Zürich: Restaurant lässt Paar nicht zahlen – Busse

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Zechprellerei«Sie brauchten unser Geld offenbar nicht – also sind wir gegangen»

Ein Paar verlässt ein Restaurant, ohne zu zahlen. Mehr als ein halbes Jahr später kommt ein Anruf von der Polizei.

von
Claudia Blumer
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«Ich dachte, sie brauchen das Geld offenbar nicht», sagt Silvano Müller. Nach dem Essen wollten er und seine Partnerin zahlen und verlangten mehrmals die Rechnung. Jedes Mal sei ihnen bestätigt worden, die Rechnung komme gleich. Doch sie kam nicht. Als die Mitarbeitenden anfingen, die Tische neben ihnen neu aufzudecken, hätten sie sich provoziert gefühlt.

«Ich dachte, sie brauchen das Geld offenbar nicht», sagt Silvano Müller. Nach dem Essen wollten er und seine Partnerin zahlen und verlangten mehrmals die Rechnung. Jedes Mal sei ihnen bestätigt worden, die Rechnung komme gleich. Doch sie kam nicht. Als die Mitarbeitenden anfingen, die Tische neben ihnen neu aufzudecken, hätten sie sich provoziert gefühlt.

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Sie hätten das Restaurant langsam verlassen und zurückgeschaut, in der Erwartung, dass jemand ihnen nachläuft. Doch das war nicht der Fall.

Sie hätten das Restaurant langsam verlassen und zurückgeschaut, in der Erwartung, dass jemand ihnen nachläuft. Doch das war nicht der Fall.

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Rund acht Monate später bekommt Silvano Müller einen Anruf von der Polizei. Es dauert eine Weile, bis er begreift, worum es geht. Mittels Video-Überwachungskamera wurde er ermittelt. Seine Partnerin hat sich daraufhin freiwillig bei der Polizei gemeldet.

Rund acht Monate später bekommt Silvano Müller einen Anruf von der Polizei. Es dauert eine Weile, bis er begreift, worum es geht. Mittels Video-Überwachungskamera wurde er ermittelt. Seine Partnerin hat sich daraufhin freiwillig bei der Polizei gemeldet.

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Darum gehts

  • Ein Paar will im Restaurant zahlen und wartet über eine halbe Stunde. Dann verlassen sie das Restaurant.

  • Ein halbes Jahr lang passiert nichts, dann kommt ein Anruf von der Polizei. Nun droht ihnen ein Verfahren.

  • Was tun, wenn man gehen will und nicht zahlen kann? Knigge-Expertin erklärt.

Silvano Müller brauchte einen Moment, bis er begriff, worum es geht. Kurz nach Weihnachten rief die Polizei ihn an und sagte, es gehe um einen Fall von Zechprellerei. Silvano arbeitet selber in der Gastronomie und glaubte, einer seiner Gäste habe nicht bezahlt. Doch dann dämmerte ihm, dass er in diesem Fall Beschuldigter ist.

Es ist mehr als ein halbes Jahr her, im Frühling 2022, da war Silvano mit seiner Partnerin in einer kleinen Pizzeria in der Nähe von Zürich. Dort haben sie konsumiert: zwei Mal Apéro, zwei Mal Salat, zwei Mal Pizza und eine Flasche Prosecco. Danach wollten sie zahlen und riefen einmal, zweimal, dreimal, viermal. «Irgendwann hatte ich das Gefühl, sie ignorieren uns extra», sagt Silvano. Als die Mitarbeitenden anfingen, die Tische neben Silvano und seiner Partnerin abzuräumen und neu aufzudecken, hätten sie die Geduld verloren, sagt er. «Wir fühlten uns fast schon provoziert. Sie haben uns über eine halbe Stunde lang warten lassen.» Dabei habe er bei mehreren Mitarbeitenden die Rechnung verlangt und jedes Mal die Bestätigung bekommen, die Rechnung komme gleich. Zudem habe er sein Portemonnaie gut sichtbar auf dem Tisch liegen gehabt.

