Wild-West-Wochen: Shoppingcenter hängt Rassisten-Flagge auf
Aktualisiert

Wild-West-WochenShoppingcenter hängt Rassisten-Flagge auf

Im Rahmen der Wild-West-Wochen im Einkaufscenter Gäupark wurde ein Südstaatenbanner aufgehängt. Die Fahne, die als Symbol des Rassismus gilt, kam nicht bei allen gut an.

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sul
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Am Mittwochnachmittag wurde im Einkaufscenter Gäupark im Rahmen der Wild-West-Wochen die Südstaatenflagge aufgehängt.

Am Mittwochnachmittag wurde im Einkaufscenter Gäupark im Rahmen der Wild-West-Wochen die Südstaatenflagge aufgehängt.

Leser-Reporter
Die Fahne ist bis heute heftig umstritten: Für die einen steht sie für das kulturelle Erbe der Südstaaten, Heimatliebe oder Rebellion, für die anderen ist sie ein klares Symbol des Rassismus.

Die Fahne ist bis heute heftig umstritten: Für die einen steht sie für das kulturelle Erbe der Südstaaten, Heimatliebe oder Rebellion, für die anderen ist sie ein klares Symbol des Rassismus.

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Fest steht: An dem Stück Stoff haftet viel Blut und Ungerechtigkeit.

Fest steht: An dem Stück Stoff haftet viel Blut und Ungerechtigkeit.

Joel Carillet

Zwischen dem 24. Juli und dem 10. August gastiert im Einkaufscenter Gäupark in Egerkingen SO der Wilde Westen. Auf dem Programm stehen etwa Line-Dance-Kurse mit Cowgirl Isa aus «Bauer, ledig, sucht…», Bullenreiten mit Ex-Bachelor Tobias Rentsch, Lassowerfen oder ein Shooting im Fotostudio.

Nicht allen jedoch vermag die Wild-West-Romantik einen Jauchzer zu entlocken. Stein oder vielmehr Stoff des Anstosses ist eine Südstaatenflagge, die als Teil der Dekoration bis vor Kurzem über einem Geländer des Shoppingtempels hing. «Die Flagge ist untrennbar mit Rassimus und Sklaverei verbunden und hat deshalb in einem Shoppingcenter nichts verloren», findet ein Gäupark-Angestellter, der nicht namentlich genannt werden will.

Auch andere Leute hätten sich an der Flagge gestört, sagt der Leser-Reporter: «Da haben sich die Organisatoren nicht viel überlegt.»

Symbol des Rassismus

Tatsächlich ist die Fahne bis heute heftig umstritten: Für die einen steht sie für das kulturelle Erbe der Südstaaten, Heimatliebe oder Rebellion, für die anderen ist sie ein klares Symbol des Rassismus. Fest steht: An dem Stück Stoff haftet viel Blut und Ungerechtigkeit.

Ursprünglich zierte das blaue Kreuz mit den 13 weissen Sternen auf rotem Grund die Kriegsflagge von North Virginia. Im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 wurde es zum Erkennungsmerkmal der für den Erhalt der Sklaverei kämpfenden Konföderierten. Ein knappes Jahrhundert später, in der US-Bürgerrechtsbewegung der 1950er- und 1960er-Jahre, wurde mit der Fahne gegen die Gleichberechtigung von Schwarzen demonstriert.

Noch heute bedienen sich ihrer Angehörige von rechtsradikalen und rassistischen Gruppen, allen voran der Ku-Klux-Clan. Im Juni 2015 hatte sich der 21-jährige Rassist Dylann Roof in die Flagge gehüllt, bevor er neun schwarze Kirchgänger in Charleston erschoss. Als Reaktion hängte sie der US-Bundesstaat South Carolina vor dem Parlament für immer ab. Auch an manchen Schulen und Universitäten ist die Flagge als rassistisches Symbol verboten.

Flagge bereits abgehängt

Wie rechtfertigt der Gäupark die Verwendung der umstrittenen Flagge? Diese habe sich zusammen mit weiteren Fahnen und Western-Accessoires in einem Dekorationspackage befunden und sei von Mitarbeitenden unwissentlich aufgehängt worden, sagt Daniela Lüpold, Mediensprecherin der Migros Aare auf Anfrage. Die Migros ist zusammen mit Coop Besitzerin des Einkaufszentrums. Auf Hinweis des Leser-Reporters hätten die Mitarbeitenden die Flagge umgehend wieder entfernt.

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