Migrant auf der Sea-Watch: «Sie hängten Doro auf und schnitten ihm ins Gesicht»
Aktualisiert

Migrant auf der Sea-Watch«Sie hängten Doro auf und schnitten ihm ins Gesicht»

Nach gut zehn Tagen dürfen die Migranten an Bord des Rettungsschiffes Sea-Watch 3 an Land. Darunter ist auch Doro (26). Hier ist seine Geschichte.

von
gux
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Doro hatte Europa als Ziel, aber er landete in einem libyschen Foltergerfängnis: «Die Wärter hängten Doro an den Händen auf und schnitten ihm ins Gesicht, während sie seine Mutter anriefen und Geld für seine Freilassung verlangten.»

Doro hatte Europa als Ziel, aber er landete in einem libyschen Foltergerfängnis: «Die Wärter hängten Doro an den Händen auf und schnitten ihm ins Gesicht, während sie seine Mutter anriefen und Geld für seine Freilassung verlangten.»

Sea Watch/Facebook
Er berichtet von Zigaretten, die auf seiner Brust ausgedrückt wurden, von einem Messer, das ihm in den Bauch gerammt wurde, von einer Kalaschnikow, mit der ihm ins Gesicht geschlagen wurde. Von seinem rechten Auge, das er so verlor.

Er berichtet von Zigaretten, die auf seiner Brust ausgedrückt wurden, von einem Messer, das ihm in den Bauch gerammt wurde, von einer Kalaschnikow, mit der ihm ins Gesicht geschlagen wurde. Von seinem rechten Auge, das er so verlor.

Sea Watch/Facebook
In Libyen werden Migranten aus den Gefängnissen geholt und für 200 bis 500 Dollar auf Sklavenmärkten angeboten. Doro wurde dreimal als Sklave verkauft, bevor ihm die Flucht gelang.

In Libyen werden Migranten aus den Gefängnissen geholt und für 200 bis 500 Dollar auf Sklavenmärkten angeboten. Doro wurde dreimal als Sklave verkauft, bevor ihm die Flucht gelang.

Sea Watch/Facebook

Er ist einer der 47 Migranten, die für rund zehn Tage an Bord des Rettungsschiffes Sea-Watch 3 ausharrten und nicht an Land gehen durften. Sein Name ist Doro (26). Er spricht sieben Sprachen, darunter Französisch, Englisch und Arabisch. Bei seinem Versuch, nach Europa zu gelangen, landete Doro im libyschen Gefängnis.

In libyschen Gefängnissen sind laut «Die Zeit» schätzungsweise 20'000 Migranten inhaftiert. Die meisten sitzen in Foltergefängnissen fest. «Die Wärter hängten Doro an den Händen auf und schnitten ihm ins Gesicht, während sie seine Mutter anriefen und Geld für Doros Freilassung verlangten», berichtet ein Mitglied von Sea-Watch, dem Doro seine Geschichte erzählt hat. Doros Mutter verkaufte demnach ihr Haus – doch frei kam der Sohn nicht. Nur die Wärter waren reicher geworden.

Für 200 bis 500 Dollar auf Sklavenmärkten angeboten

In Libyen ist es an der Tagesordnung, dass Migranten aus den Gefängnissen geholt und für 200 bis 500 Dollar auf Sklavenmärkten angeboten werden. Auch Doro wurde als Sklave angeboten, doch es gelang ihm, zu fliehen. «Als er versuchte, nach Europa zu gelangen, griff ihn die libysche Küstenwache auf – und brachte ihn zurück ins Gefängnis. Er landete wieder auf dem Sklavenmarkt», so Sea-Watch.

Insgesamt dreimal wurde Doro als Sklave verkauft. Er berichtet von Zigaretten, die auf seiner Brust ausgedrückt wurden, von einem Messer, das ihm in den Bauch gerammt wurde, von einer Kalaschnikow, mit der ihm ins Gesicht geschlagen wurde. Von seinem rechten Auge, das er so verlor.

«Gib ihnen keine Schuld. Sie haben nie so gelitten»

Er gab nicht auf und floh erneut. Seine Ziel, Europa, hatte er stets vor Augen. Kein Wunder: Schlepper stellen inszenierte Erfolgsgeschichten auf Facebook und Whatsapp und lassen die Hoffnungslosen hoffen.

Dieses Mal wird Doro von der Sea-Watch 3 aufgegriffen, wo er sich seit zehn Tagen nützlich machen will und demütig Geschirr wäscht. Man nennt ihn den freundlichen Riesen. «Er will, dass man seine Geschichte erzählt und teilt, damit andere nicht so leiden müssen wie er», sagt Sea-Watch. Wenn Doro könnte, sagt er, würde er andere davon abhalten, «es zu versuchen».

Doros Geschichte macht die Retter betroffen, doch sie ist kein Einzelfall. «Die Leute fordern, die Migranten doch nach Libyen zurückzubringen», schreibt der Mitarbeiter von Sea-Watch, der die Geschichte des 26-Jährigen aufgezeichnet hat. «Dann denke ich an Doro und höre ihn sagen: ‹Gib den Leuten keine Schuld. Sie haben nie so gelitten. Sie wissen nicht, was das heisst.›»

Wie es für Doro weitergeht, ist unklar.

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