Aktualisiert 21.10.2016 19:35

Horror-Clowns im Kanton Zürich«Sie erschrecken Leute wegen des Kicks»

Horror-Clowns streifen im Kanton Zürich umher. Sie erschrecken und prügeln Personen. Experten erklären, warum die Schreckfiguren das tun.

von
qll
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Fabian H. erschreckte am Samstagabend mit einer Clownmaske eine Frau und deren Tochter (12). Jetzt entschuldigt er sich dafür, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass jemand Angst vor ihm haben könnte.

Fabian H. erschreckte am Samstagabend mit einer Clownmaske eine Frau und deren Tochter (12). Jetzt entschuldigt er sich dafür, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass jemand Angst vor ihm haben könnte.

Bz/jšrg Bergmann
Fabian H. erschreckte am Samstagabend mit einer Clownmaske eine Frau und deren Tochter (12). Jetzt entschuldigt er sich dafür, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass jemand Angst vor ihm haben könnte.

Fabian H. erschreckte am Samstagabend mit einer Clownmaske eine Frau und deren Tochter (12). Jetzt entschuldigt er sich dafür, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass jemand Angst vor ihm haben könnte.

Screenshot Twitter/BZ
Ein Grusel-Clown im US-Bundesstaat Georgia bereitet sich auf Halloween vor. Der Trend ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen.

Ein Grusel-Clown im US-Bundesstaat Georgia bereitet sich auf Halloween vor. Der Trend ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen.

Keystone/Erik S. Lesser/EPA

Die Horror-Clowns haben die Schweiz erreicht. Die Kantonspolizei Zürich hat in den letzten Tagen im Norden des Kantons drei Fälle registriert, sagt Mediensprecher Stefan Oberlin. Die Clowns erschreckten oder verprügelten Personen.

Dass der Trend aus den USA nun auch die Schweiz erreicht hat, ist laut dem Konsumpsychologen Christian Fichter zu erwarten gewesen: «Die amerikanische Kultur ist seit Jahren eine Leitkultur für die ganze Welt», erklärt er. Und: «Der Mensch übernimmt seit eh und je Verhaltensweisen, die ihm attraktiv erscheinen und einen tiefen Wunsch oder ein Bedürfnis ansprechen.»

«Latenzzeit wurde stark verkürzt»

Den Trend zur Ausbreitung beschleunigt hätten die amerikanischen Medien, die eine Vorreiter-Rolle und intensiv über das Thema berichtet hätten, Hand in Hand mit sozialen Medien: «Die Latenzzeit, also die Zeit, bis ein Trend einen anderen Ort erreicht, ist vor allem durch die sozialen Medien stark verkürzt worden», sagt Fichter. «Galt früher eine Dauer von mehreren Jahren, bis ein amerikanischer Trend in der Schweiz übernommen wurde, sind es heute wenige Tage oder Wochen.»

Der Horrorclown-Trend hat laut Fichter eine kurze Lebensdauer: «Ich kann mir vorstellen, dass er jetzt einige Wochen anhält und dann wieder verschwindet. Ob er das nächste Jahr wieder kurz vor Halloween auftaucht, ist fraglich.»

Männer unter 30 Jahren

Auf die Frage, warum sich Menschen ausgerechnet als Horror-Clowns verkleiden und anderen Menschen auflauern, sagt Fichter: «Wegen des Kicks und des Nervenkitzels. Das Opfer erschrickt zwar, aber schon das Anpirschen setzt Adrenalin frei.» Hinzu komme die Befriedigung, wenn man es geschafft habe, jemandem den Schrecken ins Gesicht zu schreiben. Und: «Mit der Maske gibt man seine Identität ab. Dadurch wird man mutiger und wagt mehr.»

Michael Rufer, stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsspital Zürich, vermutet ebenfalls unterschiedliche Motive hinter solchen Angriffen: «Für manche ist es einfach nur Spass. Andere suchen tatsächlich den ‹Kick›, für sie ist es wie eine Mutprobe.» Einige wenige würden auch die Maske nutzen, um unerkannt Gewalt auszuüben, was wiederum ganz unterschiedliche Gründe haben könne.

Den typischen Horror-Clown-Imitator beschreibt Konsumpsychologe Fichter als männliche Person unter 30: «Männer testen eher ihre Grenzen aus und riskieren etwas. Dadurch lässt sich auch erklären, warum Männer eher Unfälle bauen.»

«Clowns verkörpern etwas Abnormales»

Gemäss dem Konsumpsychologen steht bei diesem Angriff die Gewalt meistens nicht im Vordergrund. «Das Ganze soll eher der Unterhaltung dienen», sagt Fichter. «Darum gebe es auch Clowns, die einen solchen Überfall aufnehmen und auf sozialen Medien verbreiten.» Der Grund: «Jemanden zu erschrecken hat eine lustige Komponente. Manche sind so stolz darauf, dass sie dieses Erlebnis mit anderen teilen und damit angeben wollen.»

Warum Clowns uns überhaupt Angst machen, erklärt Fichter so: «Clowns verkörpern mit ihrer Mimik und Gestik etwas Abnormales . Zwar kann abnormal lustig sein, aber bis wir das realisieren, dauert es einen Moment. Bis dahin schweben wir in einer Unsicherheit. Diese lässt Angst aufkommen.»

Dieser Ansicht ist auch Rufer: «Starre, verzerrte, maskenartige Gesichter lösen Angst aus, denn die Maskerade verhindert, dass wir unser Gegenüber einschätzen können.» Das mache die Person unberechenbar und ihre Handlungen unvorhersehbar. «Man kann nicht erkennen, was die Person hinter der Maske fühlt – also auch nicht, ob sie etwas Böses im Sinn hat.» Gemäss Rufer zeigt sich die Angst vor Clowns durch Herzklopfen, Schwitzen und Zittern.

«Sie machen uns das Leben schwer»

Der Berufsclown Mugg aus Glarus ist über das erneute Auftauchen der Horror-Clowns nicht erfreut: «Ich glaube, sie sind sich nicht bewusst, dass sie uns das Leben schwermachen. Durch ihre Aktionen haben die Menschen ein ganz anderes Bild von Clowns. Dies ist vor allem bei Kindern schade, weil sich das falsche Bild festsetzen kann und sie so ein Leben lang Angst vor Clowns haben.»

Warum die Horror-Clowns andere erschrecken oder gar verprügeln, kann Mugg nicht nachvollziehen: «Ich bin erstaunt, dass es jemanden glücklich macht, wenn jemand vor ihm erschrickt oder gar körperlich leidet.»

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