Whitewashing bei Games: Shitstorm gegen Scarlett Johansson

Publiziert

Whitewashing bei GamesShitstorm gegen Scarlett Johansson

Für die «Ghost in the Shell»-Verfilmung übernimmt Scarlett Johansson die Rolle einer Asiatin – nicht der erste Fall von Whitewashing im Zusammenhang mit Games.

von
L. Rüttimann

Normalerweise freut sich das Publikum, wenn Scarlett Johansson eine Rolle annimmt. Doch für ihren neusten Pitch musste die 31-Jährige einen regelrechten Shitstorm über sich ergehen lassen. Als vor ein paar Tagen bekannt wurde, dass sie die Rolle von Major Motoko Kusanagi in der Verfilmung des Manga/Videogame-Klassikers «Ghost in the Shell» – der Third-Person-Shooter wurde 1998 für die Playstation veröffentlicht – übernehmen wird, hagelte es böse Kommentare für die Schauspielerin.

«Typisch Hollywood», so der Tenor auf Twitter und in japanischen Game-Blogs, für die der Entscheid ein weiterer Fall von Whitewashing darstellt: der Besetzung von farbigen Charakteren mit weissen Darstellern. «Nichts gegen Scarlett Johansson», twitterte etwa die US-chinesische Schauspielerin Ming-Na Wen («Agents of S.H.I.E.L.D. »), «aber dieses Whitewashing von asiatischen Rollen muss endlich aufhören.»

Ein brisantes Thema

Um Beispiele von Whitewashing zu suchen, muss man nicht weit suchen. Gerade in diesen Tagen ist mit «Gods of Egypt» ein Film in der Schweiz angelaufen, in dem ägyptische Gottheiten ausschliesslich von weissen Europäern gespielt werden, der menschliche Held von einem jungen weissen Australier. Die Besetzung sorgte vor allem in den USA für Entrüstung, das Filmstudio und die Produzenten mussten sich prompt entschuldigen.

Nicht dass dies ein Einzelfall gewesen wäre: Weissgewaschen werden Charaktere in Hollywood schon seit Urzeiten, von Mongolen-Herrscher Dschingis Khan (1956 gespielt von John Wayne) über Kleopatra (Liz Taylor im gleichnamigen Film von 1963) bis hin zur franko-kubanischen Journalisten-Gattin Marianne Pearl (Angelina Jolie in «A Mighty Heart», 2007) wurden Figuren von den Produzenten immer wieder entgegen ihrer eigentlichen Herkunft besetzt.

Die Game-Industrie wäscht weiss

Dass die Game-Industrie da keine Ausnahme bildet, überrascht nicht weiter. Schon Jake Gyllenhaal war in der Verfilmung von «Prince of Persia» als persischer Prinz etwas gar bleich. Und der Kanadier Justin Chatwin sah in der Verfilmung des Manga/Game-Klassikers «Dragonball Z» auch nicht eben aus wie jemand, der auf den ur-japanischen Namen Goku hört.

Doch es ist nicht nur Hollywood, das in Sachen Whitewashing ins Fettnäpfchen tritt. Auch die Game-Industrie selbst hat schon weissgewaschen. Erst vor ein paar Monaten musste sich Marvel entschuldigen, weil man Superheldin America Chavez – in den Comics eine Figur mit Latino-Hintergrund – in «Lego Marvel's Avengers» als weisses Männchen programmiert hatte.

Nachhilfe per Computer?

Immerhin, für Scarlett Johansson gibt es neben wütenden Kommentaren auch Verständnis. «Wenn es eine Asiatin sein soll, wäre es sowieso wieder nur Lucy Liu gewesen. Sie ist eine gute Wahl», schreibt ein asiatischer Blogger. Und auf einem japanischen Manga-Blog siehts einer ganz pragmatisch: «Ich hasse Scarlett Johansson, weil sie in diesem Film war, der sich über Japan lustig gemacht hat (‹Lost in Translation› – Anm. d. Red.), aber sie hat ein Gesicht, das Weisse mögen.» Und wie reagiert das Filmstudio auf das alles? Es überlegt sich derzeit, ob man Scarlett Johansson mittels CGI-Effekten «asiatischer» machen kann.

Deine Meinung