Aktualisiert 30.06.2016 14:02

Mobility Pricing

«Sie bestrafen damit den kleinen Angestellten»

Wer zu Stosszeiten auf Strasse oder Schiene unterwegs ist, muss künftig mehr bezahlen. Dieser Vorschlag löst heftige Reaktionen aus.

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«Dieses Mobility Pricing ist einfach nur unverschämt!», findet Joshua Ruchti (22) aus Oberwil. «Ich selber bin während den Stosszeiten unterwegs und nicht bereit mehr zu zahlen.»

«Dieses Mobility Pricing ist einfach nur unverschämt!», findet Joshua Ruchti (22) aus Oberwil. «Ich selber bin während den Stosszeiten unterwegs und nicht bereit mehr zu zahlen.»

20 Minuten
Anina Striebel (23) aus Basel: «Ich finde es eine absolute Frechheit, dass die Preise zu Stosszeiten erhöht werden sollen. Viele Leute arbeiten in anderen Städten und sind gezwungen zu dieser Zeit mit dem Zug zu fahren.»

Anina Striebel (23) aus Basel: «Ich finde es eine absolute Frechheit, dass die Preise zu Stosszeiten erhöht werden sollen. Viele Leute arbeiten in anderen Städten und sind gezwungen zu dieser Zeit mit dem Zug zu fahren.»

20 Minuten
Der Bundesrat hat den Konzeptbericht zum Mobility Pricing verabschiedet: UVEK-Vorsteherin Doris Leuthard (vorne) erscheint mit Bundesratssprecher André Simonazzi für die Präsentation in Bern. (30. Juni 2016)

Der Bundesrat hat den Konzeptbericht zum Mobility Pricing verabschiedet: UVEK-Vorsteherin Doris Leuthard (vorne) erscheint mit Bundesratssprecher André Simonazzi für die Präsentation in Bern. (30. Juni 2016)

Keystone/Peter Schneider

Die Ankündigung von Verkehrsministerin Doris Leuthard, mit interessierten Kantonen und Gemeinden Mobility Pricing zu testen, löste bei den 20-Minuten-Lesern heftige Reaktionen aus: Innert kürzester Zeit schrieben diese mehr als 1000 Kommentare.

Bei den meisten Lesern löste die Ankündigung der Bundesrätin vor allem eine Reaktion aus: Dass man nicht zum Vergnügen pendle und gar keine andere Wahl habe, wie Leserin Martina schreibt. «Liebe Frau Leuthard, mit diesen Massnahmen bestrafen Sie den ‹kleinen Angestellten›, der nicht frei wählen kann, wann er den ÖV nutzt.»

Zweiklassengesellschaft?

Leuthard hatte heute vor den Medien in Bern betont, dass es nicht um eine Bestrafung von Pendlerinnen und Pendlern gehe. Mobilität solle erschwinglich bleiben. Der Bundesrat sei sich bewusst, dass nicht alle freiwillig zu Spitzenzeiten unterwegs seien.

Leser Marc Meier befürchtet dennoch das Entstehen einer Zweiklassengesellschaft: «Wer es sich leisten kann, startet früh und hat schön Zeit am Abend (zum Beispiel für Familie oder Freunde), die anderen müssen später mit der Arbeit beginnen und am Abend länger arbeiten.»

Home-Office soll gefördert werden

Die Wurzel des Problems liegt für Leser Kurtis woanders. «Die Wirtschaft soll zur Verantwortung gezogen werden, dass genügend dezentrale Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Die halbe Deutschschweiz arbeitet inzwischen in Zürich.»

Ein Grossteil der Kommentarschreiber lehnt Mobility Pricing ab und fordert stattdessen den Ausbau der Strassen. Leser Mr. White entgegnet: «Solange Herr und Frau Schweizer alle zur selben Zeit aufgeboten werden, können wir noch 10 Spuren bauen, das Problem löst sich nicht.» Das Problem liege beim Arbeitgeber, der flexiblere Arbeitsmodelle und Home-Office möglich machen solle. Um dies zu fördern, brauche es für die Arbeitgeber entsprechende Anreize, schreibt Leser M.K. Home-Office werde noch immer stiefmütterlich behandelt.

Arbeitgeber sollen Aufpreis zahlen

Leser Peter nervt sich: «Euer Gejammer ist unglaublich! Jeder visionäre Gedanke wird niedergeschrien.» Und Peter Bächtold meint: «Frage an all jene, die jetzt hier auf die Barrikaden steigen: Sollen wir Strassen und Parkplätze bauen, bis kein Grün mehr übrig ist in unserem Land?»

Einige Leser fordern, dass die künftigen Mehrkosten auf den Arbeitgeber abgewälzt werden. «Tatsache ist, dass die täglichen Staus mein Unternehmen viel mehr kosten, als wenn ich den Pendleraufpreis zu Stosszeiten für meine Mitarbeiter übernehmen würde», sagt Leser Arbeitgeber.

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