Aktualisiert 02.09.2005 08:02

«Shoot to Kill»

Angesichts der Plünderungen und der Anarchie im Katastrophengebiet in den US-Südstaaten hat die Gouverneurin von Louisiana den Nationalgardisten den Befehl zum Töten gegeben.

Präsident George W. Bush seinerseits kündigte ein entschlossenes Vorgehen gegen Plünderer und an. «Für Menschen, die in einer Notsituation wie dieser gegen das Gesetz handeln, gibt es null Toleranz», sagte er im Sender ABC.

Bush am Freitag in den Hurrikan-Katastrophengebieten wird die Kritik an den Behörden immer lauter. Bush beantragte unterdessen beim Kongress 10,5 Mrd. Dollar als Soforthilfe.

Dieser stimmte dem Antrag in der Nacht zu. Das Repräsentantenhaus will darüber am Freitag entscheiden.

In den verwüsteten Regionen in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama werden zunehmend Vorwürfe gegenüber den Behörden laut. Es fehlen vor allem Nahrungsmittel, sauberes Trinkwasser, Medikamente und Transportmittel zur Evakuierung von zehntausenden von Menschen.

Leichen verwesen in den Strassen oder stapelten sich an bestimmten Punkten, berichtete der Nachrichtensender CNN. Entkräfte Menschen lägen auf den Strassen. Die Zahl der Toten wird mittlerweile auf mehrere tausend geschätzt.

Arbeit unter Kriegsbedingungen

Grosse Probleme sind zudem ausufernde Gewalt, die die Rettungsoperationen behinderten, und Plünderungen. Der Direktor der Behörde für Katastrophenmanagement (FEMA), Michael Brown, sagte nach CNN-Angaben, seine Behörde versuche in New Orleans unter Kriegsbedingungen zu arbeiten.

In New Orleans, wo viele Gestrandete seit fast vier Tagen vergeblich auf Hilfe warten, brach Chaos und Anarchie aus. An der Küste von Mississippi durchsuchten verzweifelte Kinder Abfalltüten nach Essensresten.

Die Behörden verteidigten sich gegen den Vorwurf unzureichender Planung. «Dies ist anders als jedes andere Desaster, das die USA je getroffen hat», sagte Brown. «Die Hilfe kommt.»

Die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, hat 40 000 Nationalgardisten angefordert, um für Ordnung zu sorgen. Bis Freitag sollen 12 000 davon in New Orleans im Einsatz sein.

Hilferufe via Medien

Der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, sandte einen «verzweifelten SOS-Ruf» aus. Aus Hotels flehten gestrandete Touristen Fernsehstationen um Hilfe an, ebenso ein Arzt aus dem Charity-Krankenhaus, der für seine 250 Patienten kein Wasser und kein Essen mehr hatte.

In New Orleans waren Banden unterwegs, die Geschäfte plünderten und Menschen bedrohten. Aus Hotels, in denen noch hunderte Touristen festsitzen, traue sich niemand auf die Strasse, berichtete eine Touristin. Die Angestellten bewachten das Gebäude mit gezogenen Pistolen. Präsident Bush kündigte «Null Toleranz» gegenüber Plünderern an.

Das Katastrophengebiet erstreckt sich nach Angaben von Heimatschutzminister Michael Chertoff über 233 000 Quadratkilometer, ein Gebiet fast so gross wie Grossbritannien.

Appell von Kofi Annan

UNO-Generalsekretär Kofi Annan rief die internationale Gemeinschaft auf, den USA bei der Bewältigung der Katastrophe zu helfen. Die angerichteten Schäden seien bei weitem schlimmer als zunächst von allen gedacht, erklärte Annan in New York.

Das amerikanische Volk, das sich bei Katastrophen in anderen Teilen der Welt immer am grosszügigsten gezeigt habe, sei nun selbst getroffen worden. Er spreche im Namen der ganzen Welt, wenn er jede erdenkliche Hilfe der Vereinten Nationen anbiete.

(sda)

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