Nach tödlichem Unglück: Tigerin Irina darf weiterleben
Aktualisiert

Nach tödlichem UnglückTigerin Irina darf weiterleben

Der tragische Vorfall, bei der eine Pflegerin von einer Tigerin getötet wurde, hat keine Konsequenzen für das Tier. Dies hat der Zoo Zürich am Sonntag entschieden.

von
Reto Heimann
Qendresa Llugiqi
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Tigerweibchen Irina griff die Pflegerin in ihrem Gehege an.

Tigerweibchen Irina griff die Pflegerin in ihrem Gehege an.

Zoo Zürich
Trotz sofortiger Reanimationsmassnahmen kam für die 55-jährige Pflegerin jede Hilfe zu spät.

Trotz sofortiger Reanimationsmassnahmen kam für die 55-jährige Pflegerin jede Hilfe zu spät.

BRK News
Vor dem Zoo waren zeitweise mehrere Polizeiautos parkiert.

Vor dem Zoo waren zeitweise mehrere Polizeiautos parkiert.

Webcam Zoo Zürich

Darum gehts

  • Die Tigerin, die gestern eine Pflegerin tödlich verletzt hat, darf am Leben bleiben.
  • Der Zoo Zürich ordnet das Verhalten der Tigerin als natürlich ein. Die Tigerin sei nur ihren Instinkten gefolgt.
  • Die Polizei Zürich sucht derweil Zeugen.

Das Verhalten der Tigerin Irina sei natürlich gewesen, hält der Zoo Zürich in einer Medienmitteilung fest. Der Vorfall sei tragisch und der Zoo Zürich sei zutiefst betroffen. «Trotzdem hält der Zoo Zürich fest, dass die Amurtigerin ein Wildtier ist. Eine Person in ihrer Anlage ist für sie ein Eindringling in ihr Territorium. Sie folgte in ihrer Reaktion ausschliesslich ihren natürlichen Instinkten», schreibt der Zoo in einer Medienmitteilung.

«Bitte schläfert den Tiger nicht ein»

Der Vorfall hat für Irina also keine Konsequenzen. Zuvor bangten Besucher und Tierschützer in den sozialen Medien um das Leben der Tigerin. So hiess es etwa auf Twitter:

Auch Tierschützer Samuel Furrer, Leiter der Fachstelle Wildtiere beim Schweizer Tierschutz, nahm das Tier gegenüber der «NZZ am Sonntag» in Schutz. «Der Angriff hat nichts mit einer falschen Haltung zu tun. Der Tiger folgte seinem Instinkt.»

«Der Tiger geniesst einen besonderen Status»

Doch wie kommt es, dass ein Tiger auch nach so einem Vorfall in Schutz genommen wird? «Die meisten Leute mögen Tiere und wehren sich gegen ihren Tod. Der Tiger geniesst – stilisiert etwa durch Filme – einen besonderen Status», sagt Tobias Sennhauser, Präsident der Tierrechtsorganisation Tier im Fokus. Damit offenbare sich eine Doppelmoral: «Der Tiger soll leben, doch beispielsweise die Schweine in der Massentierhaltung sind vielen egal. »

Auch für Sennhauser wäre die Tötung des Tigers – trotz des tragischen Vorfalls – die falsche Reaktion. «Vielmehr muss man sich fragen, ob Tiger überhaupt zur Gefangenschaftszucht in Zoos geeignet sind. Zoos können Tigern und vielen anderen Tieren kein artgerechtes Leben bieten. Sie sollten sich neu erfinden und etwa verletzte Wildtiere aufnehmen. »

Auch die Tierrechtsorganisation Peta forderte am Sonntag ein Ende der Haltung von Grosskatzen in Zoos. In den vergangenen Jahren habe es allein im deutschsprachigen Raum rund ein Dutzend Fälle gegeben, bei denen Grosskatzen Zoopersonal tödlich verletzten oder aus ihrem Gehege ausbrachen. Durch die artwidrige Haltung auf viel zu kleinen Flächen litten Tiger und Löwen zudem unter Verhaltensstörungen.

Polizei sucht Zeugen

Der Tod der Pflegerin ist Gegenstand von Ermittlungen. Die Stadtpolizei Zürich hat einen Zeugenaufruf geschaltet. Denn nach wie vor ist unklar, wie es so weit kommen konnte, dass Tigerin und Tierpflegerin sich gemeinsam im Aussenbereich aufhielten.

Personen, die sich am 4. Juli zwischen 13 Uhr und 13:30 beim Tigergehege befanden, sind angehalten, sich bei der Stadtpolizei Zürich zu melden. Die polizeilichen Befragungen dauern in der Zwischenzeit an, schreibt die Polizei in einer Medienmitteilung. Der Zoo Zürich öffnet am Montag seine Tore wieder für Besucher.

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