Aktualisiert 22.07.2013 10:27

Doktor Sex

«Sie hatte schon Sex mit einem anderen!»

Arne ist glücklich, solange er nicht daran denkt, dass seine Freundin ihr erstes Mal mit einem anderen Jungen hatte. Trotz Gesprächen kriegt er seine Eifersucht nicht in den Griff. Was tun?

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Eifersucht kann eine Beziehung zerstören. (Symbolbild: Colourbox.com)

Eifersucht kann eine Beziehung zerstören. (Symbolbild: Colourbox.com)

Frage von Arne (17) an Doktor Sex: Seit bald zwei Monaten sind meine Freundin und ich ein glückliches Paar. Wir geben uns sehr viel und rücken immer näher zusammen. Doch da gibt es einen Punkt, an dem mir die schönen Gefühle vergehen: dann nämlich, wenn ich an das erste Mal denke. Im Gegensatz zu ihr hatte ich noch nie Sex und das belastet mich auf eine komische Art. Ich weiss, dass dies nicht relevant sein sollte, aber ich kriege die Eifersucht auf den Anderen trotzdem nicht aus meinem Herzen. Wir haben das Thema schon einige Male besprochen, aber es half mir praktisch nichts. Was mache ich falsch und was kann ich dagegen tun?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Arne

Du machst nichts falsch. Es ist naheliegend, dass du über dein erstes Mal nachdenkst. Und bei diesem Nachdenken macht es logischerweise einen Unterschied, dass deine Freundin schon mit einem Mann geschlafen hat, du aber noch «Jungfrau» bist. Die Gefühle, die als Reaktion auf diesen Umstand entstehen, kannst du nicht einfach wegmachen. Sie zwingen dich aber auch zu nichts und du bist weiterhin frei, dein Denken und deine Haltung dieser Tatsache gegenüber zu gestalten - also dich zu entscheiden, wie du damit umgehen willst. Dass deine Freundin Sex mit einem anderen Jungen hatte, ist Geschichte und muss dich nicht kümmern, denn die Vergangenheit ist nicht veränderbar. Deine Gegenwart jedoch kannst du gestalten.

Eifersucht ist eine unangenehme Emotion. Sie wird genährt durch Fantasien und die Vorstellung, dass der geliebte Mensch mit jemand anderem Dinge erlebt oder erlebt hat, von denen die eifersüchtige Person glaubt, diese seien gleichwertig oder gar besser als alles, was sie mit ihm teilt. Oft steht dahinter ein vermindertes Selbstwertgefühl verbunden mit dem Anspruch, den geliebten Menschen besitzen zu wollen, ihn also zu einem Objekt zu machen, über das man nach Belieben verfügen kann – gerade so, als wäre sie ein Teil von einem selbst. Menschen gehören aber niemandem und sie bestimmen eigenständig über ihr Leben. Es ist wichtig, dass du dir das bewusst machst.

Wir alle lernen im Verlauf unserer Kindheit Dinge, die uns später behindern. Die Art, wie wir über unsere Beziehungen im Erwachsenenalter denken, wie wir sie erleben und wie wir uns darin verhalten zum Beispiel, ist immer auch von unseren ersten Beziehungen im Leben geprägt: derjenigen zu unseren Eltern. Diese aber zeichnet sich primär durch Abhängigkeit aus, denn um zu überleben, waren wir auf ihre Gunst angewiesen. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich im Verlauf der Jugend und des jungen Erwachsenenalters bewusst zu werden, dass man mehr und mehr auf eigenen Beinen steht und dass Beziehungen dadurch eine andere Qualität erhalten: Anstelle der Abhängigkeit tritt die Möglichkeit, diese zu gestalten und zu wählen, auf wen wir uns wie einlassen und wozu.

Versuche deshalb, das, was du erlebst, als Lernfeld zu sehen. Schau genauer hin und finde heraus, auf welchen Wertvorstellungen und Konditionierungen deine Ideen und Bilder von Beziehung basieren. Wo orientierst du dich mit deinem Verhalten an Sehnsüchten aus der Kindheit? Wo glaubst du, dich aus Angst vor Konsequenzen – zum Beispiel Liebesentzug – auf eine ganz bestimmte Art verhalten zu müssen? Wenn du magst, kannst du diese Fragen auch gemeinsam mit deiner Freundin erörtern. Du wirst so einiges über dich herausfinden. Und auch wenn dieser Erkenntnisprozess dich mit Schattenseiten und starken Emotionen in Kontakt bringen wird: Letztlich wird er dir neue Wahlmöglichkeiten im Umgang mit deinem Leben und deinen Beziehungen eröffnen.

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