Bezirksgericht Zürich: «Sie haben sich wie ein Depp angestellt»
Aktualisiert

Bezirksgericht Zürich«Sie haben sich wie ein Depp angestellt»

Rasanter Abstieg des Präsidenten eines renommierten Zürcher Fussballclubs: Der Italiener wurde wegen Drogendelikten und Geldwäscherei im grossen Stil verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Gerichtspräsident Roland Heimann nahm während der Urteilseröffnung kein Blatt vor den Mund: «Sie haben sich wie ein Depp angestellt», erklärte er dem Beschuldigten, bei welchem es sich nicht um einen unbedeutenden Kleinkriminellen, sondern um einen langjährigen und bekannten Präsidenten eines traditionsreichen Stadtzürcher Fussballclubs handelte.

Der italienische Kaufmann aus dem Bezirk Dielsdorf galt noch vor zehn Jahren als erfolgreicher Unternehmer, der diverse Landsleute zu hohen Investitionen überredet hatte. Im Jahre 2005 kam es zum ersten Skandal. Es kam heraus, dass die Anlagen des heute 56-jährigen Kaufmanns nur Schall und Rauch waren. Der finanzielle Schaden ging in die Millionen.

Der Fussballpräsident musste nicht nur abtreten, sondern sich auch 2008 vor dem Zürcher Obergericht verantworten. Er wurde damals wegen Veruntreuung und weiteren Delikten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren sowie neun Monaten verurteilt. Acht Monate davon musste der zweifache Familienvater absitzen.

Bereits aus dem Gefängnis heraus erneut delinquiert

Heute ist klar, dass der verurteilte Kaufmann bereits aus dem Gefängnis heraus erneut delinquierte. Er profitierte dabei von der Halbgefangenschaft. So konnte er tagsüber weiterhin Finanzgeschäfte mit seiner Agentur im Kreis 4 tätigen.

Dabei nahm er laut Anklage ab November 2008 von zwei mittelamerikanischen Kokainhändlern regelmässig Drogengelder entgegen, die er gestückelt in Euro wechselte und den Dealern aus Kuba und der Dominikanischen Republik gewinnbringend zurückerstattete. Insgesamt wusch er dabei bis zum Frühling 2009 Drogengelder für rund 300'000 Franken.

Auch im Kokaingeschäft tätig

Die Anklageschrift schilderte wie der frühere Fussballclub-Präsident im Herbst 2009 auch in das Kokaingeschäft einstieg und dabei einen italienischen Drogendealer aus Bülach finanzierte. Dieser liess mit der Hilfe eines Bassersdorfer Piloten mit einem Kleinflugzeug bei drei Transporten rund vier Kilogramm Kokain und fünf Kilogramm Haschisch aus Spanien in die Schweiz einfliegen.

Früheres Geständnis widerrufen

Vor Gericht hinterliess der Ex-Präsident alles andere als einen guten Eindruck. So widerrief er ein in der Haft abgelegtes Geständnis, wonach er angenommen habe, dass die Gelder aus Drogendelikten stammten. Zudem wies er auch die Verwicklungen in Kokaingeschäfte zurück und schob dabei die Verantwortung auf einen Angestellten ab.

Der zuständige Staatsanwalt sah es anders und verlangte wegen Geldwäscherei, Drogendelikten sowie Unterlassung der Buchführung eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Zudem den Widerruf von 25 Monaten der bedingten Vorstrafe. Die Verteidigung forderte dagegen mangels Beweisen Freisprüche.

Dumm, naiv und blöd

Das Gericht kannte kein Pardon und kam zu umfassenden Schuldsprüchen. Die Beweislage war laut Gerichtspäsident Heimann gegen den Beschuldigten erdrückend. Eine Telefonkontrolle der Polizei liess keine Zweifel offen. So habe sich der Kaufmann auch der verklausulierten Sprache der Drogenhändler bedient, erklärte Heimann.

«Sie haben sich dumm, naiv und blöd verhalten», sagte er. Das Gericht setzte zum Schluss eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren sowie fünf Monaten fest. Laut Heimann eine hohe, aber keineswegs zu deftige Strafe für den gescheiterten Unternehmer.

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