«Sie hat Carolin getötet»
Aktualisiert

«Sie hat Carolin getötet»

Gegenseitige Anschuldigungen im Mordfall der dreijährigen Carolin, die letzte Woche an ihren Misshandlungen starb. Nachdem die 24-jährige Mutter ihren Freund Mehmet A. beschuldigt hatte, wies der 30-Jährige jetzt ihr die Schuld für die tödlichen Misshandlungen zu.

Die schwer misshandelte kleine Carolin war am 5. Januar in einer Klinik in Weissenhorn (Kreis Neu-Ulm) auf der Damentoilette abgelegt worden und Stunden später an den Kopfverletzungen gestorben.

Die Tat könnte nach Angaben des Amtsgerichts Dillingen von Mehmet A. unter Drogeneinfluss begangen worden sein. Dessen Leiter Hans Popp bestätigte am Mittwoch einen Bericht der «Bild»-Zeitung (Mittwochausgabe), wonach der Türke wegen Gewaltausbrüchen unter Drogeneinfluss immer wieder in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden war. «Er wurde insgesamt zehn Mal in das Bezirkskrankenhaus Günzburg zwangseingewiesen.»

Das Amtsgericht Dillingen hatte 1998 für Mehmet A. nach mehreren gewalttätigen Vorfällen zum eigenen Schutz einen gerichtlichen Betreuer zum Vormund bestellt. «Er hat immer noch einen Betreuer», sagte Gerichtsleiter Popp. «Die Betreuung verfolgt nicht das Ziel, andere vor ihm zu schützen», fügte er hinzu. In Fällen wie diesen solle dafür gesorgt werden, dass eine notwendige medizinische Behandlung auch durchgeführt werde. «Er hat sich auch mehreren Therapien unterzogen», sagte Popp. Die letzte sei Anfang September zu Ende gegangen. Weitere Einzelheiten wollte der Richter aus Datenschutzgründen nicht nennen.

Laut «Bild» soll der Verdächtige über Jahre hinweg Kokain und Heroin genommen haben. Die Grossmutter der getöteten Dreijährigen sagte dem Blatt: «Er hat überall im Haus Haschisch geraucht.» Zum Verdacht, dass Drogen eine Rolle bei der Tat gespielt haben könnten, wollten sich weder die Krumbacher Polizei noch die Staatsanwaltschaft in Memmingen äussern.

Beerdigung am Donnerstag

Polizeisprecher Armin Mayer sagte, die Ermittler würden zunächst die Auslieferung der Mutter abwarten. Sie und ihr Partner stünden nach wie vor unter dem Verdacht des gemeinschaftlichen Totschlags.

Der mit dem Fall betraute Ermittler Giuseppe Ingrosso von der Polizei in Brindisi erklärte, dass die nach Italien gereisten deutschen Polizeibeamten die Mutter voraussichtlich Ende der Woche nach Deutschland mitnehmen könnten. Zunächst sollten die Originalunterlagen per Flugzeug nach Italien gebracht werden, wie die Krumbacher Polizei mitteilte.

Bei Mehmet A. ist noch unklar, ob er ausgeliefert wird. Zaneta C. hat ihn in Brindisi wegen Entführung und Misshandlung angezeigt. Die Ermittler hätten zahlreiche Spuren von Misshandlung am Körper der Frau festgestellt, sagte Ingrosso. Als Motiv für die Tat an Carolin vermutete der Beamte nach den bisherigen Ermittlungen, dass Mehmet A. «ihr gemeinsames Leben ohne das Kind fortsetzen wollte».

Die Leiche des kleinen Mädchens wurde von der Staatsanwaltschaft freigegeben. Nach Angaben der Stadt Weissenhorn soll Carolin am (morgigen) Donnerstag im schwäbischen Gundelfingen beerdigt werden. Die Grossmutter kümmere sich darum. Die 41-jährige Polin, die seit neun Jahren in Bayern lebt, sagte der «Augsburger Allgemeinen»: «Ich will, dass Carolin hier beerdigt wird, damit ich ihr Grab täglich besuchen kann.» (dapd)

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