Aktualisiert 19.03.2009 14:25

Swiss Life

Showstar Maschmeyer wird Chefstratege

Der deutsche AWD-Gründer Carsten Maschmeyer wird zum neuen starken Mann bei Swiss Life. Und dies, obwohl der Verwaltungsrat des Schweizer Versicherers den Liebling des Boulevard eigentlich nicht will.

Maschmeyer, der grösste Aktionär des Schweizer Lebensversicherers, wird im Mai in den Verwaltungsrat von Swiss Life gewählt werden. Dies berichtete unter anderen die «Financial Times Deutschland». Die Betroffenen dementieren die Berichte nicht, wollen sich jedoch auch nicht dazu äussern.

Am kommenden Montag wird der Swiss-Life-Verwaltungsrat Carsten Maschmeyer als neuen Kollegen vorschlagen - ohne Freude, aber in der Hoffnung, den AWD-Gründer so besser unter Kontrolle zu haben. Am 7. Mai – einen Tag bevor der erfolgreiche Unternehmer seinen 50. Geburtstag feiert – dürfte die Generalversammlung ihren Segen dazu geben.

Er ist ein Liebling des Boulevards

Mehr Freude an dieser Ernennung hat vermutlich die heimische Boulevard-Presse, denn Maschmeyer ist eine schillernde Figur und in den deutschen People-Medien Dauergast. So berichtete etwa die «Bunte» über den Trip mit Gerhard Schröder im schwarzen Learjet ans Scorpions-Konzert. Der Selfmade-Millionär und der Alt-Kanzler: Sie gelten als «Maschmeyer-Schröder-Gang», zu der auch Werbeunternehmer Martin Krug und dessen Ex-Frau Veronica Ferres gehören - und die ist jetzt Maschmeyers Freundin.

Die Liaison mit der deutschen Schauspielerin macht Maschmeyer endgültig zum Liebling des Boulevards. Doch schon vorher konnte er sich über mangelnde Unterstützung der «Bild»-Zeitung nicht beklagen: Immer wieder bringt das Blatt exklusive Storys über den «sensiblen, dünnhäutigen» Manager. Kein Wunder: AWD-Kommunikationschef Béla Anda, einst Schröders Regierungssprecher, war früher als «Bild»-Redaktor tätig.

Swiss Life zahlte 2,5 Milliarden Franken für AWD

Der aus einfachen Verhältnissen stammende Maschmeyer hatte einst sein Medizinstudium aufgegeben, um sich dem Verkauf von Versicherungspolicen und Fondsanteilen zu widmen. Zuerst machte er dies für fremde Herren. Im Jahr 1988 machte er sich selbstständig und gründete den Allgemeinen Wirtschaftsdienst AWD. Die aggressive Verkaufspolitik des AWD-Aussendienstes war sehr erfolgreich, zog aber immer wieder die Kritik von Konsumentenschutzorganisationen auf sich. Seinen Verkaufsleuten hämmerte Maschmeyer ein: «Armut kommt von arm an Mut.»

Swiss Life kaufte AWD vor einem Jahr für 2,5 Milliarden Franken. Das Geschäft war auch wegen der Finanzkrise kein Erfolg, der Swiss-Life-Aktienkurs auf Sturzflug eingeschwenkt: Die gesamte Swiss Life hat noch einen Marktwert von knapp über 2 Milliarden Franken. Maschmeyer nutzte die Schwäche, um seinen Aktienanteil auf 8 Prozent auszubauen. Er ist damit der grösste Einzelaktionär. Swiss Life weist eine Stimmrechtsbeschränkung von 10 Prozent auf.

Die Fusion mit einem AWD-Konkurrenten misslang

Seinen Traum, AWD dank einer Fusion mit dem Mitbewerber MLP als führenden deutschen Finanzdienstleister zu etablieren, gab Maschmeyer auch nach dem Verkauf an Swiss Life nicht auf. Er kaufte einen guten Viertel der MLP-Anteile und gab sie der Versicherung weiter. MLP wehrte sich aber mit Hilfe starker Partner erfolgreich gegen eine Übernahme.

Jetzt wird sich Maschmeyer aus dem Management von AWD zurückziehen und sich im Swiss-Life-Verwaltungsrat um strategische Weiterentwicklung und Internationalisierung kümmern. Einen Deal mit dem drittgrössten deutschen Versicherer Talanx habe er bereits eingefädelt, heisst es. Talanx wolle zehn Prozent an Swiss Life übernehmen und solle dem Schweizer Konzern auch die Anteile an MLP abnehmen.

(wg)

Fehler gefunden?Jetzt melden.