06.07.2018 17:04

Pöbelnde Kunden

«Sie haben sich mit Gratiswaren vollgestopft»

Der bei den Grenzgängern äusserst beliebte Supermarkt-Gigant Hieber cancelt sein Foodsharing-Projekt. Grund dafür seien pöbelnde Kunden, die selbst vor Mitarbeitern nicht haltmachten.

von
sis
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Wegen pöbelnder Kunden hat Dieter Hieber (47) von Hieber's Frische-Center sein Foodsharing-Projekt einstellen müssen.

Wegen pöbelnder Kunden hat Dieter Hieber (47) von Hieber's Frische-Center sein Foodsharing-Projekt einstellen müssen.

Dieter Hieber
Er plant aber bereits ein weiteres Projekt innerhalb der Läden, wo er, anders als auf den Parkplätzen, eine rechtliche Handhabe habe. Als Hausherr könne er, wenn nötig, auch Hausverbote aussprechen. Um den Frieden zu wahren.

Er plant aber bereits ein weiteres Projekt innerhalb der Läden, wo er, anders als auf den Parkplätzen, eine rechtliche Handhabe habe. Als Hausherr könne er, wenn nötig, auch Hausverbote aussprechen. Um den Frieden zu wahren.

Dieter Hieber

Das Foodsharing-Pilotprojekt von Hieber's Frisch-Center ist seit kurzem vorbei. Ein Jahr lang verschenkte der in der Region bei Schweizer Einkaufstouristen beliebte badische Supermarkt abgelaufene Lebensmittel an Hilfsbedürftige. Weil einige Kunden sich jedoch nicht benehmen konnten, pöbelten und schimpften, wurde das Projekt jetzt beendet. Sogar zu Handgreiflichkeiten soll es laut Inhaber Dieter Hieber gekommen sein.

«Meine Mitarbeiter hatten teilweise Angst, nach draussen zu gehen, um die Kunden zu bedienen», berichtet der 47-Jährige auf Anfrage. Zwei Boxen wurden auf den Parkplätzen der Filialen in Schopfheim und Nollingen aufgestellt und täglich mit abgelaufenen, aber qualitativ noch einwandfreien Waren bestückt.

Warteten zu Beginn rund fünfzehn Menschen vor einer Box, kamen mit der Zeit immer mehr. Leider hätten einige von ihnen so gar keine Manieren gehabt.

Erfolgloser Schuss vor den Bug

Regemässig hätten sich einige Chaoten vorgedrängelt, geschubst und gepöbelt. «Sie haben sich die Taschen mit den Gratiswaren vollgestopft und den anderen nichts übrig gelassen. Es kam daneben zu Beschimpfungen und Handgreiflichkeiten, auch gegenüber meinen Mitarbeitern», berichtet der Geschäftsführer. Sie hatten teilweise Angst, rauszugehen, um die Boxen zu bedienen, wenn sie bestimmte Menschen nur schon gesehen haben», so Hieber.

Zunächst habe man mit den Betroffenen noch das Gespräch gesucht – an sie appelliert, sie sollen sich zusammenreissen. Weil das keine Wirkung zeigte, gab es einen Schuss vor den Bug: Die Boxen wurden für zwei Wochen geschlossen. Danach sei es besser geworden. Aber das änderte sich schnell wieder.

«Ich glaube an die Menschen»

Er sei im Vorfeld vor diesem Konzept gewarnt worden, sagt Hieber. Er habe es dann aber trotzdem durchgezogen, weil er zum einen an die Menschen glaube und zum anderen den Grundsatz habe, Lebensmittel nicht wegzuwerfen.

Daher arbeite er schon lange mit den Tafeln zusammen. Weil abgelaufene Waren per Gesetz jedoch nicht weitergekauft werden dürften, bleibe nur noch die Möglichkeit des Verschenkens. Insbesondere für hilfsbedürftige Menschen, die sich aus Scham nicht bei einer Tafel anmelden möchten, habe er die Boxen aufgestellt.

«Schade, dass ein paar Chaoten das System so weit kaputt gemacht haben, dass wir es schliessen mussten», bedauert er.

Zweite Lösung in Planung

Seit Anfang Juli blieben die Foodboxen verschlossen. Hilfsbedürftige müssen sich wieder an die Tafeln wenden. Hieber plant aber bereits ein weiteres Projek. Im Markt selber möchte eine kleine Stelle einrichten, wo weiterhin abgelaufene Lebensmittel verschenkt werden sollen.

Anders als auf dem Parkplatz hat er innerhalb der Filiale eine rechtliche Handhabe. Als Hausherr könne er, wenn nötig, auch Hausverbote aussprechen. Um den Frieden zu wahren.

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