Das Paar stand auf und verliess das Lokal – langsam, wie Silvano erzählt. Als sie die Strasse überquerten und zum Velo gingen, hätten sie beide zurückgeschaut, in der Erwartung, dass jemand ihnen nachläuft oder sie zurückwinkt. «Das war nicht der Fall. Ich dachte: Sie brauchen das Geld offenbar nicht.»

Busse von bis zu 500 Franken

Über ein halbes Jahr passierte nichts – bis die Polizei ihn vor wenigen Wochen anrief. Er wurde vorgeladen und einvernommen. Die Pizzeria hatte Anzeige gegen Unbekannt gemacht wegen Zechprellerei (siehe Box). Mittels Video-Überwachungskamera im Restaurant hatten sie Silvano ermittelt. Seine Partnerin war von der Kamera nicht frontal erfasst worden, sie meldete sich dann aber freiwillig bei der Polizei.

Nun droht ihnen eine Busse. Ob es so weit kommt, hängt vom Restaurant ab. Dieses entscheidet, ob es Anzeige gegen Silvano und seine Partnerin erstattet – jetzt nicht mehr gegen unbekannt, sondern gegen beide persönlich – oder ob die Angelegenheit einvernehmlich geregelt wird. Wenn das Restaurant das Paar anzeigt, gibt es ein Verfahren, das aller Voraussicht nach vor dem Stadtrichter und mit einer Geldstrafe endet. Strafmildernd ist, dass beide geständig und dass sie bereit sind, den ausstehenden Betrag – rund 130 Franken – nachzuzahlen. Auch die Schilderung der damaligen Umstände, wenn sie glaubhaft sind, entlasten das Paar.

Dennoch habe der Polizist ihm bei der Einvernahme klargemacht, dass Zechprellerei strafbar ist und dass er bösgläubig gehandelt habe, sagt Silvano. Wenn jemand tatsächlich das Restaurant ohne Zahlen verlässt, muss er einen Zettel auf dem Tisch hinterlassen oder sich später beim Restaurant melden (siehe Box). Er habe in dieser Geschichte selber sehr viel über die Gesetzeslage erfahren, das ihm nicht bekannt gewesen sei, sagt Silvano.

Rechtslage

Was tun, wenn die Rechnung nicht kommt?

Wer sich bewirten lässt und den Betriebsinhaber um die Zahlung prellt, wird auf Antrag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. So steht es im Gesetz. Dennoch werden Silvano und seine Freundin nicht ins Gefängnis müssen. Der Unterschied liegt in der betrügerischen Absicht. Wenn beispielsweise jemand monatelang in einem teuren Hotel logiert, obwohl er weiss, dass er die Rechnung nicht wird bezahlen können, riskiert er eine Gefängnisstrafe.

Wer mehrfach die Rechnung verlangt und nicht länger warten will, kann dem Wirt seine Adresse angeben und den Betrag später überweisen. Der Wirt darf dem Gast in diesem Fall keine Zusatzkosten für die Umtriebe auferlegen. Die Adresse oder das abgezählte Geld auf den Tisch legen ist ebenfalls möglich. Allerdings könnte das Geld von jemandem entwendet werden – dieses Risiko trägt der Gast, der das Restaurant verlässt.

Knigge-Expertin Barbara Suter sagt: «Wenn man zahlen will und zwei oder drei Mal auf sich aufmerksam gemacht hat, kann man versuchen, am Empfang zu bezahlen. Im Notfall kann man seine Visitenkarte hinterlassen und darum bitten, die Rechnung zugeschickt zu bekommen.» Wisse man zudem im Voraus, dass man das Restaurant zu einer bestimmten Zeit verlassen muss, könne man das Servicepersonal bereits bei der Ankunft darüber informieren. (blu) 

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