Aktualisiert 08.03.2017 07:32

Hauptbahnhof Zürich

Shop-Ville kämpft mit Kakerlaken-Plage

Der Bau der Durchmesserlinie am Zürcher HB hat einen unerwünschten Nebeneffekt: Seit der Eröffnung ist das Shop-Ville von Schaben befallen – auch Restaurants sind betroffen.

von
ced/bec

Eine Leser-Reporterin machte in einem Take-away im Shop-Ville kürzlich eine unangenehme Erfahrung: «Während des Essens bemerkte ich, dass Käfer über den Boden krabbelten.» Angeekelt habe sie ihr Essen weggelegt und sei gegangen, sagt die Pendlerin.

Dem Besitzer des betroffenen Gastrobetriebs ist das Problem bewusst: Es hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, sondern mit dem Bau der Durchmesserlinie tief unter dem Zürcher Hauptbahnhof. «Seither kommen die Insekten aus den Wänden gekrochen», sagt er.

Stadt bestätigt Insektenproblem

Für das Shop-Ville zuständig sind sowohl die SBB als auch die Liegenschaftenverwaltung der Stadt Zürich (LVZ). Während der SBB in ihrem Bereich des Shop-Ville keine Vorfälle bekannt sind, bestätigt die LVZ ein «zeitweise erhöhtes Aufkommen von Insekten» in ihrem Teil.

«Wir nehmen an, dass das Auftreten von Insekten auch mit den Arbeiten an der Durchmesserlinie zusammenhängt», sagt LVZ-Sprecher Kuno Gurtner. Beim Bau seien neue Durchbrüche und Wege geschaffen worden, die den Insekten den Weg an die Oberfläche erleichterten. Begünstigt werde das Vorkommen dieser Tiere zudem durch Feuchtigkeit und Wärme im unterirdischen Einkaufszentrum.

Zusätzlich zu offiziellen Kontrollen von Gesundheit und Umwelt Zürich (GUZ) beauftrage die LVZ auch selber Firmen, die die hygienischen Verhältnisse in ihren Betrieben regelmässig und unabhängig prüfen. «Weil sie das Risiko kennt, hat die Liegenschaftenverwaltung einen Servicevertrag mit einem professionellen Unternehmen für Schädlingsbekämpfung abgeschlossen. Dieses tritt in Aktion, sobald Insekten in einem Betrieb gesichtet werden», sagt Gurtner.

Orientalische Schaben aus der Kanalisation

Für die Schädlingsbekämpfung zuständig ist die Firma Kistler & Stettler. Auch deren Geschäftsführerin Sybille Stettler hält es für möglich, dass die Plage mit der Durchmesserlinie zusammenhängt: «Die Insekten wandern ab, wenn sie aus ihrem Zuhause vertrieben werden, etwa durch Bauarbeiten.»

Hauptsächlich handle es sich um orientalische Schaben, auch Kakerlaken genannt: Diese kommen häufig im Untergrund und den Kanalisationen von Grossstädten vor und seien auch in Zürich heimisch. Zur Bekämpfung werden sie mit einer speziellen Paste gefüttert – und sterben dann.

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