Armee-Grossreform: Sicherheitspolitiker gegen Fehrs «Kriegsmunition»
Aktualisiert

Armee-GrossreformSicherheitspolitiker gegen Fehrs «Kriegsmunition»

Wehrmänner sollen die Munition wieder zuhause lagern, schlägt SVP-Nationalrat Hans Fehr vor. Für die Sicherheitskommission ein Rückfall in den Kalten Krieg.

von
Roland Schäfli

Ueli Maurer plant in seiner Armee-Grossreform (WEA) das Instrument der Mobilmachung ein, mit der 35'000 Soldaten im Ernstfall kurzzeitig zum Einsatz kommen sollen. Sein Parteikollege Hans Fehr lancierte dazu heute Dienstag ein heikles Armeethema, das viele für abgeschlossen hielten, seit die Taschenmunition im Zeughaus aufbewahrt wird: Fehr verlangt, dass die Soldaten zum Gewehr auch die scharfe Munition zuhause haben.

Die Umfrage von 20 Minuten unter Mitgliedern der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) zeigt: Fehrs Vorschlag ist ein Rohrkrepierer. Nicht nur Armeewaffen-Gegner wie Chantal Galladé (SP) halten die Idee für «absurd». Selbst Armeebefürworter wie Jakob Büchler (CVP) sprechen sich gegen einen Rückfall in die Zeit aus, in der jeder Schweizer Wehrmann seine «Kriegsmunition», wie die Patronenbüchse im Jargon genannt wurde, nur noch ins Gewehr zu hebeln brauchte. Büchler: «Man darf die Idee der Generalmobilmachung nicht so verstehen, dass 35'000 Mann schwerbewaffnet von zuhause aus losziehen.» Zudem befürchtet Büchler, Fehrs Vorschlag würde lediglich den Armeegegnern Angriffsfläche bieten.

Die Vorwarnzeiten zu einem militärischen Ernstfall hätten sich zwar tatsächlich verkürzt, findet Corina Eichenberger (FDP), und die IS stelle eine akute Terrorgefahr dar, doch wäre es auch für dieses Kommissionsmitglied «übers Ziel hinausgeschossen», nun wieder die Taschenmunition auszuteilen. Selbst Fehrs Parteikollege Thomas Hurter, der die SiK präsidiert, muss dessen Vorpreschen stoppen: «Wenn jetzt jeder Parlamentarier mit irgendeiner Idee zur neuen Bereitschaft der Armee kommt, ist das kontraproduktiv.»

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