Aktualisiert 06.08.2018 16:45

Strafgericht BS

«Sie haben Ihre Spender wie Kühe gemolken»

Das Strafgericht Basel-Stadt verurteilte am Montag einen Mann (53) wegen Betrugs. Er hatte 74'000 Franken von Spendern ertrogen, deren Mitgefühl er teilweise schamlos ausnutzte.

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Am Montag wurde ein delikater Betrugsfall am Basler Strafgericht verhandelt.

Am Montag wurde ein delikater Betrugsfall am Basler Strafgericht verhandelt.

Am Montag musste sich ein 53-jähriger Schweizer wegen gewerbsmässigen Betrugs vor dem Basler Strafgericht verantworten. Er soll im Rahmen von drei Deliktkomplexen zwischen 2005 und 2013 über 74'000 Franken an Spenden ergaunert haben. Das Geld habe er unter Vortäuschung falscher Tatsachen grösstenteils bei wohltätigen Stiftungen beschafft und dann zweckentfremdet.

Der Beschuldigte, der schon seit Jahren in der Theaterszene aktiv ist, täuschte laut Anklage vor, ein Buch seiner an Krebs verstorbenen Ehefrau publizieren zu wollen. Dieses ist nie erschienen, das Geld strich er dennoch ein. Vor Gericht beteuerte er, immer noch zu planen, das Werk in Form von Heften herauszubringen. «Ich habe es nach dem Tod meiner Frau einfach nicht geschafft», sagte er.

Der Ankläger taxierte dies als «sinnentleerte Erklärungsversuche». Er warf ihm vor, die Spender arglistig getäuscht und versucht zu haben, «aus dem Tod von Menschen Kapital zu schlagen». So habe er zum Beispiel ein Wohnheim für Krebskranke geplant, in der Liegenschaft stattdessen einen Quartiertreff betrieben und weiterhin Gelder für ein Hospiz gesammelt.

Rufschädigende Ermittlungen?

Die Verteidigung stellte die Anschuldigungen der arglistigen Täuschung und des Bereicherungsmotivs infrage. Beide sind notwendig für eine Verurteilung wegen Betrugs. Der Beschuldigte, der von der Sozialhilfe lebt, habe das Geld in Vorhaben investiert und nicht einfach in die Tasche gesteckt, ebenso wie ein vorzeitig bezogenes Erbe von über 500'000 Franken.

Besonders sauer stiess der Verteidigung das Verhalten der Staatsanwaltschaft während der Untersuchung auf. Letztere habe an zahlreiche Spender des Angeklagten Schreiben verschickt, in denen man nur habe ankreuzen können, dass man das Geld zurückfordert oder dass man einen Strafantrag stellen möchte. «Es kam zu einer enormen Rufschädigung, auch durch die Fälle, die eingestellt wurden», so der Verteidiger.

Gericht blieb hart

Die Staatsanwaltschaft attestierte dem 53-Jährigen kriminelle Energie und verwies auf verschiedene Fälle in den Akten, in denen er gelogen habe. Sie forderte eine bedingte Haftstrafe von zwölf Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren. Die Verteidigung gab hingegen zu bedenken, dass am Ende eines grossen Ermittlungsverfahrens nur «ein kleines Delikt» übriggeblieben sei, bei dem sich der Angeklagte schuldig bekenne: Er soll Spenden für die inexistente Familie eines Verstorbenen gesammelt haben. Das Strafmass setzte sie bei einer bedingten viermonatigen Haftstrafe bei zwei Jahren Bewährung an.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen gewerbsmässigen Betrugs und folgte im Strafmass der Forderung der Staatsanwaltschaft. Einzelrichterin Katharina Giovannone sah alle Tatsbestände als erfüllt an und ging mit dem Verurteilten hart ins Gericht: «Das ist, wie wenn man Kühe im Stall melkt», sagte sie über seinen fortwährenden Kontakt zu den Opfern. Dabei hatte er Glück, dass die Staatsanwaltschaft nur eine bedingte Haftstrafe gefordert hatte. Der Mann war bereits 2011 einschlägig verurteilt worden, nachdem er drei Wochen lang die Maestro-Karte eines Verstorbenen verwendet hatte.

Giovannone bestätigte das Fazit der Staatsanwaltschaft: «Sie schlugen aus dem Unglück anderer Kapital.» Der Verurteilte, der auch die Verfahrens- und Urteilskosten tragen muss, wird laut seinem Anwalt auf eine Berufung verzichten.

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