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Abgebrochene Lehre«Sie haben uns Lehrlinge wie Dreck behandelt»

21 Prozent der Lernenden brechen ihre Lehre ab. Leser erzählen ihre Geschichte und sind überzeugt: Es war die richtige Entscheidung.

von
sil
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«Ich bereue es gar nicht, dass ich im zweiten Jahr meine Lehre als Coiffeuse abgebrochen habe. Als Lehrlinge mussten wir immer die Arbeit erledigen, die die anderen nicht machen wollten», erzählt Arjeta Aliu (23).

«Ich bereue es gar nicht, dass ich im zweiten Jahr meine Lehre als Coiffeuse abgebrochen habe. Als Lehrlinge mussten wir immer die Arbeit erledigen, die die anderen nicht machen wollten», erzählt Arjeta Aliu (23).

Keystone/Gaetan Bally
«Ich habe zwei Lehren abgebrochen. Zuerst eine als Detailhandelsfachmann, dann eine als Schreiner. Jetzt suche ich eine Lehre als Logistiker, weil mir das Organisieren und Aufräumen gut liegt», sagt Daniel L. (18).

«Ich habe zwei Lehren abgebrochen. Zuerst eine als Detailhandelsfachmann, dann eine als Schreiner. Jetzt suche ich eine Lehre als Logistiker, weil mir das Organisieren und Aufräumen gut liegt», sagt Daniel L. (18).

Keystone/Laurent Gillieron
«Die Lehre im Detailhandel war nicht mein Ding», so Daniel L.

«Die Lehre im Detailhandel war nicht mein Ding», so Daniel L.

Keystone/Christian Beutler

Jeder Fünfte bricht seine Lehre vorzeitig ab. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS). Die Hälfte davon tat dies im ersten Lehrjahr. Laut BFS bedeutet das aber nicht, dass sie eine Lehre als Bildungsweg nicht mehr in Betracht ziehen. Fast 80 Prozent begannen danach eine andere Lehre.

In den Berufen Coiffeur und Gastgewerbe gibt es laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» die meisten Lehrabbrüche. Die Abbruch-Quote liege bei über 30 Prozent. Lernende in den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung oder Sozialarbeit brechen ihre Lehre am seltensten ab.

Fünf Leser erzählen, warum sie ihre Lehre abgebrochen haben und ob sie ihre Entscheidung heute bereuen:

Luca K. (20):

«Ich habe meine Lehre zum Multimediaelektroniker abgebrochen, obwohl mir der Beruf sehr gefallen hat. Leider hatte ich aber sehr grosse Mühe mit dem Lehrbetrieb: Es war eine sehr kleine Firma, mit dem Chef, einem Mitarbeiter und mir. Da ich mich mit dem Mitarbeiter nicht gut verstanden habe und der Arbeitsweg auf Dauer zu lang war, habe ich die Lehre im zweiten Jahr geschmissen. Jetzt mache ich das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Automatiker, das ich 2019 abschliessen werde. Ich bereue die Entscheidung nicht.»

Arjeta Aliu (23):

«Ich bereue es gar nicht, dass ich im zweiten Jahr meine Lehre als Coiffeuse abgebrochen habe. In dem Betrieb damals waren wir Lehrlinge nur die ‹Bimbos›, wir mussten immer die Arbeit erledigen, die die anderen nicht machen wollten. Sie haben uns wie Dreck behandelt. Nach der Kündigung habe ich schnell eine neue Stelle in einem anderen Betrieb gefunden. Dort hat es mir richtig gut gefallen. Meine Lehre zur Coiffeuse habe ich mittlerweile erfolgreich abgeschlossen.»

Romina B. (20):

«Mit 16 Jahren habe ich eine Lehre als Detailhandelsfachfrau in einem Spielwarengeschäft begonnen. Als ich von den Mitarbeitenden gemobbt wurde, wollte ich die Lehre abbrechen. Da meine Mutter dagegen war, habe ich schliesslich so viele Dinge falsch gemacht, bis mich der Betrieb rausgeworfen hat. Die psychische Belastung war einfach zu gross. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Und ich würde es wieder tun. Ich will nicht wissen, wie es mir heute gehen würde, wäre ich in diesem Betrieb geblieben. Jetzt bin ich im letzten Lehrjahr zur Kleinkinderzieherin. Und sehr zufrieden damit.»

Daniel L. (18):

«Ich habe zwei Lehren abgebrochen. Zuerst eine als Detailhandelsfachmann: Dort habe ich gemerkt, dass das nicht mein Ding war. Die zweite Lehre zum Schreiner habe ich ebenfalls vorzeitig abgebrochen, weil ich nicht die für den Beruf nötigen Fähigkeiten hatte. Jetzt suche ich eine Lehre als Logistiker, weil mir das Organisieren und Aufräumen gut liegt.»

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