Darts-Profi über Mitstreiterin: «Sie besiegte einen jungen Buben»
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Darts-Profi über Mitstreiterin«Sie besiegte einen jungen Buben»

Gerwyn Price versteht den Hype um den erstmaligen Sieg einer Frau im Hauptfeld der Darts-WM nicht. Trotzdem zollt er ihr Respekt.

von
hua

Fallon Sherrock ist die erste Frau, die an einer Männer-WM eine Runde übersteht. (Video: @OfficialPDC via Twitter)

Es war die Sensation: In der ersten Runde der Darts-WM in London gewann die einzig verbliebene Frau im Tableau ihre Partie – erstmals an einer WM kam eine Frau eine Runde weiter, das Londoner Ally Pally kochte. Fallon Sherrock wurde überhäuft mit Glückwünschen.

Doch nun steht einer hin, einer der auffälligsten Mitstreiter an der WM, der den ganzen Hype um die 25-jährige gelernte Coiffeuse relativiert. Gerwyn Price, früher Rugby-Spieler, nun Darts-Profi, aber immer noch äusserst kräftig gebaut und eben darum auffällig, sagt: «Sie hat keinen Mann besiegt, sie hat einen jungen Buben besiegt, der das Publikum gegen sich hatte.»

Der Druck wird noch grösser

Sherrocks Gegner, Ted Evetts, hatte fürwahr keinen einfachen Stand: Der 22-Jährige wurde während der ganzen Partie ausgebuht, die 3000 Fans im Ally Pally wollten unbedingt den ersten Sieg einer Frau an einer männerdominierten WM sehen, Sherrock wurde stets bejubelt. «Es ist schwierig, gegen ein Publikum zu spielen, das gegen dich ist. Fallon hat das Spiel gewonnen und fantastisch gespielt während zwei Sätzen, aber Ted hatte nicht die besten Fans», sagt der Waliser Price, der bisher an einer WM den Achtelfinal 2018 als bestes Resultat stehen hat.

Price, der in der zweiten Runde kurz vor dem Aus stand, in die Verlängerung musste und dort erst gewann, weil sein Gegner William O'Connor mit dem letzten Dart auf das falsche Feld gezielt hatte, gab weiter zu Protokoll: «Man steht definitiv unter mehr Druck, wenn man gegen eine Frau spielt: Man will keinesfalls verlieren.» Für ihn ist klar, dass Frauen auch Darts spielen können, Sherrock sei eine gute Spielerin, so der 34-Jährige.

Am Samstagabend (22 Uhr) ist sie erneut gefordert, diesmal gegen einen Weltklassespieler: Der Österreicher Mensur Suljovic ist Weltranglistenelfter und zählt zum erweiterten Favoritenkreis. «The Gentle», wie Suljovic genannt wird, weiss, was ihn erwartet. «Das Publikum steht 100 Prozent auf ihrer Seite. Und bei der WM spielt das Publikum eine grosse Rolle», sagte er bei DAZN.

«The Iceman» ist die aktuelle Weltnummer 3 und zählt heuer zu den Mitfavoriten für den WM-Titel. Der Waliser ist sich bewusst, dass er in der zweiten Runde viel Glück gehabt hat. «Der Druck war noch nie so gross. Es gab kein Turnier, vor dem ich mich mehr selbst gestresst habe als bei dieser WM.»

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