Marseille-Präsident Pablo Longoria nach Platzsturm sauer
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Marseille-Bürgermeister tobt«Man spielt nicht Fussball, wie man in den Krieg zieht»

Riesen-Skandal in der Ligue 1: Kurz vor Schluss musste das Derby zwischen Nizza und Marseille abgebrochen werden. Im Anschluss waren der Olympique-Präsident und der Bürgermeister von Marseille ausser sich.

von
Nils Hänggi

Ein Marseille-Betreuer (orange Weste) schlägt einen Nizza-Fan nieder.

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Darum gehts

  • Am Sonntagabend duellierten sich der OCG Nizza und Olympique Marseille im Südfrankreich-Derby.

  • Eine Viertelstunde vor Ende musste die Partie abgebrochen werden.

  • Der Marseille-Präsident war ausser sich.

  • Marseilles Bürgermeister will das Geschehene nun mit Frankreichs Sportministerin diskutieren.

Nach dem Abbruch des französischen Ligaspiels zwischen OGC Nizza und Olympique Marseille am Sonntagabend hat OM-Präsident Pablo Longoria die Weigerung gegen die Fortsetzung der Partie gerechtfertigt. Vorangegangen waren Ausschreitungen in der 75. Minute beim Stand von 1:0 für Nizza. «Wir haben entschieden, das Spiel aus Gründen der Sicherheit unserer Spieler nicht fortzusetzen», sagte Longoria dem Sender RMC Sports. «Was heute passiert ist, ist völlig inakzeptabel.»

Longoria kritisierte die französische Liga, die aus Gründen der öffentlichen Ordnung eine Fortsetzung der Partie angeordnet habe. Das sei nicht akzeptabel, betonte der Vereinschef und nannte dies als Grund, warum das Team nach Marseille zurückgekehrt sei. «Der Schiedsrichter war auf unserer Seite, seine Entscheidung war, das Spiel zu unterbrechen», erklärte Longoria. Als die Partie schliesslich nach einer anderthalbstündigen Unterbrechung zu Ende gespielt werden sollte, kam die Mannschaft von Trainer-Routinier Jorge Sampaoli nicht auf das Feld zurück.

«Man spielt nicht Fussball, wie man in den Krieg zieht»

Marseilles Bürgermeister Benoît Payan meldete sich am Montagmorgen zu Wort und sagte gegenüber dem Sender Franceinfo: «Man spielt nicht Fussball wie man in den Krieg zieht. Ich werde heute die Sportministerin anrufen, um ihr zu sagen, wie ich die Dinge sehe, und um ihr zu sagen, dass das, was passiert ist, nicht zu tolerieren ist.»

Aus Nizza kommen jedoch Schuldzuweisungen in die andere Richtung. «Ich glaube, das, was das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war die Reaktion zweier Spieler aus Marseille: nämlich (...) Flaschen in Richtung unserer Fantribüne zu werfen», sagt der OGC-Präsident Jean-Pierre Rivère noch am Sonntagabend bei einer Pressekonferenz nach dem Spiel. Der Spielabbruch sei übertrieben gewesen. Er selbst habe während der Unterbrechung Sicherheitsgarantien der Fans eingeholt. «Ich bin überzeugt, dass es sehr gut gelaufen wäre.»

Marseille-Betreuer schlägt Nizza-Fan nieder

Eine Viertelstunde vor Spielende waren Zuschauer auf das Spielfeld im Allianz Riviera-Stadion in Nizza gestürmt, es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und Spielern beider Clubs. Bereits seit Spielbeginn waren regelmässig Gegenstände von den Tribünen auf das Spielfeld geworfen worden.

Als in der 75. Minute Marseilles früherer Nationalspieler Dimitri Payet vor einem Eckstoss von einer Plastikflasche am Rücken getroffen wurde, sank er zunächst zu Boden. Dann warf er mit mehreren Plastikflaschen auf Nizza-Fans, andere Teamkollegen schlossen sich ihm an. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Mehrere Nizza-Fans stürmten den Platz und wollten auf die Marseille-Spieler los. Die Ordner waren komplett überfordert. Ein Marseille-Betreuer rannte etwa ins Getümmel und schlug einen Nizza-Fan nieder.

Hier ist der Platzsturm der Nizza-Fans zu sehen.

Now

Was sich dann abspielte, war dann absolut kurios: Während die Spieler in der Garderobe waren, vermittelte der vermeintliche Sicherheitschef von Nizza zwischen Vertretern der Kurve und der Polizei. Völlig verrückt! Nach einer rund einstündigen Unterbrechung kehrten die Nizza-Spieler zurück auf den Rasen der Allianz Riviera und machten sich noch einmal warm.

Marseille blieb jedoch in der Kabine, die Partie wurde schliesslich kurz vor Mitternacht definitiv abgebrochen. Payet soll beim Zwischenfall am Rücken verletzt worden sein und geblutet haben. Mittendrin war übrigens auch der Schweizer Jordan Lotomba. Der Nati-Verteidiger wurde bei Nizza bereits nach sechs Minuten eingewechselt und bereitete sogar das 1:0 durch Dolberg vor.

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