Aktualisiert 01.06.2011 13:42

Duty Free im Ankunftsterminal

Shoppingcenter geraten zwischen die Fronten

Neue Shoppingtempel braucht es in der Schweiz keine mehr, sagt ein führender Anbieter. Ausgerechnet jetzt drängt aber mit den Ankunfts-Shops neue Konkurrenz auf den Markt.

von
G. Moinat
Dehnen ihr Angebot weiter aus: Duty Free Shops an Schweizer Flughäfen.

Dehnen ihr Angebot weiter aus: Duty Free Shops an Schweizer Flughäfen.

Angesichts des starken Frankens herrscht im Schweizer Detailhandel Ausnahmezustand. Besonders Kunden in Grenznähe meiden die Schweizer Detailhändler immer mehr und weichen auf günstige ausländische Alternativen aus.

Im Konstanzer Einkaufszentrum Lago beispielsweise ist mittlerweile jeder dritte Besucher ein Schweizer, während in Schweizer Shoppingcentern wie der Stücki in Basel die Kunden ausbleiben.

So setzte das noch junge Center Stücki letztes Jahr nur 150 Millionen Franken um. Um rentabel zu sein, müsste sich der Umsatz mit der Investitionssumme von 270 Millionen decken, so die Faustregel. Die Migros in der Stücki zieht deshalb erste Konsequenzen aus der Misere und halbiert die Verkaufsfläche von 5000 auf 2500 Quadratmeter, wie verschiedene Medien diese Woche berichteten.

Keine neuen Flächen

«Angesichts der Euro-Schwäche würde ich besonders in Grenznähe kein Shoppingcenter-Projekt mehr in Angriff nehmen», sagte Markus Graf, CEO des Stücki-Eigentümers Swiss Prime Site, Mitte Mai im Gespräch mit 20 Minuten Online.

Weiter schätzte er den Bau neuer Shoppingcenter in der Schweiz als «problematisch» ein. Ein altes müsste wenn schon durch ein neues ersetzt werden.

Denn schon heute kommt auf jeden Schweizer eine Fläche von 1,6 Quadratmetern — ein weltweiter Spitzenwert. Graf: «Um die Versorgung sicherzustellen, müssten wir in der Schweiz keinen einzigen Quadratmeter Verkaufsfläche mehr erstellen.»

Duty-Free-Zonen bei Ankunft

Als wären die Schweizer Shoppingcenter angesichts der Überkapazitäten und des tiefen Euros nicht schon genug unter Druck, drängen ausgerechnet jetzt Neueinsteiger auf den Markt. Die Rede ist von den Flughäfen Zürich und Genf, die ab sofort auch ankommenden Flugreisenden Duty-Free-Produkte verkaufen können.

Am Flughafen Zürich eröffnet in der Ankunft 2 der erste Laden für ankommende Flugreisende. Ein zweiter soll im Juli in der Ankunft 1 folgen. Die potenzielle Käuferschaft ist mit jährlich 23 Millionen Passagieren riesig. Auch am Flughafen Genf stehen ab sofort auf rund 400 Quadratmetern Zigaretten, Alkoholika oder Parfums auch den ankommenden Passagieren zur Verfügung.

Für die Flughafenbetreiber ist die Einführung des abgabefreien Einkaufs bei der Ankunft ein gutes Geschäft: Die Oberzolldirektion rechnet mit einem Mehrumsatz von jährlich bis zu 60 Millionen Franken. Die Flughäfen können mit gut 20 Millionen Franken durch umsatzabhängige Mietzinseinnahmen rechnen.

Kritische Stimmen äusserten allerdings bereits während der Parlaments-Debatte zur Gesetzesänderung im Duty-Free-Bereich die Befürchtung, der inländische Detailhandel könnte Schaden nehmen. Sie könnten recht behalten: Bereits 2009 landete der Flughafen Zürich mit seinem Jahresumsatz von 480 Millionen Franken auf dem zweiten Platz der umsatzstärksten Schweizer Einkaufszentren — Tendenz steigend.

Mengen unverändert

Die gesetzlichen Wertfreigrenzen von 300 Franken sowie die Freimengen für die Einfuhr von Alkohol und Tabakwaren bleiben unverändert. Auch in Zukunft kann bis zu einem Liter hochprozentiger Alkohol oder mehr als 200 Zigaretten abgabefrei gekauft werden.

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