom auf verändertes Ausgehverhalten zurückzuführen ist. «Die jungen Menschen chillen heute lieber mit einer Shisha, als in den Klubs zu feiern.»

«Shishas sind wie Alcopops»

Doch mit der steigenden Beliebtheit wird auch die Kritik immer lauter. «Wasserpfeifen sind genauso schädlich wie Zigaretten», sagt Lungenliga-Sprecherin Barbara Weber. Da der Shisha-Tabak bereits bei rund 400 statt 900 Grad verglimme, wie es bei Zigaretten der Fall sei, würden weniger Giftstoffe verbrannt. Im Rauch von Wasserpfeifen seien schon 70 krebserregende Stoffe nachgewiesen worden. «Das Rauchen einer Wasserpfeife dauert ungefähr 45 bis 60 Minuten, viel länger als bei der Zigarette», ergänzt Weber. Deshalb sei das Rauchvolumen mindestens hundertmal grösser als bei einer Zigarettenpause. Zu den Auswirkungen gibt es allerdings erst wenige wissenschaftliche Studien.

Trotzdem ist Weber überzeugt, dass das Rauchen von Shishas gefährlicher ist als eine Zigarette. «Es ist wie mit den Alcopops beim Alkohol. Sie schmecken vor allem süss, wodurch die Gefahren des Konsums unterschätzt werden.» Denn Rauch mit Apfel-, Vanille- oder Pfefferminzgeschmack kratze weniger im Hals und sei deshalb umso beliebter. Das mache sich auch beim Projekt «Rauchfreie Lehre» der Lungenliga bemerkbar. Viele Jugendliche würden auf eine Teilnahme verzichten, schreibt die Schweiz am Sonntag. Nicht der Zigaretten wegen, sondern weil sie regelmässig Shisha rauchen.

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