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Hellseher und KartenlegerShiva und Co. kassieren in der Krise ab

In Krisenzeiten suchen Menschen vermehrt Halt im Spirituellen - so auch jetzt. «Seher» freuen sich über mehr Kundschaft: Die klassischen Themen Liebe und Beziehung werden zunehmend von Arbeitslosigkeit und Geldsorgen verdrängt.

von
Cyprian Zajac

Der Schweizer Ober-Guru Mike Shiva hat gut lachen. Der Hellseher, Kartenleger und Hypnotiseur verzeichnet mit seinem Unternehmen «shiva.tv» seit vergangenem Herbst deutlich mehr Anrufer als noch vor Beginn der Krise. «Unser Geschäft läuft gut, einzig jetzt in den Sommerferien rufen weniger Leute an», erklärt Shiva. Auch bei den Problemen seiner Kunden hat der Guru eine deutliche Verlagerung festgestellt: «Liebe ist zwar immer noch das dominierende Thema, jedoch stehen bei Zweitfragen immer stärker Existenzthemen wie Beruf und Finanzen im Vordergrund», sagt Shiva.

Einen grösseren Zulauf verzeichnet auch das Luzerner Medium Veronika Grolimund. «Die Angst, den Job zu verlieren, steht deutlich im Vordergrund», sagt Grolimund. Sie selber «sieht» jedoch, dass die Bedenken unnötig sind.

Keine Anlagetipps aus der Parallelwelt oder von den Sternen

«Die Fragen meiner Kunden haben sich klar stärker auf die Geldebene verschoben», sagt Monica Kissling, besser bekannt als Madame Etoile. So würden Kunden teils sehr konkrete Fragen zur Wirtschaft stellen: Soll ich meine UBS-Aktien verkaufen? Wo soll ich mein Geld investieren? «Damit muss ich sie aber an andere Stellen verweisen», sagt Kissling, «ich bin ja keine Anlagespezialistin.» Gemäss der Sterndeuterin geraten «Luxus-Fragen» - wie solche nach einer Beförderung oder einem neuen Job - in den Hintergrund. Existenzielle Fragen sind nun wieder wichtiger.

Esoteriker haben immer Antworten

Menschen suchen in schwierigen Zeiten nicht nur Halt, sondern auch Werte, an die sie glauben können, erklärt Heidi Äschlimann, Psychotherapeutin beim Schweizerischen Berufsverband für Angewandte Psychologie (SBAP). Aufgesucht würden alle Institutionen, welche Hilfestellung anbieten, seien es Kirche, Psychologen oder Esoteriker. «In solchen Zeiten wollen die Menschen mit jemandem reden, der ihnen hilft mit existentieller Angst umzugehen», sagt Äschlimann. Anders als Psychologen oder Geistliche hätten Esoteriker jedoch immer Antworten auf die Fragen ihrer Kunden.

Eine neue, monetär ausgerichtete Generation

Mike Shiva ist überzeugt, dass auch nach der Krise die Fragen zu Finanzen dominant bleiben werden. «Einerseits hat sich die Krise im Bewusstsein der Menschen verankert, anderseits ist auch eine neue Mentalität entstanden», erklärt Shiva und ist überzeugt: «Die heutige Generation ist stärker als die Vorfahren auf Finanzen fokussiert.»

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