Inferno in Prato: «Sie brüllten, Flammen schlugen aus dem Lager»
Aktualisiert

Inferno in Prato«Sie brüllten, Flammen schlugen aus dem Lager»

Ein Feuer in einer chinesisch geführten Textilfabrik in Italien hat mindestens sieben Menschen das Leben gekostet. Die Umstände sind unklar.

Prato hat sich zu einem Zentrum für chinesische Fabriken entwickelt, die Textilien für internationale Marken herstellen.

Prato hat sich zu einem Zentrum für chinesische Fabriken entwickelt, die Textilien für internationale Marken herstellen.

Durch ein Feuer in einer chinesischen Textilfabrik in Norditalien sind am Sonntag sieben Menschen ums Leben gekommen. Vier weitere wurden schwer verletzt, wie die Behörden mitteilten.

Die Behörden gingen insgesamt sogar von mindestens sieben Toten aus, wie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Feuerwehr berichtete.

Der Zustand der vier schwer Verletzten war den Angaben zufolge sehr ernst. Sie hätten schwerste Verbrennungen am ganzen Körper erlitten. Zudem wurde eine Frau wegen einer Rauchvergiftung behandelt.

Im Schlaf überrascht

Die meisten Opfer wurden im Schlafsaal gefunden, weshalb die Feuerwehr davon ausgeht, dass die Flammen sie im Schlaf überrascht haben. Die Arbeiter wohnten laut Medienberichten vermutlich illegal in der Fabrik.

Der Polizist Leonardo Tucia sagte der Zeitung «Corriere Fiorentino», am Unglücksort hätten er und seine Kollegen «zwei vollständig mit Russ bedeckte Chinesen, einen Mann und eine Frau» entdeckt. «Sie brüllten, Flammen schlugen aus dem Lager», fügte der Beamte hinzu.

Illegale Installationen

Die Ursache für das Feuer war zunächst unklar. Durch die vielen leicht entflammbaren Materialien wie Stoffe und Plastik breitete es sich schnell aus. «Diese Tragödie, das mag jetzt zynisch klingen, überrascht mich nicht», sagte der Sicherheitsbeauftragte der Stadt, Aldo Milone. «Wir haben mehrfach gesagt, dass etwas in diesen Schuppen passieren kann, mit den minderwertigen elektrischen Installationen, die nicht dem Gesetz entsprechen.»

Die Flammen verursachten den Einsturz eines Teils der Fabrik. In dem Gebäudeabschnitt sei ein Schlaftrakt für die chinesischen Arbeiter mit winzigen Räumen untergebracht gewesen, berichteten örtliche Medien.

Prato als Zentrum für chinesische Fabriken

Ein Autofahrer hatte am Morgen die Rettungskräfte alarmiert. «Ich habe den Rauch gesehen und dann kamen mir einige Chinesen entgegen, die weinten und schrien», berichtete er laut Ansa. Insgesamt sollen zum Zeitpunkt des Unglücks einige Dutzend Menschen in der Fabrik gewesen sein. Wie viele sich retten konnten, war zunächst noch unklar, die Feuerwehr setzte ihre Sucharbeiten in den Trümmern fort.

In den vergangenen 20 Jahren haben chinesische Unternehmer die Kontrolle über die Bekleidungsindustrie in Italiens Textilhochburg Prato übernommen. Immer wieder gibt es Kritik an den Arbeitsbedingungen dort. Örtlichen Angaben zufolge arbeiten in den Fabriken zahlreiche Chinesen ohne Aufenthaltsgenehmigung zu sehr niedrigen Löhnen. Wegen des Konkurrenzdrucks mussten viele italienische Textilhersteller schliessen.

Der Gouverneur der Toskana, Enrico Rossi, forderte eine engere Kooperation zwischen Italien und China, da sich eine Vielzahl chinesischer Unternehmen in der Gegend um Prato angesiedelt hätten und oftmals illegal operierten. «Die ist der grösste Schwarzmarkt im nördlichen Italien, wahrscheinlich sogar in ganz Europa», sagte Rossi dem Sender Sky TG 24. (sda)

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