Adlikon: «Sie haben eine Handgranate gebaut»
Aktualisiert

Adlikon«Sie haben eine Handgranate gebaut»

Nach der tödlichen Explosion bei einer Pfadiübung im zürcherischen Adlikon gibt ein Sprengstoffexperte Auskunft: Der Böller habe Ähnlichkeiten mit einer Handgranate aus dem Ersten Weltkrieg gehabt.

von
Regina Ryser

Mit einem Böller wollten Marc Z.* (16) und Roman F.* (18) die Nachtübung der ­Pfadi Andelfingen in Adlikon beginnen. Den Knallkörper bastelten sie selber. In eine rund 25 Zentimeter lange Metallstange füllten sie Schwarzpulver. Diese Idee bezahlte Marc mit dem Leben. «Sie haben aus Versehen ­eine Handgranate gebaut», sagt Sprengstoffexperte Günter Schwarz. Genau so habe man Handgranaten noch im Ersten Weltkrieg hergestellt. Je kompakter das Verpackungsmaterial des Knallkörpers sei, desto heftiger falle die Explosion aus. «Hätten sie das Schwarzpulver in einen Karton gefüllt und angezündet, wäre nichts Verheerendes passiert», so Schwarz.

Laut dem Experten ist es heutzutage leicht, einen Knallkörper zu bauen: «Die Anleitung findet man im Internet.» Auch Schwarzpulver ist einfach zu bekommen: indem man Feuerwerk aufbricht oder es bei Waffengeschäften kauft. «Wer 18 Jahre alt ist, kann es legal erwerben», sagt Stefan Oberlin, Sprecher der Kantonspolizei Zürich. Ob Roman F., der die Explosion schwerverletzt überlebt hat, wegen der Böller-Bastelei nun rechtliche Konsequenzen zu erwarten hat, konnte die Kantonspolizei gestern noch nicht sagen.

*Namen der Redaktion bekannt

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