«Basic Instinct»-Taktik: «Sie hat ihre Beine übereinandergeschlagen, um den Premier abzulenken»

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«Basic Instinct»-Taktik«Sie hat ihre Beine übereinandergeschlagen, um den Premier abzulenken»

Eine Labour-Vertreterin habe den Premierminister aus dem Konzept bringen wollen, behauptet der konservative Parlamentarier anonym. Dafür schlägt ihm parteiübergreifend Kritik entgegen.

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«Mir wird ein Trick vorgeworfen, um den hilflosen Premierminister abzulenken – weil ich eine Frau bin, Beine habe und Kleidung trage.»

«Mir wird ein Trick vorgeworfen, um den hilflosen Premierminister abzulenken – weil ich eine Frau bin, Beine habe und Kleidung trage.»

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Premierminister Boris Johnson verurteilte die Aussagen des Parlamentariers.

Premierminister Boris Johnson verurteilte die Aussagen des Parlamentariers.

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Auf Twitter schrieb Johnson: «So sehr ich mit Angela Rayner in fast allen politischen Fragen nicht übereinstimme, so sehr respektiere ich sie als Parlamentarierin und bedauere die Frauenfeindlichkeit, die heute anonym gegen sie gerichtet wurde.»

Auf Twitter schrieb Johnson: «So sehr ich mit Angela Rayner in fast allen politischen Fragen nicht übereinstimme, so sehr respektiere ich sie als Parlamentarierin und bedauere die Frauenfeindlichkeit, die heute anonym gegen sie gerichtet wurde.»

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Darum gehts

Ein anonymer konservativer Abgeordneter hat einer Kollegin der britischen Opposition eine «Basic Instinct»-Taktik vorgeworfen. Die stellvertretende Vorsitzende der Labour-Partei, Angela Rayner, habe im Unterhaus immer wieder ihre Beine übereinandergeschlagen mit dem Ziel, Premierminister Boris Johnson abzulenken, sagte der Tory-Abgeordnete der Zeitung «Mail on Sunday». Politikerinnen aller Parteien und auch Johnson wiesen die Behauptung am Montag zurück und warfen dem Abgeordneten Sexismus vor.

Der Artikel nahm Bezug auf eine Szene aus dem Thriller «Basic Instinct» von 1992, in der Sharon Stone von der Polizei verhört wird und ihre Beine übereinanderschlägt. Rayner zeigte sich empört über die Anschuldigung und warf «Boris Johnsons Cheerleadern» eine verzweifelte Schmutzkampagne vor.

«Mir wird ein Trick vorgeworfen, um den hilflosen Premierminister abzulenken – weil ich eine Frau bin, Beine habe und Kleidung trage», schrieb die Politikerin auf Twitter. Frauen in der Politik seien solchem Sexismus jeden Tag ausgesetzt und sie bilde dabei keine Ausnahme.

«Die entsetzlichste Ladung sexistischen, frauenfeindlichen Mülls»

Auch der Premierminister verurteilte den Artikel und schrieb ebenfalls bei Twitter: «So sehr ich mit Angela Rayner in fast allen politischen Fragen nicht übereinstimme, so sehr respektiere ich sie als Parlamentarierin und bedauere die Frauenfeindlichkeit, die heute anonym gegen sie gerichtet wurde.» Johnson sagte am Montag, er habe sich mit Rayner wegen des Artikels in Verbindung gesetzt, den er als «die entsetzlichste Ladung sexistischen, frauenfeindlichen Mülls» bezeichnete. Der anonyme Abgeordnete würde den Schrecken der Welt erleben, wenn er identifiziert werde. «Das ist völlig untragbar, so etwas», sagte Johnson britischen Rundfunksendern.

Mehr als ein Jahrhundert nach der Wahl der ersten weiblichen Abgeordneten ins Parlament machen Frauen 34 Prozent der 650 Vertreter im Unterhaus aus. Politikerinnen äusserten dennoch, der Zeitungsartikel sei ein extremes Beispiel für den Sexismus, der ihnen täglich entgegenschlage. Die Labour-Abgeordnete Rachel Reeves sagte, sie hoffe, dass der schreckliche Artikel in der «Mail» noch etwas Gutes bewirken werde. Die Menschen könnten nun sehen, wie es im Parlament zugehe. 

Auch führende konservative Politiker verurteilten die Äusserungen. Gesundheitsminister Sajid Javid twitterte: «Keine Frau in der Politik sollte sich so etwas gefallen lassen müssen.» Seine Parteikollegin Caroline Nokes, Vorsitzende des Ausschusses für Frauen und Gleichstellung, erklärte, sie habe den Präsidenten des Unterhauses gebeten, den Journalisten Glen Owen zu tadeln, der den Artikel verfasste.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund der Geschlechtsidentität diskriminiert? 

Hier findest du Hilfe:

Gleichstellungsgesetz.ch, Datenbank der Fälle aus Deutschschweizer Kantonen

Eidgenössisches Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann

My 20 Minuten

(dpa/fos)

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