Aktualisiert 15.08.2013 08:48

«The Bling Ring»Sie beklauten die Stars, um Stars zu sein

Aus Langeweile brechen fünf Rich Kids in Promivillen in Hollywood ein – und klauen den Stars die schönsten Stücke. Die wahre Geschichte hinter «The Bling Ring».

von
M. Rufener
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Die Bling-Ring-Bande nach ihrer Festnahme im Frühling 2010. Obwohl sämtliche Mitglieder vor Gericht auf «nicht schuldig» plädierten, wurden sie allesamt verurteilt.

Die Bling-Ring-Bande nach ihrer Festnahme im Frühling 2010. Obwohl sämtliche Mitglieder vor Gericht auf «nicht schuldig» plädierten, wurden sie allesamt verurteilt.

Nick Prugo legte als erster ein vollumfängliches Geständnis ab. Der Schüler galt in der Gang als unsicher und leicht zu beeindrucken.

Nick Prugo legte als erster ein vollumfängliches Geständnis ab. Der Schüler galt in der Gang als unsicher und leicht zu beeindrucken.

Die Bande verübte die Einbrüche in verschiedenen Konstellationen. Courtney Ames scheint wenig Reue für ihre Taten übrig zu haben. Während der Gerichtsverhandlung trug die Stieftochter des Boxers Randy Shields eine gestohlene Halskette von Lindsay Lohan.

Die Bande verübte die Einbrüche in verschiedenen Konstellationen. Courtney Ames scheint wenig Reue für ihre Taten übrig zu haben. Während der Gerichtsverhandlung trug die Stieftochter des Boxers Randy Shields eine gestohlene Halskette von Lindsay Lohan.

Eine Gang reicher Jugendlicher bricht zwischen Oktober 2008 und August 2009 in die Villen von Paris Hilton, Lindsay Lohan, Lauren Conrad und Orlando Bloom ein und nimmt Sachen mit, die sie anziehen und auf Facebook posten oder verkaufen, um Partys zu feiern. Hört sich nach einem guten Drehbuch an? Ist es auch. Nebenher ist die Begebenheit wirklich geschehen. Nun bringt Sofia Coppola diese Story als «The Bling Ring» in die Kinos.

Das Standardmotiv «Sie waren jung und brauchten das Geld» greift bei der Bling-Ring-Gang, wie sie von den Medien genannt wird, nicht. Die sieben Jugendlichen kommen allesamt aus gut betuchtem Haus. Das Motiv war ein anderes. Sie wollten sich ein Stück vom Kuchen des Hollywood-Ruhms abschneiden, Geltung erlangen.

Villa gefunden dank Google Maps

Als «Shoppen gehen» bezeichneten Nick Prugo, seine Schulfreundin Lee und die anderen Gangmitglieder ihre Einbrüche. Nach einem zehnmonatigen Raubzug flog die Bande auf und Lee wurde zu vier, Prugo zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Gangmitglied Alexis Neiers kam mit sechs Monaten Haft, die anderen Komplizen mit einer Bewährungsstrafe davon. Trotzdem: Sie haben wohl erreicht, was sie erreichen wollten. Sie haben Wikipedia-Einträge, einen vielbeachteten «Vanity Fair»-Artikel und nun sogar ihren eigenen Film.

Die Gang brach in sechs Promi-Anwesen in Los Angeles ein. Paris Hilton ist mit mindestens fünf verübten Einbrüchen eines der am stärksten geschädigten Opfer. In Hiltons Villa wurden Kleider, Schmuck und Bargeld im Wert von rund zwei Millionen Dollar ergaunert. Das Haus fand die Gang dank Google Maps und der Internetseite celebrityaddressaerial.com.

Interview Emma Watson

Auch Twitter und Facebook waren willkommene Hilfsmittel

Da die Gangmitglieder Hilton besonders «dumm» fanden, wurde sie das erste Opfer. Die Einbrecher hatten auch leichtes Spiel. Obwohl sie den Hausschlüssel unter einer Fussmatte fanden, brauchten sie diesen nicht einmal zu benutzen. Die Tür zum Millionen-Anwesen war nicht abgeschlossen. Nach Angaben der «New York Post» fanden die Jugendlichen bei Paris Hilton auch Kokain, das sie gleich konsumierten.

