Umstrittener Satellit: Sicherheitsrat verurteilt Raketenstart
Aktualisiert

Umstrittener SatellitSicherheitsrat verurteilt Raketenstart

Das symbolisches Geschenk zum 100. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-Sung zerplatzte nach wenigen Sekunden. Dennoch verurteilte der UNO-Sicherheitsrat den Raketenabschuss.

Mit dem Fehlstart einer Langstreckenrakete erlebt Nordkoreas neuer Machthaber ein Desaster vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Ungewöhnlich offen räumte die kommunistische Regierung am Freitag den Fehlschlag ein.

Der Start erfolgte anlässlich des 100. Geburtstags des verstorbenen Staatsgründers Kim Il-Sung. Bereits nach wenigen Minuten und gerade einmal rund 100 Kilometern explodierte die Rakete und stürzte westlich der koreanischen Halbinsel ins Meer.

Im nordkoreanischen Staatsfernsehen hiess es, Experten würden nach der Absturzursache suchen. Das Eingeständnis kommt unerwartet, weil die staatlich kontrollierten Medien die einzige Informationsquelle für die 23 Millionen Nordkoreaner sind. Einen ähnlich gescheiterten Versuch, bei dem die Rakete aber 3800 Kilometer weit flog, hatte die Führung 2009 noch als Erfolg verkauft.

Kritik des UNO-Sicherheitsrats

Ungeachtet des Scheiterns stiess die Aktion Nordkoreas international auf Kritik. Der UNO-Sicherheitsrat äusserte in einer Erklärung zunächst sein Bedauern über den Raketenstart. Damit seien zwei Resolutionen des Gremiums verletzt worden, hiess es in New York. Der Sicherheitsrat werde die Beratungen fortsetzen, um eine «angemessene Antwort» zu finden.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon teilte in Genf mit, der Start sei «eine direkte Verletzung der Resolution 1874» des Sicherheitsrats. In dieser Resolution vom Juni 2009 hatte der Sicherheitsrat einen nordkoreanischen Atomwaffenversuch scharf verurteilt und verlangt, keine weiteren Raketentests durchzuführen.

G8-Staaten verurteilen den Start

Auch die Aussenminister der G8-Staaten verurteilten den Start als Verletzung der Sicherheitsrats-Resolution. Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton nannte den Raketenstart «gefährlich und destabilisierend». Südkorea befürchtete, dass Nordkorea nun mit weiteren Atomtests seine militärische Stärke unter Beweis stellen will.

Die USA sprachen von einer «provokativen Aktion». «Nordkorea (...) verschwendet sein Geld für Waffen und Propaganda, während die Menschen in Nordkorea hungern», kritisierte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Jay Carney.

Auch die Schweiz verurteilte Nordkoreas Raketenstart scharf. Die Aktion könne die Spannungen in der Region verstärken.

Nordkoreas Verbündeter China rief alle Beteiligten zur Ruhe auf. Aus Kreisen des Aussenministeriums in Moskau verlautete, Russland werte den Versuch als Bruch einer UNO-Resolution, die dem Einsatz von Raketentechnologie Grenzen setzt. Der russische Aussenminister Sergej Lawrow schloss aber schärfere Sanktionen aus.

Neues Amt für Kim Jong-Un

Den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Kim Il-Sung tat der missglückte Test keinen Abbruch. Der neue Machthaber Kim Jong-Un wurde zum «ersten Vorsitzenden» des Verteidigungsausschusses ernannt.

Kim Jong Uns Vater Kim Jong-Il, der im Dezember 2011 gestorben war, wurde bei einer Sitzung des Parlaments zum «ewigen Vorsitzenden» des Verteidigungsausschusses ernannt. Der Verteidigungsausschuss ist das höchste beschlussfassende Gremium des kommunistischen Staates.

Die Mitteilung über das neue Amt Kim Jong Uns schliesst den Prozess der Machtübergabe nach dem Tod Kim Jong Ils ab. Kim Jong-Un ist nunmehr oberster Befehlshaber über die 1,2 Millionen Angehörigen der Streitkräfte, Generalsekretär der Kommunistischen Partei und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses.

Reaktion Nordkoreas befürchtet

Nach nordkoreanischen Angaben sollte die Unha-3-Rakete einen Wettersatelliten ins All bringen. Nachbarstaaten und die USA befürchteten aber einen verdeckten militärischen Test für eine Rakete, die mit Atomsprengköpfen bestückt auch Alaska erreichen könnte.

Durch neuerliche Sanktionen, wie sie Japan und die USA bereits angekündigt haben, könnte sich Nordkorea zu einer Reaktion wie einem Atomtest oder einem Angriff auf Südkorea herausgefordert fühlen.

Das Scheitern des prestigeträchtigen Projektes könnte innerhalb der Führung des weitgehend isolierten Landes aber auch zu einer Gegenreaktion führen und Zweifel an den Fähigkeiten des neuen Staatschefs Kim Jong-Un wecken.

(Quelle: NMA) (sda)

UNO berät über gescheiterten Raketenstart

Wenige Stunden nach dem gescheiterten Start einer nordkoreanischen Rakete ist der UNO-Sicherheitsrat am Freitag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen. Der Sicherheitsrat wollte über den Entwurf für eine Erklärung des Gremiums beraten, der von den USA eingebracht wurde.

Der französische UNO-Botschafter Gérard Araud sagte, der Raketenstart sei eine «offenkundige Verletzung» von Resolutionen des Sicherheitsrats. Das Gremium müsse daher reagieren. Mit der im Jahr 2009 beschlossenen Resolution 1874 wurden Nordkorea Atomtests und Starts ballistischer Raketen untersagt. (sda)

Die Schweiz verurteilt den Raketenstart

Die Schweiz hat den Raketenstart Nordkoreas am Freitag scharf verurteilt. Der Start verstosse gegen zwei Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats. Zudem könne der Raketenstart die Spannungen in der Region verschärfen, schrieb das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Die Schweiz rufe alle Akteure dazu auf, von Aktionen abzusehen, die die Lage in der Region noch verschärfen könnten. Weiter ermunterte das EDA die Beteiligten zum Dialog und zum Masshalten und begrüsste den Beschluss des UNO-Sicherheitsrats, eine Sondersitzung einzuberufen. Nordkorea sei verpflichtet, sich an Sicherheitsratsresolutionen zu halten. Die Schweiz fordere deshalb das Land dazu auf, sofort alle «Aktivitäten im Zusammenhang mit ballistischen Raketen» einzustellen.

Weiter solle Nordkorea sein Atomprogramm umgehend einstellen, hiess es. Ein solcher Stopp müsse «unumkehrbar und überprüfbar» sein. Zudem solle Nordkorea die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA wieder aufnehmen. Das stalinistisch geführte Nordkorea war 1994 aus der IAEA ausgetreten; 2003 kündigte das Land zudem den Atomwaffensperrvertrag.

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