Raserprozess: «Sie flogen vorbei mit hoher Geschwindigkeit»

Aktualisiert

Raserprozess«Sie flogen vorbei mit hoher Geschwindigkeit»

Die Raser von Schönenwerd stehen ab heute vor Gericht. Zwei Aarauer Stadtpolizisten sahen sie mit etwa 120 Stundenkilometern innerorts in jener Nacht vorbeirasen.

von
Annette Hirschberg
Olten

Jetzt sitzen sie auf der Anklagebank: die drei Raser von Schönenwerd. Ihre rücksichtslose und riskante Heimfahrt mit massiv übersetzter Geschwindigkeit hat am 8. November 2008 der 21-jährigen Lorena W. das Leben gekostet.

Am Nachmittag sagten zwei Polizisten aus, die in jener Nacht beim Allmendweg eine Kontrolle gemacht haben. «Die drei sind mit ihren Fahrzeugen vorbeigeflogen mit weit übersetzter Geschwindigkeit», sagte Stadtpolizist Markus W. dem Gericht. Es habe nur «Wum, Wum, Wum» gemacht. So schnell seien die drei gewesen. Sein Kollege Matthias W. hat die Geschwindigkeit auf 100 bis 120 Stundenkilometer geschätzt. «Sie fuhren dicht hintereinander mit lautem Motorenlärm», so Matthias W.

Zuvor hatten zwei Zeugen ausgesagt, die einem der Angeklagten offenbar auf der Autobahn begegnet sind. So sagt Zeugin M.K. aus, sie sei von einem gelben Fiat, vermutlich von jenem von Vedran B., auf der Autobahn überholt worden. «Ein Aargauer Audi und ein gelber Fiat Punto fuhren Slalom auf der doppelspurigen Strecke und überholten sich und andere Autos links und rechts. Ich musste scharf bremsen wegen dem Fiat», erzählte die Frau.

«Mein Gott, spinnen denn die»

Die Sicht sei zu jenem Zeitpunkt wegen dem Nebel schlecht gewesen. Darum fuhr M.K. gemäss eigenen Angaben nur etwa 80 Stundenkilometer. «Doch die überholten mich mit mindestens 140, wenn nicht 160. Ich kam mir vor wie auf einer Formel-1-Strecke, so laut waren ihre Motoren», sagt M.K. gegenüber 20 Minuten Online kurz vor der Verhandlung. Bei der Befragung am Nachmittag erzählt M.K. dem Gericht, wie der gelbe Fiat sich mit einem Audi ein Rennen geliefert habe. «Ich dachte, mein Gott spinnen denn die», sagte M.K. am Nachmittag zum Gericht.

Auch dem jungen L. sind ein gelbes Auto und ein schwarzer Audi auf der Autobahn begegnet. Der Audi sei ihm viel zu nahe aufgefahren. Als er die beiden vorbeiliess, hätten sie ihn danach mehrmals ausgebremst.

Das Gericht befragt darauf die Angeklagten, wie sie nach Aarau gefahren seien. Offenbar waren alle drei in jener Nacht in der Disco Atlantis in Egerkingen. Gegen ein Uhr nachts sind sie auf verschiedenen Wegen nach Aarau gefahren. Dort trafen sie sich offenbar beim Bahnhof.

«Plötzlich hörte ich einen ohrenbetäubenden Krach»

Am Morgen waren bereits Zeugen befragt worden. Zuerst sagte das Ehepaar S. aus. Rainer S. (61) hatte zusammen mit seiner Frau Bernadette S. (63) an jenem Abend Lorena zum Nachtessen bei sich zu Besuch. Gegen 1.20 Uhr fuhren sie die 21-Jährige in ihrem roten Golf nach Hause. Die Sichtverhältnisse waren zum Teil sehr schlecht. Im Bereich der Kreuzung herrschte laut Rainer und Bernadette S. dicker Nebel.

Beide haben die Gegenfahrbahn überprüft, aber nichts kommen sehen. «Die Sicht war schlecht, der Nebel dick», sagt Bernadette S. Sie seien dann abgebogen und Bernadette gab ihrem Mann die Anweisungen, gleich wieder links zu fahren. «Plötzlich hörte ich einen ohrenbetäubenden Krach, dann wurde mir schwarz vor den Augen», erzählt Bernadette S.

Allen drei wurde fristlos gekündigt

Rainer S. kann sich an gar nichts mehr vom Unfall selbst erinnern. Die letzte Erinnerung ist das Abbiegen. «Dann wachte ich wieder im Spital auf.» Dort habe ihm dann seine Frau gesagt, was passiert sei. Beide haben heute noch Schmerzen und Gebrechen, die vom Unfall herrühren. Gegenüber dem Gericht sagte Rainer S.: «Wir sind dankbar, sind wir am Leben.»

Nach einer kurzen Pause wurden die drei Angeklagten zu ihrer persönlichen Situation befragt. Alle drei verloren nach dem Unfall ihre Stelle. Nekti T. konnte seine Lehrstelle bei einer anderen Firma beenden. Die anderen zwei arbeiten als Hilfsarbeiter.

Die Tat geht ihnen auch heute noch nahe. «Ich bin seither in psychologischer Betreuung, es geht mir schlecht», sagte Nekti T. dem Richter. Alle drei geben an, seit jener verhängnisvollen Nacht weniger in den Ausgang zu gehen und ein zurückgezogeneres Leben zu führen. Auto fahren dürfen sie nicht mehr: Der Führerausweis wurde ihnen auf unbestimmte Zeit entzogen.

Die Verhandlung wurde um 14 Uhr wieder aufgenommen. Drei Zeugen wurden verhört. Jetzt ist sie bereits wieder unterbrochen bis 16 Uhr.

20 Minuten Online berichtet heute Montag fortlaufend vom Amtsgericht Olten.

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