Aviatik-Experte zu Absturz: «Sicher ist: Es gab keine Explosion in der Luft»
Aktualisiert

Aviatik-Experte zu Absturz«Sicher ist: Es gab keine Explosion in der Luft»

Was könnte zum Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen geführt haben? Aviatik-Experte Olav Brunner gibt erste Antworten.

von
lüs
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Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben.

Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben.

Keystone/Guillaume Horcajuelo
Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen.

Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen.

epa/Foto-team-mueller
Der Pilot hatten den Airbus 320 vor dem Crash absichtlich beschleunigt.

Der Pilot hatten den Airbus 320 vor dem Crash absichtlich beschleunigt.

Herr Brunner, welche Ursachen kommen für den Absturz der Germanwings-Maschine in Frage?

Noch liegen kaum gesicherte Daten vor, deshalb kann man dazu erst wenig sagen. Das Flugprofil der Maschine zeigt aber, dass sie nicht abrupt abgestürzt ist, sondern sich in einem langsamen Sinkflug auf die Alpen zubewegt hat.

Was kann man daraus schliessen?

Sicher ist nur, dass es nicht zu einer Explosion in der Luft gekommen ist. Dass der Absturz nicht plötzlich kam, zeigt sich auch daran, dass die Piloten offenbar noch einen Notruf abgesetzt haben.* Sie merkten also noch vor der Katastrophe, dass es ein Problem gab. Welches, ist offen. In Frage kommt beispielsweise ein doppelter Triebwerkschaden.

Was lässt sich über den Flugzeugtyp sagen?

Die A320 ist ein absolut bewährtes Modell, das in grosser Stückzahl hergestellt worden ist. Es stammt aber aus den 90er-Jahren, ist also eher alt.

Ist der Flug über die Alpen besonders gefährlich?

Nein, diese Route nehmen jeden Tag Hunderte Flugzeuge. Das Wetter war zum Zeitpunkt des Absturzes nicht aussergewöhnlich, es war lediglich bewölkt. Ich glaube daher nicht, dass das Wetter einen Einfluss darauf hatte, dass es zum Absturz kam.

Ist es möglich, dass jemand von den 150 Insassen den Absturz überlebt hat?

Nein, da besteht kaum Hoffnung. Wenn ein Flugzeug aus dieser Höhe auf ein so coupiertes Gelände wie diese Region in den französischen Alpen aufschlägt, ist die Zerstörung enorm.

*Als das Interview am Dienstagmittag geführt wurde, lauteten die ersten Informationen, ein Notruf sei abgesetzt worden. Dies wurde mittlerweile dementiert. Auf Nachfrage sagt Brunner am Dienstagabend dazu: «Als die Piloten die Flughöhe verliessen, hätten Sie zwingend einen Notruf absetzen müssen. Wenn sie dies tatsächlich nicht taten, ist dies mysteriös.»

Olav Brunner ist ehemaliger Swissair-Pilot und Aviativ-Experte.

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