Aktualisiert 09.01.2019 12:58

Einfach gut essen

Sich gesund essen mit der Anti-Entzündungs-Diät?

Beeren, Kurkuma und weitere Lebensmittel sollen Entzündungen lindern. Leserin Stephanie fragt, ob antientzündliche Diäten wirklich helfen.

von
Diana Studerus
Beeren, Nüsse, Früchte und Gemüse enthalten Tausende sekundäre Pflanzenstoffe, die auch entzündungshemmend wirken sollen. Viele davon sind allerdings noch kaum erforscht.

Beeren, Nüsse, Früchte und Gemüse enthalten Tausende sekundäre Pflanzenstoffe, die auch entzündungshemmend wirken sollen. Viele davon sind allerdings noch kaum erforscht.

Rasulovs

Liebe Diana

Bei mir würde kürzlich eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert und ich würde gern auch etwas mit der Ernährung dagegen tun. Im Internet finde ich viele Dinge zu «antientzündlichen Diäten», mein Arzt aber sagte, dass das nichts bringe. Was ist deine Meinung oder Erfahrung? Danke für jeden Hinweis!

Stephanie (34)

Liebe Stephanie

Das tut mir sehr leid zu hören. Ich hoffe und wünsche, dass die Erkrankung einen günstigen Verlauf nimmt. Du sprichst mit deiner Frage ein Thema an, von dem ich in meiner Sprechstunde auch immer häufiger höre und über das auch vonseiten der Forschung in den letzten Jahren zunehmend neue Erkenntnisse gewonnen wurden.

So aus Erfahrung würde ich sagen, die Wahrheit liegt zwischen den Behauptungen des Internets und der Haltung deines Arztes: Einen Versuch ist es wert, und die Ernährung leistet sicher einen Beitrag zum Verlauf. Jedoch sind Autoimmunerkrankungen ziemlich komplexe Geschehnisse, die nicht nur von der Umwelt (Ernährung etc.) abhängig sind. Der aktuelle Wissensstand zeigt aber auch, dass unser Darm und insbesondere die Darmschleimhaut, die von unserer Ernährung beeinflusst wird, eine wesentliche Rolle in dem Geschehen spielen.

Stell dir die Darmschleimhaut wie ein Ziegeldach vor: Die Ziegel schützen den Estrich vor allerhand Einflüssen. Wenn das Dach aber undicht ist oder Ziegel fehlen, dann geht langsam, aber sicher der ganze Dachstock kaputt und/oder er muss dauernd irgendwo repariert werden, was aber meistens nur ungenügend gelingt. Ähnliches passiert im Darm: Die oberste Schicht ist verändert, und es können Substanzen in unseren Körper gelangen, die dort eigentlich nicht hingehören und das autoimmune Geschehen verstärken.

In der Fachsprache nennen wir das dann «leaky gut» (durchlässiger Darm). Und obwohl wir das Geschehen verstehen, sind wir uns über die Therapie und die Frage, was das für die Ernährung bedeutet, noch nicht einig. Auch wenn du im Internet etwas anderes liest, eine wissenschaftlich fundierte anti-entzündliche Ernährung gibt es (noch) nicht!

Es wird aber Verschiedenes diskutiert: Gluten, Emulgatoren, Konservierungsmittel (Lebensmittelzusatzstoffe) und Milcheiweiss scheinen eine eher ungünstige Wirkung zu haben – das Dach geht weiter kaputt. Auch mögliche schützende Faktoren werden diskutiert: Beeren, Kurkuma und andere sekundäre Pflanzenstoffe, die wir vor allem in Obst, Gemüse und Gewürzen finden.

Bevor du jetzt aber glutenfrei isst und Kurkuma-Kapseln kaufst: Auch Stress und Schlaf haben einen Einfluss! Und eine solche Ernährungsanpassung ist oft am Anfang sehr stressig. Such dir also eine gute Ernährungsberatung und lass dich auch hier – wie bei jeder anderen Therapie – begleiten.

Alles Gute für dich!

Diana

Diana Studerus hat an der Berner Fachhochschule Ernährung und Diätetik studiert. Mit Ihrer Firma Food on Record berät sie zum Thema Ernährung. Was ihr besonders daran gefällt: Den Status quo infrage zu stellen und damit Möglichkeiten zu eröffnen, die Ernährung individuell, genussvoll und nachhaltig zu gestalten.

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