Ex-Kinderstar auf Abwegen

Das zweite Opfer war Reality-Star Audrina Patridge. Neben Google Maps waren auch Twitter und Facebook willkommene Hilfsmittel bei den Einbrüchen. So wusste die Bande, ob sich die Zielperson an einer Premiere oder sonst irgendwo ausserhalb des Hauses befand. Die «The Hills»-Darstellerin weilte in der Tatnacht vom 22. Februar 2009 an der Oscar-Verleihung, als der Bling-Ring in ihr unabgeschlossenes Anwesen eindrang und unter anderem ihren Pass, einen Laptop und eine massgeschneiderte Jeans mitlaufen liess. Wert: rund 43 000 Dollar.

Obwohl Patridge die Bilder der Überwachungskamera für die Suche nach den Tätern auf ihre Website lud, machte die Gang mit ihren Einbrüchen weiter. «O.C California»-Star Rachel Bilson wurde zwischen April und Mai 2009 sechsmal zur Zielscheibe.

«Frauen stehen halt auf Frauenkram»

Prugo sagte aus, dass er während der Taten immer sehr nervös gewesen sei. Ganz im Gegensatz zu Lee, die sehr ruhig und fokussiert ihrer Sache nachging. Sie benutzte gar Bilsons Toilette. Die Diebe fanden bei der Schauspielerin sehr viel Schmuck, den sie an der Strandpromenade von Venice Beach zu verkaufen versuchten – sie machten einen Umsatz von mehreren Tausend Franken.

Opfer wurde, wer von der Gang als Fashion-Ikone angesehen wurde, oder wie es Prugo auf «ABC News» ausdrückte: «Hauptsächlich weil Frauen halt auf Frauenkram stehen.» So kam es auch, dass Orlando Bloom und Brian Austin Green Leidtragende wurden.

Lilo als «grösste Eroberung»

Die fünf Jugendlichen brachen bei den Herren ein, um an das persönliche Eigentum ihrer Lebenspartnerinnen Miranda Kerr beziehungsweise Megan Fox zu kommen. Im Hause Bloom/Kerr nahmen sie neben teurer Lingerie auch Blooms Rolex-Sammlung und mehrere Kunstwerke mit. Bei Green klauten sie neben Megans Kleidung auch Greens Pistole.

Last but not least wurde auch Lindsay Lohans Villa von der Bling-Ring-Gang aufgesucht. Sie galt bei den Jugendlichen als «ultimative Fashion-Ikone», ihre Habseligkeiten als «grösste Eroberung». Die Beute, welche die Gruppe am 23. August 2009 machte, hatte einen Wert von rund 130 000 Dollar. Gemäss Pruga flippten seine Mittäterinnen vor Freude über Lohans Sachen fast aus. Zu dieser Zeit wurden die Diebeszüge bereits in den Medien diskutiert.

Nach dem Haarausfall kam das Geständnis

Dank eines anonymen Hinweises kam das Los Angeles Police Departement Lee und Prugo auf die Spur. Prugo stritt zuerst jegliche Beteiligung an den Einbrüchen vehement ab, bis er vor Beklemmung weder schlafen noch essen konnte und unter Haarausfall litt.

In Folge dessen gestand Prugo und gab zu Protokoll, dass die Bande weitere Einbrüche in die Residenzen von Miley Cyrus, Zac Efron, Hilary Duff und Vanessa Hudgens plane. Zwei Wochen nach dem ersten Geständnis wurden auch Lee, Tamayo, Ames, Neiers und Lopez verhaftet. Sie wurden im Frühling 2010 von einem kalifornischen Gericht verurteilt.

«Ich möchte mal ein Land führen»

Nach dem Schuldspruch gab Alexis Neiers zu Protokoll: «Ich glaube ganz entschieden an Karma. Und ich denke, ich sollte aus dieser Geschichte etwas für mein Leben lernen. Damit ich wachsen kann als spirituelles Wesen. Ich möchte eine grosse Wohltätigkeitsorganisation leiten. Ich möchte irgendwann einmal ein Land führen.» Dieses Statement schaffte es in die Verfilmung von Sofia Coppola und hätte auch von gewieften Drehbuchautoren nicht besser geschrieben werden können. Neiers selbst wird in «The Bling Ring» von Emma Watson gespielt, Paris Hilton, Kirsten Dunst und Lindsay Lohan mimen sich selbst.

Der Film läuft ab dem 15. August in den Deutschschweizer Kinos an. Auch wenn einige Szenen ausgeschmückt wurden und wohl kaum alle Dialoge originalgetreu wiedergegeben werden, diese Story lehrt einmal mehr: Es ist das Leben selbst, welches die besten Geschichten schreibt.

Video: Der offizielle Trailer zu «The Bling Ring».

(Quelle: Youtube/KinoCheck)

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