Aktualisiert 05.06.2014 09:16

Brisante Enthüllungen

Sicherheitsleute flohen als Erste aus Fukushima

Vier Tage nach der Fukushima-Katastrophe flüchteten 90 Prozent der Arbeiter aus der Atom-Anlage – allen voran die Sicherheitsinspektoren.

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Der Direktor des Atomkraftwerks von Fukushima, Masao Yoshida, ist mittlerweile an Krebs gestorben. Einige Monate nach der Tragödie stand er noch einer Ermittlungsbehörde Rede und Antwort. Laut seiner Aussage waren am 15. März 2011, vier Tage nach dem Atom-GAU, 90 Prozent der Arbeiter aus der Anlage geflohen. Besonders brisant: Die Ersten, die das «sinkende Schiff verliessen», waren die Sicherheitsinspektoren des AKW. Dies hatte grosse Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Katastrophe.

Die japanische Zeitung «Asahi Shimbun» erhielt kürzlich Zugang zu Direktor Yoshidas Aussagen. Dieser hatte in seiner Einvernahme erklärt, seine Mitarbeiter seien in das zehn Kilometer entfernte Kernkraftwerk Nr. 2 geflüchtet. Dabei hätten viele von ihnen – gerade auch die Sicherheitsinspektoren – vor Ort wichtige Entscheidungen treffen sollen. Auch deswegen sei es für die japanische Atombehörde (NISA) schwierig gewesen, die Situation einzuschätzen. Die NISA-Mitarbeiter hätten sich allein auf die Angaben der Betreiberfirma Tepco verlassen müssen, so Yoshidas Schlussfolgerung.

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Revision der Checkliste nach Fukushima

Die Kommunikation zwischen der Regierung und Tepco sei «chaotisch verlaufen», sagte Yoshida aus. Deswegen besuchte Premierminister Naoto Kan wenige Tage nach der Katastrophe höchstpersönlich die Zentrale des Unternehmens in Tokio. Von diesem Moment an habe man alle Entscheidungen in der japanischen Hauptstadt getroffen – 230 Kilometer vom Unglücksort entfernt.

Diese Umstände seien später als einer der Gründe für die Eskalation der Katastrophe erkannt worden, schreibt «Asahi Shimbun». Die Erkenntnisse, die aus dem Fukushima-Drama gezogen wurden, sollen dazu geführt haben, dass die Regierung die Anleitungen im Umgang mit Atomunfällen revidiert. Der Sicherheitschef müsse künftig im Fall eines Unglücks seinen Kontrollraum in der Nähe des Tatorts aufstellen.

Yoshida, Held von Fukushima

Masao Yoshidas Aussagen werden jetzt, knapp elf Monate nach seinem Tod, bekannt. Der Direktor war im vergangenen Juli an Speiseröhrenkrebs gestorben. Medien feierten AKW-Direktor Yoshida nach dem Atomdrama als «Helden von Fukushima», weil er sich in den ersten Stunden nach dem Erdbeben über eine Anordnung seines Arbeitgebers Tepco hinweggesetzt hatte: Er setzte das Einpumpen von Meerwasser zur Kühlung der beschädigten Reaktoren fort. Sein Ungehorsam verhinderte Schlimmeres.

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