15.06.2020 02:47

Fachhochschule St. GallenShitstorm gegen Dozent, der «Ehe für alle» als Fehlentwicklung bezeichnet

Ein FHSG-Dozent hat mit einem Facebook-Kommentar zur «Ehe für alle» einen Shitstorm ausgelöst. Studenten fordern die Entlassung, die Schulleitung distanziert sich von den Aussagen.

von
Gamze Ibis
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Mit diesem Kommentar löste der Dozent den Shitstorm aus.

Mit diesem Kommentar löste der Dozent den Shitstorm aus.

Instagram/fhsg.spotted
Der Facebook-Beitrag stammt vom Appenzell Ausserrhoder SVP-Politiker David Zuberbühler.

Der Facebook-Beitrag stammt vom Appenzell Ausserrhoder SVP-Politiker David Zuberbühler.

KEYSTONE
Der Kommentar des Dozenten schiesst gegen Homosexuelle.

Der Kommentar des Dozenten schiesst gegen Homosexuelle.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Ein Dozent der FHSG bezeichnet in einem Facebook-Kommentare die «Ehe für alle» als Fehlentwicklung.
  • Dafür erntete er einen Shitstorm auf den sozialen Medien.
  • Der Dozent findet die»Ehe für alle» weiterhin fragwürdig und will mit seiner Meinung toleriert werden.
  • Die Fachhochschule distanziert sich in einer internen Stellungsnahme von dem Kommentar.

«Ich kenne Studenten, die sich weigern, weiterhin von ihm unterrichtet zu werden», sagt ein Leserreporter, der selbst ein ehemaliger Student der Fachhochschule St. Gallen ist. Ein Informatik-Dozent der FHSG wird aufgrund eines Kommentars unter einem Facebook-Beitrag eines Nationalrats stark kritisiert. Denn darin schiesst er gegen die «Ehe für alle» und gegen Homosexuelle generell, indem er von «Fehlentwicklungen» schreibt.

«In der heutigen Zeit ist so etwas ein No-Go. Es ist unüberlegt, unmodern und rückständig», meint der Leserreporter und FHSG-Abgänger aus St. Gallen. Er erzählt, dass der Dozent, der ein Theologe und in christlichen Freikirchen ehrenamtlich tätig ist, in sehr biblischen Kreisen unterwegs und für seine krassen Einstellungen bekannt sei. «Ein solch veraltetes Gedankengut soll besser in seinen Kreisen bleiben.» Der St. Galler fordert vom Dozenten einen freiwilligen Rückzug von der Fachhochschule als Konsequenz für seine Aussagen. «Sein Ruf ist so oder so versaut.»

Dozent sieht kein Fehlverhalten

Auf Anfrage von 20 Minuten äussert sich der Dozent wie folgt: «Ich will ein Vorbild sein, indem ich hinter meiner Meinung stehe, auch wenn sie nicht Mainstream ist. So, wie ich andere Meinungen respektiere, erwarte ich auch Respekt.» In erster Linie habe er den Kommentar gepostet, da er es als wichtig empfinde, dieses Thema offen und ohne Ängste bereden zu können. «Das Thema ‹Ehe für alle› ist fragwürdig und es kann zukünftig zu Auswirkungen führen, die niemand haben will.»

«Ich war verwundert, dass es so eine intensive Reaktion auf den Kommentar gab. Ich wollte auch niemanden damit beleidigen und schätze alle Menschen», so der Dozent. Dabei betont er, dass seine Tätigkeit als Lehrperson an der FHSG nichts damit zu tun habe und er als Privatperson gehandelt habe. «Den Kommentar habe ich gelöscht, da ich der FHSG kein Problem aufbürden will. Ob ich es bereue, ist eine schwierige Frage, aber zukünftig werde ich mich differenzierter ausdrücken.»

Studenten sind wütend

Einigen Studenten an der Ostschweizer Hochschule gefällt der Kommentar des Dozenten überhaupt nicht. Auf der studentenbetriebenen Instagram-Seite fhsg.spotted lassen sie ihrer Meinung freien Lauf. «Wow, in welchem Jahr ist denn er hängengeblieben?», schreibt ein User. Ein anderer Follower meint: «Eine fristlose Entlassung wäre hier angemessen.» Einige Studenten meinen, man müsse seine Meinung akzeptieren. «Wie er wohl denken würde, wenn sein Kind homosexuell ist/wird?», wird ebenfalls kommentiert.

Der Shitstorm ging so weit, dass sich auch die Verantwortlichen der Fachhochschule zum Fall äusserten. Rektor Sebastian Wörwag schreibt in einem internen Schreiben, das 20 Minuten vorliegt, an die Studenten und die Lehrpersonen: «Die FHS St. Gallen distanziert sich von der im Kommentar zum Ausdruck gebrachten Position sowie von jeglichen nachfolgenden Äusserungen.» Dabei weist er auf ein Grundlagenpapier an der FHSG im Umgang mit Diversität hin.

Weiter heisst es, man fordere und fördere eine konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen. «Voraussetzung dafür ist, Diskriminierungen und Herabwürdigungen jeglicher Art entschieden entgegenzutreten und sich für die Anerkennung von Diversität einzusetzen.»

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