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«Swiss Media Too»Insta-Kanal sammelt Sexismus-Fälle bei RTS

Die Sexismus-Enthüllungen beim Westschweizer Fernsehen RTS sorgen für Furore. Der damalige Generaldirektor Gilles Marchand wusste von den Vorwürfen, ging ihnen aber nicht nach. Ein Instagram-Account sammelt nun Aussagen.

von
Bianca Lüthy
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Gilles Marchand, Generaldirektor von RTS, wusste von den Sexismus-Vorwürfen, stritt dies jedoch ab. 

Gilles Marchand, Generaldirektor von RTS, wusste von den Sexismus-Vorwürfen, stritt dies jedoch ab.

Screenshot SRF
Bereits wurden Vorwürfe gegen Darius Rochebin bekannt. 

Bereits wurden Vorwürfe gegen Darius Rochebin bekannt.

Screenshot SRF
«Man kann sich nicht konzentrieren – Hast du nicht gesehen, wie du angezogen bist?», ein Produzent zu einer Journalistin, die einen Rock anhatte. Sie trug danach keine Röcke mehr zur Arbeit. 

«Man kann sich nicht konzentrieren – Hast du nicht gesehen, wie du angezogen bist?», ein Produzent zu einer Journalistin, die einen Rock anhatte. Sie trug danach keine Röcke mehr zur Arbeit.

Instagram

Darum gehts

  • Die Sexismus-Vorwürfe gegen RTS häufen sich.

  • Obwohl der Generaldirektor sagte, er habe keine Kenntnis davon, gingen mehrere Briefe von Angestellten an ihn.

  • Auf einem Instagram-Account wurden die sexistischen Aussagen nun festgehalten.

In der Sexismus-Debatte rund um das Westschweizer Fernsehen RTS kommen immer mehr Erkenntnisse ans Licht. Neben Vorwürfen gegen den Téléjournal-Moderator Darius Rochebin kommt nun laut «Tagblatt» auch die Spitze unter Druck. Darunter Gilles Marchand, der von 2001 bis 2017 als RTS-Direktor fungierte und zurzeit die Dachorganisation SRG führt.

Auf dem Instagram-Kanal «Swiss Media Too» posten Journalistinnen über sexistische Erfahrungen, die sie in der Medienbranche gemacht haben. Ins Leben gerufen wurde der Account aufgrund der Enthüllungen rund um RTS. Mittlerweile hat «Swiss Media Too» bereits über 5000 Follower. Laut der RTS-Sendung «Mise au Point» wurden Auszüge davon in den Gängen der RTS-Büros aufgehängt.

Hier ein paar Aussagen, die im Account festgehalten wurden:

«Hast du dieses Wochenende gebumst? Man sieht dir an, dass du es liebst zu bumsen.» (Ein Journalist zu einer Kollegin an einem Montagmorgen)

«Sie macht die Montage. Aber sie gibt auch Blowjobs.» (Ein Journalist über eine Arbeitskollegin, die inzwischen gekündigt hat)

«Zum Glück haben wir hübsche Mädchen wie dich für solche Dienste.» (Ein Produzent, der eine Angestellte um eine Aufgabe bat, für die sie nicht zuständig war)

«Mmmh, meine erste Morgen-Erektion.» (Derselbe Angestellte zur selben Kollegin um 5 Uhr morgens im RTS-Lift)

«Nur zu! Ich arbeite seit 25 Jahren in dieser Firma. Ich mach, was ich will hier.» (Ein Radioproduzent, nachdem eine Angestellte sich ans HR wenden wollte)

Marchand wusste von den Vorwürfen

SRG-Generaldirektor Gilles Marchand hatte behauptet, von den konkreten Übergriffen während seiner Zeit im Amt nichts gewusst zu haben. Der «Tages-Anzeiger» berichtete jedoch am Donnerstag, dass Marchand von den Übergriffen gewusst hatte. Mehrere Briefe gingen an den RTS-Direktor, die die Fälle konkret beschrieben. Die Mitarbeiter, die sich in den Briefen an den Generaldirektor wandten, wurden nie angehört.

SRF-Direktorin Nathalie Wappler hat nun eine interne Umfrage angekündigt. Der RTS-Chefredaktor Bernard Rappaz hat sein Amt temporär abgegeben, bis die Untersuchung abgeschlossen ist. Über 140 Angestellte wollen nun über ihre negativen Erfahrungen bei der Genfer Anwaltskanzlei Troillet Meier Raetzo aussagen, wie CH Media berichtet.

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